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Buchhandlung für ausgesuchte Literatur Ulrich Klinger Seit über 20 Jahren Ihre Buchhandlung im Veedel
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"Lola"

Love, Melissa Scrivner

Krimi, Tb., 391 S., € 14,95

 

Lola ist Chefin der Gang "The Greenshaw Six", was niemand wissen darf, denn Frauen zählen nicht übermäßig viel in der Mucho-macho-Welt in LA. Alles geht gut, bis sie in einen Bandenkrieg hineingezogen wird. Letztlich bleiben ihr nur ein paar Tage. Entweder löst sie die Forderungen ein - oder es erwartet sie der sichere Tod. Und die Zeit rinnt...

 

Ein absolutes Highlight unter den Krimis in diesem Jahr. Eine Heldin, in ihrer Zerrissenheit und mit ihrer Zielstrebigkeit. Absolute Meisterklasse. LESEN.

Uli Klinger 14.09.2019

Vor der Wand

Göring, Michael

Roman, Gebunden, 320 S., € 19,95

Eine Jugend in den 1960er und 70er Jahren in einer typischen Mittelstandsfamilie, dem Rückgrat der Bundesrepublik, dem Hort der Tabus. In der Vätergeneration glimmt noch die Operetten-Idylle, bei den Jugendlichen geht es um laute Rockmusik, lange Haare, sexuelles Erwachen und viele linke Thesen. Georgs Vater gehört zur sprachlosen Generation, doch Georg bohrt und gibt keine Ruhe. Erst als sein Vater nichts mehr zu verlieren hat, öffnet er sich seinem längst erwachsenen Sohn.

 

Selten hat mich ein Roman so gefesselt und ins Grübeln gebracht, wie „Vor der Wand“ von Michael Göring. Das SS- und Wehrmachtsmassaker am 12. August 1944 in dem toskanischen Dorf Sant` Anna di Stazzemia bildet den Hintergrund und den dramatischen Höhepunkt. 400 Tote, darunter ca. 130 Kinder waren die unschuldigen Opfer. Bis heute ungesühnt! Die deutschen Gerichte lehnten die Auslieferung der in Italien verurteilten deutschen Kriegsverbrecher ab. Unbedingt lesen!

Uli Klinger 19.08.2019

 

Daniela Krien scheint ihr Thema gefunden zu haben. Vor Wochen empfahl ich Ihnen / Euch ihr Erstlingswerk „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“. Ein Buch, das mich sofort in einen wahren Leserausch gezogen hat. Hier läuft im Hintergrund die Situation in der DDR kurz vor „dem Anschluss“ mit.

 

 In „Muldental“ ist die Zeit weiter fortgeschritten, Deutschland (zu den Bedingungen des Westens) „wiedervereint. Und die Autorin schildert in 10 Geschichten die Schicksale von Wendeverlierer*innen. Das Scheitern der Illusionen, der Anfang vom Ende. Meisterhaft geschrieben, diese Kurzprosa hat es in sich. Auch hier kann ich nur empfehlen: LESEN!

Ganz nebenbei erschließt sich das Verständnis für Wessies über die Empfindlichkeit der Ossies. Auch und gerade in der heutigen Zeit. Und dies nie aufdringlich. Daniela Krien sind ihre „Held*innen“ wichtig, sie schildert sie voller Empathie. Das ist ihre große Kunst: Über die Schilderung des alltäglichen die gesellschaftlichen Umwandlungen spürbar und nachvollziehbar zu machen.

Uli Klinger 08.08.2019

Muldental“

Krien, Daniela

Kartoniert, 224 S., € 9,99

Diese Ausgabe ist z. Zt. nicht mehr vom Verlag beziebar. Die Rechte wurden an "Diogenes" verkauft, dort erscheint eine Neuausgabe im Frühjahr 2020.

Wir haben aber noch 2 Exemplare auf Lager! Wer zuerst kommt, der ...

 

"Alleingang"

Moster, Stefan

Gebunden, Mit Lesebändchen, 368 S., € 24,00

 

Als Kinder sind sie Freunde: Freddy und Tom. Sie wohnen in derselben Straße, besuchen dieselbe Klasse, nachmittags spielen sie Baader-Meinhof-Bande. Während Tom als behütetes Einzelkind aufwächst, lebt Freddy mit Oma und Geschwistern in einem verwahrlosten Haushalt. Anfang der Achtziger zieht Tom in eine alternative Studenten-WG; man positioniert sich gegen Kernkraft, Startbahn West und Pershing-Raketen - und gefällt sich darin, "einen wie Freddy" in seinen Reihen zu haben. Doch die Rolle des Außenseiters ist kompliziert.

Erzählt aus der Perspektive des Erwachsenen, der frisch aus der Haft entlassen ist, spielt der Roman an einem einzigen Tag: Von dort blickt Freddy zurück in jene Zeit, in der Freundschaften, Konflikte, freie Liebe und der Hunger nach Anerkennung sein Leben bestimmten - und zu einer Tragödie führten, die ihn viele Jahre seines Lebens kosten sollte.
Der Weg in die Freiheit ist ein Weg zurück: Am Tag seiner Haftentlassung werden in Freddy Erinnerungen lebendig an die Zeit, als freie Liebe und der Hunger nach Anerkennung sein Leben bestimmten und er sich schließlich entschied, aus Freundschaft das Äußerste zu tun. Der Preis war hoch. Zu hoch? Und wo sind die Freunde von damals? Überhaupt: Wohin geht man, wenn man rauskommt?

 

Hervorragend! Kaufen! Lesen!! Sie werden begeistert sein!!! Uli Klinger 20.05.2019

 

 

"Irgendwann werden wir uns alles erzählen"

Daniela Krien

Kartoniert, 240 S., € 9,99

 

Die Geschichte dieses Romans spielt im Sommer 1990, nahe der deutsch-deutschen Grenze in der damaligen DDR. Diese ist Vergangenheit, aber die Zukunft hat noch nicht begonnen. Es ist Umbruchzeit.

Marie ist 16, wird bald 17. Sie ist bei ihrer Mutter ausgezogen und wohnt mit Johannes, ihrem Freund, bei dessen Eltern auf dem Bauernhof. Marie ist verträumt, liest lieber als in die Schule zu gehen.

Auf dem Nachbarhof wohnt der vierzigjährige Henner. Allein. Ein Geheimnis umgibt ihn, aber er fasziniert auch durch seine charismatische Ausstrahlung.

Marie und Heiner begegnen sich, lernen sich kennen und das ungeheuerliche geschieht. Sie werden ein (heimliches) Liebespaar. Und dann kommt der Tag der Entscheidung.

In einer wunderschönen, oft auch wieder lakonischen Sprache erzählt uns Daniela Krien diese Geschichte.

Es war ihre Erstveröffentlichung – und katapultierte sie gleich nach weit oben.

Ich kann ihnen dieses Buch nur ans Herz legen. Ich habe es genossen.

Uli Klinger 04.04.2019

Anke Stelling erhält den Preis der Leipziger Buchmesse 2019 für        "Schäfchen im Trockenen".

 

Wir gratulieren!!! Und das nicht nur pflichtmäßig, sondern aus vollem Herzen, ist sie doch eine der absoluten Lieblingsautor*innen von mir.

 

Und die Gratulation geht auch an den "Verbrecher Verlag" in Berlin. Immer wieder besticht er durch die Auswahl seiner Autor*innen und zeigt damit seit Jahren, wie wichtig gerade kleine Verlage für unsere Kulturlandschaft sind. Weiter so!

Uli Klinger 21.03.2019

"Schäfchen im Trockenen"

Roman

Stelling, Anke

Verbrecher Verlag

Gebunden, 266 S., € 22,00

 

Resi hätte wissen können, dass ein Untermietverhältnis unter Freunden nicht die sicherste Wohnform darstellt, denn: Was ist Freundschaft? Die hört bekanntlich beim Geld auf. Die ist im Fall von Resis alter Clique mit den Jahren so brüchig geworden, dass Frank Lust bekommen hat, auszusortieren, alte Mietverträge inklusive. Resi hätte wissen können, dass spätestens mit der Familiengründung der erbfähige Teil der Clique abbiegt Richtung Eigenheim und Abschottung und sie als Aufsteigerkind zusehen muss, wie sie da mithält. Aber Resi wusste’s nicht. Noch in den Achtzigern hieß es, alle Menschen wären gleich und würden durch Tüchtigkeit und Einsicht demnächst auch gerecht zusammenleben. Das Scheitern der Eltern in dieser Hinsicht musste verschleiert werden, also gab’s nur drei Geschichten aus dem Leben ihrer Mutter, steht nicht mehr als ein Satz in deren Tagebuch. Darüber ist Resi reichlich wütend. Und entschlossen, ihre Kinder aufzuklären, ob sie’s wollen oder nicht. Sie erzählt von sich, von früher, von der Verheißung eines alternativen Lebens und der Ankunft im ehelichen und elterlichen Alltag. Und auch davon, wie es ist, Erzählerin zu sein, gegen innere Scham und äußere Anklage zur Protagonistin der eigenen Geschichte zu werden.

 

Weitere Infos: www.ankestelling.de 

"Der dunkle Garten"

Roman

French, Tana 

Verlag: FISCHER-Scherz 

Kartoniert, Klappenbroschur, 656 S., € 16,99

 

Achtung: Wenn Sie dieses Buch anfangen zu lesen, dann wird es kritisch mit ihrer sonstigen Zeit. Ich konnte es wegen der Spannung stellenweise nicht aus der Hand legen.

Doch worum dreht es sich?

 

Toby Hennessy, 28, führt ein unbeschwertes Leben in Dublin. Bis er eines Nachts in seiner Wohnung brutal zusammengeschlagen wird. Toby überlebt nur knapp, kann sich nicht mehr auf seine Erinnerungen verlassen. Er flüchtet sich in das "Efeuhaus" - das alte Anwesen der Familie, wo er sich um seinen sterbenden Onkel Hugo kümmern soll. Doch der dunkle Garten des Hauses birgt ein schreckliches Geheimnis - und es beginnt ein wahrer Horrortrip...

"In der besonderen Zone zwischen Spannung und Literatur, mit einer Sprache wie Satin, ein Glücksfall für den Leser." Stephen King

 

Ein absolutes "MUSS" !!! Uli Klinger 06.03.2019

 

 

„Das Lied der Stare nach dem Frost“

Roman

Klönne, Gisa

Piper Verlag

Kartoniert, 479 S., € 11,00

 

Nun, dieses Buch ist nicht neu. Die Erstauflage erschien schon im Jahr 2013 im Pendo Verlag. Aber ich habe es erst jetzt gelesen und möchte es ihnen dringend an Ihr Leser*innenherz legen.

 

Dies ist kein Krimi, am ehesten lässt es sich als Familienroman klassifizieren. Denn darum dreht es sich: Familie, Familienerinnerungen, falsche Legenden, Mythenbildung, deutsche Geschichte ab dem Ende des 1 Weltkrieges bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts. Und um Familienlügen. Sorgfältig aufgebaut, streng gehütet. Und dies alles in einem faszinierenden Stil geschrieben, nie langweilig und herunterziehend. Gisa Klönne eben! Sie erzählt auf 2 Zeitebenen. Einerseits die ihrer Großeltern, beginnend 1915 und andererseits die von Rixa in der Jetztzeit nach dem Todesfall der Mutter. Meisterhaft. Anders kann ich es nicht beschreiben.

 

Zum Inhalt: Rixa Hinrichs tingelt als Barpianistin um die Welt. Seit dem tragischen Unfalltod ihres Bruders ist sie ein bisschen neben der Spur. Da erreicht sie mitten auf einer Tour mit einem Kreuzfahrtschiff die Nachricht vom Unfalltod ihrer Mutter. Ein tödlicher Autounfall fast an derselben Stelle wie vor Jahren der Bruder. Zufall? Rixa bricht ihr Engagement an und kehrt zurück nach Deutschland.

Die Suche nach einer Erklärung führt Rixa in das alte Pfarrhaus ihrer Großeltern nach Mecklenburg, wo sie als Kind unbeschwerte Ferientage verbrachte. Doch Rixas Erinnerungen erweisen sich als trügerisch: Sie erkennt, dass ein streng gehütetes Geheimnis in ihrer Familie bis heute düstere Schatten wirft – nicht nur auf das Leben ihrer Mutter, sondern auch auf das ihres Bruders und ihr eigenes. 8 Jahre fehlen, 8 Jahre werden totgeschwiegen.

Sie taucht tief ein in ihre eigene Familiengeschichte, ihr noch lebender 2. Bruder ist ihr keine wirkliche Hilfe. Aber sie will die Wahrheit wissen …

Der schönste Satz: Eine von zigtausend immergleichen deutschen Geschichten: Die Nachfolgegeneration kommt zusammen und erforscht ihre Familiengeschichte und – große Verblüffung – auch die geliebten Großeltern waren einmal Nazis gewesen. Oder die Eltern, je nach Alter.“

 

Gisa Klönne liest am 06.05.2019 in der Buchhandlung.

Weitere Infos: https://www.gisa-kloenne.de/

4

"Tunnelspiel"

Kriminalroman

Berling, Carla

Verlag: Heyne (2018)

Aus der Reihe:  Ira Wittekind - 3

Kartoniert, Klappenbroschur, 272 S., € 9,99

 

Eigentlich wollte Reporterin Ira Wittekind mit ihrem Lebensgefährten Andy eine kleine Fahrradtour unternehmen, da stoßen sie am verfallenen Schlachthof in Bad Oyenhausen auf einen Tatort der Sonderklasse. Der Verleger Lorenz Brenner wurde tot aufgefunden: Nackt, gefesselt an ein Gitter. Schnell ist klar, dass der Hintergrund in die Sado-Maso-Szene hineinreicht.  Ein Mord! Aber warum an diesem Ort, warum unter diesen Umständen. Ira Wittekind beginnt zu ermitteln. Der Ermorete war nicht beliebt, das ist schnell klar, doch jede(r) der möglichen Tatverdächtigten scheidet als Täter*in aus. Wer also?

Mehr wird nicht verraten, außer das Carla Berling als Autorin immer besser wird. Ich habe diesen Krimi verschlungen.

Uli Klinger 01.01.2019 

 

 

"Die Eifelhexe"

Eifel Krimi

Kleiber, Katja

Verlag: Emons (2018)

Kartoniert, 224 S., € 10,90

 

Ein „Heimatkrimi“ der anderen Art

 

Die Eifel ist krimimäßig als Tatort wahrlich gut versorgt. Doch Katja Kleiber wählt einen neuen Zugang zu dieser Landschaft, zu den Menschen. Haupthandlungsgebiet ist die Gegend um Adenau, doch auch das Hohe Venn spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Soweit die Örtlichkeiten, doch nun zu der Handlung.

Wolfgang Leyendecker, mächtiger Player der Konservativen, ist tot. Ermordet, wie sich bald herausstellt. Mit einer Überdosis Digitalis, dem Pflanzengift aus dem Fingerhut. Unter dringenden Tatverdacht gerät von Anfang an Ella Dorn. Sie ist nach einem Born-out von Frankfurt in die Eifel gezogen. Hier hat sie ihre Liebe zu Bäumen und Pflanzen entdeckt, sich kundig gemacht und gilt im Dorf und der näheren Umgebung als Heilkundige, manchen auch als „Kräuterhexe“. Auch geheime Magnetfelder und Wasseradern kann sie mit ihrer Wünschelrute finden.

Die leitende Ermittlerin Tanja Marx schießt sich auf sie ein. Für sie passt alles zusammen, nur das Motiv fehlt.

Ella Dorn wehrt sich und beginnt selbst zu „ermitteln“. Schon bald stellt sich heraus, dass sich hinter der Eifelidylle mehr verbirgt, als sie angenommen hat. Klatsch, Tratsch, handfeste wirtschaftliche Interessen, Widersprüche zwischen Ökologie und Ökonomie.

Mehr will ich Ihnen nicht verraten. Lesen Sie einfach!!! Es lohnt sich.

Uli Klinger 18.11.2018

Von derselben Autorin liegt auch vor: "Dicker als Blut".

Katja Kleiber liest am 04.11.2019 bei uns in der Buchhandlung

 

 

"Spiegeljahre"

Roman

Huby, Felix

Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag (2018)

Gebunden, Mit Lesebändchen, 362 S., € 25,00

 

Er ist endlich da!!!! Der 3. Teil!!!

 

Christian Ebinger alias Felix Huby hat es als Journalist geschafft. Seit 1972 arbeitet er als Korrespondent für den "Spiegel" in der Stuttgarter Redaktion. Gleich zu Beginn hat er Baden-Württembergs spektakulären Atommüllfall zu recherchieren und wird zum wichtigen Berichterstatter über die Verbrechen der Baader-Meinhof-Gruppe. Beim Stammheim-Prozess ist er ganz nah dran, auch als Jean Paul Sartre nach Stammheim kommt und auch, als Terroristen das Flugzeug "Landshut" kapern und die Freilassung der Baader-Meinhof- Gruppe erzwingen wollen. Er berichtet über die Suizide der RAF-Mitglieder - und ist jener Journalist, der wenig später den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Karl Filbinger mit dessen Kriegsgerichtsurteil konfrontiert. Dessen berühmt-berüchtigter Satz "Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein" wird ihn sein Amt kosten.

Christian Ebinger hat auch ein Privatleben. Seine Frau versucht ihn als stellvertretenden Chefredakteur nach Ulm zurückzuholen. Doch alle Pläne werden obsolet, als sein kleiner Sohn ums Leben kommt - eine Situation, aus der er sich herauskämpfen muss, in ein neues, verändertes Leben.
Besser, packender kann man Zeitgeschichte nicht erzählen!

Zu seinem 80. Geburtstag legt Felix Huby seinen dritten autobiografischen Roman "Spiegeljahre" vor. Es geht um hochspannende und politisch brisante Themen, über die er als Journalist berichtete: den Atommüllskandal in Baden-Württemberg, die RAF, den Stammheim-Prozess und die Suizide, nicht zu vergessen, die Recherche, die zum Rücktritt des Ministerpräsidenten Hans Karl Filbinger führt. Manche Anekdote aus der "bleiernen Zeit" kommt hier erstmals zur Sprache.

 

Hervorragend, absolut lesenswert!!!!  Uli Klinger 13.11.2018

 

 

Der Deutsche Jugendliteratupreis 2018     ging am 12. 10. 2018 an:

"Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß"

Roman

Präkels, Manja

Verlag: Verbrecher Verlag (2017)

Sprache: Deutsch

Gebunden, 280 S., € 20,00

 

Landleben zwischen Lethargie und Lebenslust. Mimi und Oliver sind Nachbarskinder und Angelfreunde in einer kleinen Stadt an der Havel. Sie spielen Fußball miteinander, leisten den Pionierschwur und berauschen sich auf Familienfesten heimlich mit den Schnapskirschen der Eltern. Mit dem Mauerfall zerbricht auch ihre Freundschaft. Mimi sieht sich als der letzte Pionier – Timur ohne Trupp.
Oliver wird unter dem Kampfnamen Hitler zu einem der Anführer marodierender Jugendbanden. In Windeseile bringen seine Leute Straßen und Plätze unter ihre Kontrolle. Dann eskaliert die Situation vollends …

Manja Präkels erzählt in ihrem Debütroman vom Verschwinden der DDR in einem brandenburgischen Kleinstadtidyll, dem Auftauchen verloren geglaubter Gespenster, von Freundschaft und Wut.

 

Manja Präkels wurde für dieses Buch mit dem Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium 2018 ausgezeichnet und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 nominiert.

Zudem erhält die Autorin für dieses Buch den Anna-Seghers-Preis 2018.

 

Hervorragend geschrieben. Für jugendliche und erwachsen LeserInnen ab 14 Jahre. Sollte in keinem Bücherschrank fehlen. Uli Klinger 08.10.2018

 

Ein Artikel der Autorin in der "WOZ", den ich Ihnen / Dir unbedingt ans Herz legen möchte: 

https://www.woz.ch/1840/ostdeutschland/seither-herrscht-ausnahmezustand 

 

 

 

 

"Integriert doch erst mal uns!"

Eine Streitschrift für den Osten

Köpping, Petra

Verlag: Ch. Links Verlag (2018)

Sprache: Deutsch

Kartoniert, 208 S., € 18,00

 

Warum sind das Misstrauen und die Distanz zu Demokratie und Politik in Ostdeutschland so groß? Woher kommt all die Wut? Das fragt die sächsische Integrations- und Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD).

"Integriert doch erst mal uns!" - diesen Satz hat sie in Gesprächen mit Bürgern und Anhängern von Pegida immer wieder vernommen.

Köpping fordert mit Nachdruck eine gesamtdeutsche Aufarbeitung der Nachwendezeit. In den unbewältigten Demütigungen, Kränkungen und Ungerechtigkeiten, in den Lebensbrüchen und Entwurzelungen der 1990er Jahre sieht sie eine wesentliche Ursache des heutigen Dilemmas. Ausführlich geht sie auf viele Probleme ein, die in der damaligen Zeit ausgeblendet oder bewusst verdrängt wurden - von der verfehlten Treuhand-Politik über den Elitenaustausch, die Abwertung von Berufsabschlüssen und den Verlust von Betriebsrenten bis hin zum Generalverdacht politischer Rückständigkeit, weil man in der DDR und damit in einer Diktatur gelebt habe.

Entstanden ist eine Streitschrift, in der sie für einen neuen Blick auf die Situation in Ostdeutschland wirbt und konkrete Vorschläge zur Verbesserung des Verhältnisses von Ost und West unterbreitet.
Die Fehler der Nachwendezeit gehören endlich aufgearbeitet!

 

 

"Das Euro-Desaster"

Wie deutsche Wirtschaftspolitik die Eurozone in den Abgrund treibt, Schluss mit dem Neoliberalismus!

Bibow, Jörg , Flassbeck, Heiner

Kartoniert, 224 S., € 20,00

 

Der Euro steckt seit 2008 in einer tiefen Krise, die nicht enden will und den Fortbestand der Währungsunion gefährdet. Doch Deutschland verweigert sich der Einsicht, dass es selbst eine entscheidende Schuld an der Misere hat. Stattdessen werden "Krisenländer" wie Griechenland, Portugal und Spanien als Schuldige an den Pranger gestellt.

Jörg Bibow und Heiner Flassbeck zeigen in ihrem Buch, dass die Eurogruppe unter der Führung Deutschlands für die unnötige Verlängerung der Krise verantwortlich ist. Die verordnete Austeritätspolitik und die sogenannte "Arbeitsmarktflexibilisierung" haben die Krise vertieft und verlängert. Bis heute wird nicht verstanden, dass Lohnsenkung unmittelbar die Arbeitslosigkeit erhöht, weil man damit die Binnennachfrage zerstört. Und Frankreich zeigt in diesen Tagen, dass es diese Lektion nicht gelernt hat.
Europa ohne Krise ist möglich
Argumente für eine Abkehr vom Neoliberalismus

 

 

"Inside AfD"

Der Bericht einer Aussteigerin

Franziska Schreiber

Gebunden mit Schutzumschlag, 224 S., € 18,00

 

Seit September ist die AfD mit 92 Abgeordneten im Bundestag vertreten und inszeniert einen medienwirksamen Konfrontationskurs zu den etablierten Parteien. Doch was treibt die Partei hinter den Kulissen an - und ist die Fremdenfeindlichkeit eine geteilte Grundposition aller?

 

 

Niemand kann darüber besser Auskunft geben als Franziska Schreiber, die noch 2017 im Vorstand der Jungen Alternativen, der Jugendorganisation der AfD, saß.

In ihrem Buch spricht sie Klartext über Antrieb, Ziele und Schwächen der AfD-Führung um Alexander Gauland sowie deren radikale Hetzer wie Björn Höcke. Die heute 27-Jährige trat 2013 in die AfD ein und machte eine steile Karriere. Innerhalb eines Jahres wird sie die Vorsitzende der Jungen Alternativen in Sachsen. 2017 ist sie im Bundesvorstand angekommen. Gegen den immer stärker und radikaler werdenden Flügel um Björn Höcke bezieht sie an Frauke Petris Seite Stellung. Entsetzt von den Aussagen, die innerhalb der AfD inzwischen üblich und akzeptiert sind, unternimmt sie mit anderen liberalen Mitgliedern im März 2017 einen letzten Versuch zur Kurskorrektur auf dem Bundesparteitag in Köln. Doch der Versuch scheitert. Es wird Zeit für eine Distanzierung. Ihren Parteiaustritt vollzieht sie eine Woche vor der Bundestagswahl 2017 öffentlich.

 

Sie übernimmt die Verantwortung, die Wähler über den Rechtsruck der Partei aufzuklären.

In ihrem Buch erzählt sie die ganze Geschichte der AfD und macht unmissverständlich deutlich, warum die Partei und ihre Anführer heute gefährlicher sind als je zuvor.


Der erste Insider-Bericht über die rechte Gefahr im Parlament.

 

LESEN!!!  Uli Klinger 20.08.2018

 

Wenn Sie ein ganz besonderes Krimileseerlebnis kennenlernen wollen, dann empfehle ich (als Start für die "Dave-Robicheaux-Reihe") den 1. Band "Neonregen".

Nur noch drei Stunden bleiben Johnny Massina bis zu seiner Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl. Der letzte Mensch, den er vor seinem Tod sprechen möchte, ist ausgerechnet ein Cop von der Mordkommission New Orleans. Massina lässt Dave Robicheaux wissen, dass er beseitigt werden soll. Mit seinen Ermittlungen ist er einigen mächtigen Gangstern in die Quere gekommen. Robicheaux vermutet, dass der geplante Anschlag auf ihn auch etwas mit der Leiche der jungen Frau zu tun hat, die er aus dem Bayou gefischt hat. Seine Kollegen bei der Polizei gehen von Selbstmord aus. Nur Dave glaubt nicht daran und ermittelt gegen alle Widerstände weiter. Dabei verstrickt er sich schnell in einen Fall, der noch viel morastiger ist als das Sumpfloch, aus dem er das tote Mädchen zog.

„Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass es ziemlich lange gedauert hat, bis ich James Lee Burke für mich entdeckt habe. Umso mehr bin ich von ihm begeistert, ja geradezu fasziniert. Diese Bücher kann man als Krimi lesen (was sie eigentlich vom Genre her auch sind), aber genauso gut auch als Gesellschaftsroman. Burke schildert mit seiner Figur einen glaubwürdigen Dave Robicheaux mit einer eigenen (altmodischen) Moralvorstellung und einem persönlichen Lebenshintergrund, der ihn immer wieder fast an den Rand der Gesellschaft drückt. Dazu eine Liebesgeschichte voller Romantik und Sensibilität und Sätze wie gemeißelt. Uli Klinger 20.07.2018

 

»Niemand erweckt Schauplätze so gut zum Leben wie James Lee Burke, und niemand beschreibt emotionale Konflikte so perfekt wie er.«
Elizabeth George

 

„Neonregen“

James Lee Burke

Ein Dave-Robicheaux-Krimi

Aus der Reihe:  Dave Robicheaux - Bd.1

Kartoniert, Englisch Broschur, 420 S., € 17,00

Bilal "Hummus Evolution"

Hardcover (Din A4 quer) - 106 Seiten
32 syrisch/vegane Rezepte,€ 23,00

Ein Kochbuch als Leseempfehlung, hier? Und dann noch syrische Rezepte und auch noch vegan? Geht das? Ja, meine ich, denn das hier ist etwas Besonderes. Toll gemacht, einfache (zumindestens mir) total unbekannte Rezepte - und (das Totschlagargument) Weihnachten kommt bald!!!

Ich empfehle Ihnen allerdings: Jetzt kaufen, kochen und dann Freunde, Bekannte, Verwandte beschenken!!!

Uli Klinger 13.07.2018

Hallo, mein Name ist Bilal. Vor zwei Jahren bin ich aufgrund des Bürgerkrieges aus Syrien geflüchtet.
Die drei Jahre zuvor habe ich in Damaskus gelebt. Viel gekocht habe ich damals nicht, denn es gab gutes Essen an jeder Straßenecke.
Als ich nach Deutschland kam, fehlte mir dieses sehr. Deswegen habe ich mich intensiv mit der syrischen Küche beschäftigt.
Das Kochen wurde so gleichzeitig eine Verbindung zu meiner Heimat und zu meiner Familie. So erinnere ich mich oft daran, wie meine Mutter zum Beispiel Milchreis oder Zucchini mit Reis (Mahashi) kocht. Seit einem Jahr wohne ich in einer Student_innen-WG in Marburg. Meine Mitbewohner_innen sind an der syrischen Küche sehr interessiert. Aber, sie ernähren sich alle vegetarisch oder vegan. Das gibt es in Syrien nur sehr selten. Da ich aber sehr gerne mit ihnen zusammen essen wollte, musste ich flexibel sein und experimentieren. Mittlerweile esse ich selbst nur noch wenig Fleisch.

"Die Bücherschmuggler von Timbuktu"

Charlie English

Hoffmann & Campe 2018    24,-€

 

 

 

Die sagenumwobene Stadt, die vor einigen Jahren erneute Aufmerksamkeit erfuhr, als ein paar mutige Bibliothekare ihre kostbaren Manuskripte vor den Islamisten in Sicherheit brachten. Davon erzählt Charlie English kenntnisreich und spannend. Dazu wirft er einen ebenso gründlichen Blick zurück in die europäische Geschichte von der Entdeckung Timbuktus. Zahlreiche Versuche, wenig Erfolg und reichlich Rätsel, so viel sei verraten, erwarten den gespannten Leser. Und ein faszinierender Blick auf die tiefe Verbundenheit der Menschen dieser Stadt zu ihrer Geschichte und den damit untrennbar verbundenen Manuskripten.

 

So spannend kann die Wirklichkeit sein- lesen lohnt sich! Und ergänzend dazu sei nochmals auf das großartige Jugendbuch "Blood and Ink" von Stephen Davies hingewiesen, das die Geschichte der Bücherschmuggler mit einer schwierigen ersten Liebe verbindet!

"Häuser aus Sand"

Hala Alyan

DuMont 2018     24,-€

 

 

 

 

 

 

Eine turbulente Familiengeschichte zwischen Flucht und Wurzelsuche

 

Am Anfang des Romans steht der Stammbaum der Familie Yacoub, genauer: der 3 Generationen, die in dieser Geschichte zu Wort kommen.

Und am Anfang steht Salma, Mutter zweier Töchter und eines Sohnes, begabt mit der Fähigkeit, aus dem Kaffeesatz die Zukunft zu deuten. Als sie vor der Hochzeit ihrer Tochter Alia beunruhigende Dinge für diese zu erkennen meint, verschweigt sie ihr manches. Im bald darauf folgenden 6-Tage-Krieg wird ihr Sohn getötet, Alia und ihr Mann flüchten nach Kuwait zu Salmas ältester Tochter und deren Familie.

 

Und so geht das Leben weiter, Kinder werden geboren, neue Kriege brechen aus und die Erzähler der Geschichte wechseln. Was bleibt, ist die Suche nach den Wurzeln, dem Ursprung- je weiter sich die Familie über die verschiedenen Kontinente verstreut, umso größer scheint die Sehnsucht zu werden.

Erst Jahre später macht sich Salmas älteste Urenkelin auf den Weg zurück- aber ist ein verlassenes Haus, ein Stück Landschaft, wirklich die Heimat? Oder ist Heimat nicht eher etwas, das wir stets mit uns tragen?

 

Eine lebendige Geschichte von einer Autorin, die das Thema Flucht und Heimatlosigkeit aus eigenem Erleben kennt:  fröhlich und bunt, an manchen Stellen traurig und nachdenklich, aber niemals pathetisch.

 

Wunderbarer Familienschmöker mit Liebe und Verstand!

"Lied vom Abendrot"

Lewis Grassic Gibbon

Guggolz-Verlag 2018     26,-€

 

 

 

 

Das Lieblingsbuch der Schotten endlich in deutscher Übersetzung, grandios gemeistert von Esther Kinsky!

Chris, älteste Tochter einer schottischen Häuslerfamilie, darf die Schule besuchen bis der Tod ihrer Mutter ihre Rückkehr auf den kleinen Hof der Familie notwendig macht. Sie fügt sich der Pflicht und dem strengen Vater bis sie nach dessen Tod überraschend entscheidet, den Hof weiter zu bewirtschaften. Und den Landarbeiter Ewan zu heiraten. Und noch weitere dem Umfeld suspekte Entscheidungen fällt...

 

Ein tiefer Einblick in das Leben der schottischen Häusler, das mit Beginn des ersten Weltkrieges eine tiefschneidende Wandlung erfuhr, eine wunderbar singende Sprache, die die Lektüre zum puren Genuss macht und eine Heldin, die sich nicht den gesellschaftlichen Erwartungen beugen möchte- braucht es mehr für packende Lesestunden?

Ein absolut wunderbarer Roman, den man sich nicht entgehen lassen sollte!

Nominiert für den LiBeraturpreis 2018

"Lügnerin"

Ayelet Gundar-Goshen

Kein & Aber 201            24,-€

 

 

 

 

Nuphar arbeitet in den Sommerferien vor ihrem letzten Schuljahr in einer Eisdiele, nicht etwa, weil sie das Geld so dringend braucht, sondern in der Hoffnung auf ein bisschen Abwechslung in ihrem eintönigen Leben und eine spannende Geschichte, die sie dann in der Schule erzählen kann um endlich, endlich dazuzugehören.

Was ihr dann allerdings am Ende der Ferien widerfährt, hätte sich das phantasiebegabte Mädchen nicht einfallen lassen: ein ungehaltener Kunde beschimpft sie, Nuphar verliert die Fassung und die rasch herbeigeeilten Helfer gewinnen den Eindruck, dass der Mann (zudem ein im Abstieg begriffener Hitparadenstar!) versucht habe, sich an ihr zu vergehen! Zunächst zu verstört, um dem zu widersprechen, blüht Nuphar im Licht ihrer Lügengeschichte auf...

 

Eine unterhaltsam erzählte Geschichte mit Tiefgang, ein Spiel mit Lüge, Wahrheit, Erwartungen und viel Liebe. Die Sprache lebendig und direkt, wenn es die Situation erfordert zart und behutsam- eine großartige Autorin in Bestform!

 

Kennen Sie Crissa Stone?

 

Wenn nicht, dann empfehle ich Ihnen ganz dringend „Kalter Schuss ins Herz“!

Crissa ist das Bad Girl der Kriminalliteratur. Berufsverbrecherin, 1 kleine Tochter (die nichts von ihr weis) und ihrem Lover, der allerdings z. Zt. unerreichbar für sie im Knast sitzt.

Aus ihrer Sicht ist dieser Krimi geschrieben, schnurstracks geht es in die Handlung, nicht umsonst nennt der Autor Wallace Stroby als Vorbilder: Richard Stark (alias Donald E. Westlake) mit seinem Helden „Parker“ und Garry Disher mit seinem Helden „Wyatt). Es ist also ein Leckerbissen, der Sie hier erwartet. Keine Sonnenuntergänge, keine Rührseligkeiten aber harter Stoff! Nur zu empfehlen.

Doch nun zu der Handlung: Crissa Stone ist jung, attraktiv und ein knallharter Profi. Ihr Geld macht sie mit Raubzügen. Crissa bekommt einen Job angeboten, bei dem sie mit zwei Komplizen eine Pokerrunde überfallen soll. Eine leichte Nummer, wenig Aufwand, sehr viel Geld. Der Auftrag läuft aus dem Ruder: Plötzlich fällt ein Schuss und einer der Pokerspieler wird getötet. Als sich herausstellt, dass der Tote der Schwiegersohn eines Gangsterbosses ist, wird die Lage für Crissa gefährlich. Der Boss engagiert Eddie den Heiligen, einen skrupellosen Verbrecher und eiskalten Killer, um den Ermordeten zu rächen. Crissa taucht unter, aber Eddie hat sie in der Hand. Er weiß, für wen Crissa ihr Leben riskieren würde. Sie weiß, es gibt nur eine Lösung …

»Crissa hat ebenso männliche wie weibliche Leser. Frauen mögen sie, weil sie ein starker Charakter und eben kein Opfer ist. Die männlichen Leser schätzen die Crissa-Romane als gut erzählte, vorwärtstreibende Geschichten.« (Wallace Stroby)

 

Uli Klinger 12.04.2018

Die weiteren in Deutschland lieferbaren Titel um Crissa Stone:

"Geld ist nicht genug"- Bd. 2

"Fast ein guter Plan" - Bd. 3

Der abschließende Band 4, dessen Titel noch nicht feststeht, erscheint demnächst!

4

"Der große Plan"

Denglers neunter Fall

Wolfgang Schorlau

Kartoniert, Großformatiges Paperback. Klappenbroschur, 448 S.,€ 14,99

 

Wow, was für ein Krimi!!!

Das schlägt alles, was ich bisher in diesem Jahr gelesen habe.

Die „Griechenlandkrise“ bildet dieses Mal den Hintergrund. Wie immer erbarmungslos gut recherchiert. Schorlau deckt die ganzen Hintergründe auf – und hat gleichzeitig eine Krimihandlung geschrieben, die einem das Buch kaum aus der Hand legen lässt.

Die Spur des großen Geldes - Dengler deckt die Machenschaften der "Euro-Retter" auf.
Georg Dengler droht an seinem bisher größten Fall, dem neunten in Wolfgang Schorlaus Bestseller-Krimiserie, zu scheitern: Wer hat die EU-Beamtin Anna Hartmann entführt? Was hatte sie mit der sogenannten Griechenlandrettung zu tun? Und vor allem: Wo sind die Milliarden europäischer Steuergelder wirklich gelandet?
Endlich, die mageren Jahre sind vorbei! So jedenfalls scheint es dem Stuttgarter Privatermittler Georg Dengler. Zum ersten Mal ergattert er einen wirklich gut bezahlten Auftrag: Das Berliner Auswärtige Amt will, dass er nach der Mitarbeiterin Anna Hartmann sucht. Ein Handyvideo legt nahe, dass sie entführt wurde. Mithilfe seiner technisch versierten Freundin Olga gelingt es Dengler, vier verdächtige Männer zu identifizieren. Bevor er sie befragen kann, werden sie allesamt ermordet. Gibt es einen Verräter im Auswärtigen Amt? Oder gibt Denglers neue Mitarbeiterin Petra Wolff Informationen an die Killer weiter? Denglers Ermittlungen enden in einer Sackgasse.
Die Entführte war als Beamtin an die Troika ausgeliehen worden, die Griechenland die Bedingungen der Eurogruppe diktiert hat. Liegt hier der Schlüssel für den Fall? Dengler nimmt einen neuen Anlauf und stößt auf das größte Geheimnis der sogenannten Griechenlandrettung: Auf welchen Konten sind die vielen Milliarden europäischer Steuergelder letztlich gelandet? Als Dengler die Namen der Personen und Institutionen ermittelt, die diese gewaltigen Summen kassiert haben, gerät er selbst ins Visier…

Soweit zum Inhalt, mehr möchte ich Ihnen nicht verraten.

Ein Krimi, den man/frau gelesen haben muss.

Wie immer liefert der Autor auf seiner Webseite( www.schorlau.com ) die Hintergrundinformationen. Werfen Sie auch hierauf einen Blick, es lohnt sich!!! 

Uli Klinger 28.03.2018              

 

 

"Staatenlos"

Gebunden, 160 S., € 19,90

 

 

 

Shumona Sinha schreibt mit wortgewaltigem Zorn und in starken Bildern von drei Frauen, die sich einer unbarmherzigen männlichen Ordnung gegenübersehen – in Paris wie in Kalkutta.

Die Frauen in Shumona Sinhas neuem Roman sind entwurzelt, heimatlos, nie ganz angekommen in einer Gesellschaft, die unlebbar ist, vor allem für Frauen und Fremde. Voller Wut erzählt Sinha von Rassismus, Sexismus und Unterdrückung in Frankreich wie in Indien:
Esha stammt aus wohlhabendem, gebildetem Milieu in Kalkutta, sie ist aus Liebe zur Sprache nach Paris gekommen, einem romantischen Traum folgend. Doch während sie auf das Ergebnis ihres Einbürgerungsantrags wartet, häufen sich die rassistischen Bemerkungen, die abfälligen Blicke, die Enttäuschungen.

Mina ist Analphabetin und stammt aus einer Bauernfamilie, die seit Generationen Land in Bengalen bewirtschaftet, das ihr nicht gehört. Sie wird in einen Aufstand gegen den Bau einer Autofabrik hineingezogen. Doch sie hat eine viel drängendere Sorge, denn sie ist von ihrem Cousin Sam schwanger, der sie ganz sicher nicht heiraten wird.

Marie schließlich wurde schon als Säugling von liberalen französischen Eltern adoptiert. Sie reist regelmäßig nach Indien, auf unbestimmter Suche nach Exotik und ihrer eigenen unauffindbaren Herkunft.

In einer Gegenwart, die zunehmend von Misstrauen, Angst und sogar Hass dem Anderen gegenüber geprägt ist, ist "Staatenlos"  eine wichtige und einzigartige literarische Stimme, die uns Fragen zur Gewalt, die wir tolerieren, akzeptieren und selbst ausüben, aufzwingt, sei es auch ohne unsere Absicht.

Wow, was für eine Schreibe!

Simone Buchholz legt mit „Blaue Nacht“ den 7. Krimi mit ihrer „Heldin“ Chastity Riley vor. Wahrscheinlich der letzte mit dieser Staatsanwältin, die auf St. Pauli wohnt und ausgezeichnete private Kontakte ins Milieu hat, ist ihr Lover doch ein 10 Jahre jüngerer Ex-Knacki.

Doch ich will nicht zu viel verraten, nur so viel: Um mich für eine Serie zu gewinnen, benötigt es – neben der Krimihandlung – ein besonderes Milieu, eine stimmige Hauptperson. Und hier stimmt alles!!! Ich habe alle Bände geradewegs verschlungen, rate allerdings, sie in der Reihenfolge zu lesen. Denn immer wieder wird auf Ereignisse Bezug genommen, die in früheren Bänden angesiedelt sind und jetzt aufgeklärt werden. Freuen Sie sich auf eine rotzfreche Sprache, auf überraschende Wendungen und Personen, die (scheinbar) direkt dem Leben entsprungen sind.

Die Reihenfolge der Chastity-Riley-Serie:

„Revolverherz“ (1)

„Knastpralinen“ (2)

 „Schwedenbitter“ (3)

„Eisnattern“ (4)

„Bullenpeitsche“ (5)

„Beton Rouge“ (6)

„Blaue Nacht“ (7)

"Mexikoring" (8)

"Nicht ein Wort"

Brad Parks

Fischer 2018    14,99€

 

 

 

 

"In unseren Gerichtssäälen sind wir Cäsaren."

Unumstößlich ist dieser Grundsatz für die amerikanischen Bundesrichter, auch für den ehrenwerten Richter Scott Sampson. Ansonsten ist er ein liebender Ehemann und ein aufmerksamer Vater seiner Zwillinge Emma und Sam, der viel Zeit mit den beiden verbringt in der festen Überzeugung, dass es nichts wichtigeres auf der Welt gibt als die Familie. Als ihn eines Tages eine SMS seiner Frau erreicht, dass wegen eines Arzttermins der fixe wöchentliche Schwimmtermin mit den Kindern entfallen muss, ist er dementsprechend enttäuscht- das Entsetzen beginnt, als seine Frau alleine nach Hause kommt und gleich darauf das Telefon klingelt und eine Stimme knapp meldet:"Ihre Kinder sind in unserer Gewalt!"

 

Damit öffnet ein neuer Krimiautor die Pforten zur ganz persönliche Hölle für seine Protagonisten, treibt Scott und seine Frau Alison durch eine rasante, sich immer weiter zuspitzende Geschichte, die keine gewaltigen Effekte, dafür um so mehr psychologische Raffinesse in sich trägt.

Wie weit werden die beiden gehen, um ihre Kinder zu retten?

 

LESEN!

"Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt"

Jesmyn Ward

Verlag Antje Kunstmann 2018   22,-€

 

 

 

 

Atemberaubend!

Jojo und seine kleine Schwester Kayla leben gemeinsam mit ihrer drogensüchtigen Mutter bei den Großeltern, der Vater der beiden sitzt im Gefängnis. Als er entlassen werden soll, macht sich Mutter Leonie mit einer Freundin und ihren Kindern auf den Weg durch das ländliche Mississippi um ihn nach Hause zu holen. Es ist eine schwierige Reise: Leonie ist weder gewillt noch in der Lage, sich um ihre Kinder zu kümmern (zudem verfolgt sie der Geist ihres vor Jahren ermordeten Bruders ), ihre Freundin ist desinteressiert. Als Kayla krank wird, bleibt die Last der Verantworung allein an Jojo hängen. So weit der gegenwärtige Strang der Handlung, der von Jojo uns Leonie abwechselnd erzählt wird.

Darüber  hinaus meldet sich ein Junge namens Richie zu Wort, der Geist eines Jugendlichen, der vor langen Jahren gemeinsam mit Jojos Großvater in ebendiesem Gefängnis inhaftiert war. Teile dieser Geschichte kennt Jojo aus den Erzählungen seines Großvaters- andere werden nach und nach ans Licht gebracht.

 

Wunderbar die Sprache dieser Geschichte, traurig ihr Grundton und dennoch frei von aller Tristesse, das allein ist schon die Lektüre wert! Dazu gelingt es der Autorin, eine zeitlose und teilweise magische Geschichte zu erzählen, in der Geister und Götter ihren selbstverständlichen Platz im Leben der Menschen einnehmen, unabhängig davon, ob diese sie bewusst wahrnehmen wie Jojo und seine todkranke Großmutter oder sie für rauschbedingte Erscheinungen halten wie Leonie. Und nicht zuletzt eine mahnende Erinnerung an all die Grausamkeiten, die den farbigen von den weißen Amerikanern angetan wurden!

"Wie die Sonne in der Nacht"

Antje Babendererde

Arena 2018    18,-€

 

 

 

 

Es ist ein heißer Sommer in New Mexiko: Mara kann den Besuch ihres Freundes aus Deutschland kaum erwarten, der zum Ende ihres Auslandsjahres noch ein bisschen mit ihr herumreisen wird. Als sie erfährt, dass er verletzt im Krankenhaus liegt, ist die Enttäuschung groß- noch größer allerdings die Wut, als ihre beste Freundin sie wissen lässt, dass er sich zudem eine Neue zugelegt hat...  Bevor Mara diesen Schock überwunden hat findet sie am Straßenrand den verletzten Indianerjungen Kayemo. Dieser hat das Gedächtnis verloren und Mara, neugierig auf seine Geschichte, unterstützt ihn bei der Suche nach seiner Familie. Als sich herausstellt, dass Kayemo weitab von aller Zivilisation mit seiner Mutter und seinem Großvater in einer Hütte in den Bergen lebt, begleitet ihn Mara auf seinem Weg zurück. Offen ist immer noch die Frage, wie Kayemo verletzt an den Straßenrand gekommen ist- hat jemand versucht, ihn zu töten? Wer und warum? Und wer ist dieser Junge wirklich, der in der Wildnis von einem Berglöwen begrüßt wird wie ein alter Freund? Nach und nach kehren Kayemos Erinnerungen zurück, und auch die Zuneigung der beiden füreinander wächst...
 
Geheimnisse, Liebe, indianische Kultur und jede Menge Abenteuer- ich weiss nicht, wie die Autorin es immer wieder schafft, neue “typische” jugendliche Figuren zu erschaffen, ohne auf Stereotype zurückzugreifen. Und auch die Gefühle ihrer Helden immer wieder glaubwürdig in den jeweiligen Kontext einzuarbeiten ohne dass es erzwungen wirkt. Und das Wissen über die Indianer, diesmal sind es die Pueblo-Stämme New Mexikos, ist wie immer breit gefächert und spannend dargeboten.
Kurz und gut: wer ein spannendes, romantisches und inhaltlich reiches Buch sucht, ist hier- wie immer- richtig! Antje Babendererde ist in Hochform!

"Nordwasser"

Ian McGuire

mareverlag 2018   22,-€

 

 

 

 

Ein Walfangschiff, das Kurs nimmt auf die eisigen Gewässer der Arktis. Mit an Bord: Henry Drax, ein gewissenloser Harpunierer mit einem düsteren Geheimnis . . .

 

Henry Drax kennt kein Gewissen. Er ist Harpunierer auf der Volunteer, einem Walfangschiff, das von England Kurs auf die arktischen Gewässer der Baffinbucht nimmt. Ebenfalls an Bord ist Patrick Sumner, ein Arzt von zweifelhaftem Ruf, der glaubt, schon alles gesehen zu haben - nicht ahnend, dass seine größte Prüfung noch bevorsteht, nachdem er Drax einer ungeheuerlichen Tat überführt hat. Während sich der Konflikt zwischen den beiden Männern zuspitzt, wird auch der eigentliche Sinn der verhängnisvollen Expedition zunehmend klar . . .

Die erschütternde Schönheit und Einsamkeit des Nordpolarmeers bilden die Kulisse für Ian McGuires dramatischen Roman um Gut und Böse, eine in ihrer philosophischen und psychologischen Dimension zeitlose Geschichte über die tiefsten Abgründe des menschlichen Herzens.
"Wie eine Begegnung zwischen Joseph Conrad und Cormac McCarthy."

The New York Times Book Review

 

Für Liebhaber klassischer Abenteuerromane und Freunde guter Bücher!

 

Literatur über die Mafia

Es ist erstaunlich: In Deutschland ist das Thema "Mafia" öffentlich kaum present. Wenn überhaupt, wird vom "Rückzugsgebiet Deutschland" für diese verbrecherische Organisation gesprochen. Dabei ist die Mafia längst bei uns tief verwurzelt und durchzieht unser wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben, insbesonders in NRW. 

Zum Glück haben wir mit Petra Reski eine deutsche Schriftstellerin, die in Venedig lebt und mit ihren Mitteln den Kampf gegen die Krake Mafia aufgenommen hat. Lesen sie ihre Krimis, die sich eng an die Wahrheit halten. 

Uli Klinger 03.01.2018

Petra Reski wurde im Ruhrgebiet geboren und lebt in Venedig. Seit 1989 schreibt sie über Italien - für Die Zeit, Geo, Merian, Focus und Brigitte - und immer wieder über das Phänomen Mafia. Sie drehte einen Film über Mafiafrauen und wurde für ihre Reportagen und

© Paul Schirnhofer

 

Bücher mehrfach ausgezeichnet. Petra Reski hat mehrere Romane und Sachbücher veröffentlicht.

Weitere Infos: www.petrareski.com 

Der 1. Fall für Serena Vitale

 

"Palermo Connection"

Reski, Petra

Verlag: Atlantik Verlag

Kartoniert, 288 S., € 10,00

ISBN-13: 978-3-455-65011-2

 

Eine widerspenstige Staatsanwältin, die in Palermo gegen die Mafia kämpft: Serena Vitale weiß, dass sie alles riskiert, als sie einen hochrangigen Politiker wegen Verbindung zur Mafia vor Gericht bringt. Und dass sie nur darauf hoffen kann, unterschätzt zu werden. Sie hat erlebt, wie ihr großes Vorbild, ein Anti-Mafia-Richter, ermordet wurde. Sie erinnert sich an ihre Kindheit als Gastarbeiterkind im Ruhrpott, wo ihr Vater sich eine Existenz aufbaute, um dem sizilianischen Filz zu entgehen. Sie ist entschlossen, diesen Kampf zu gewinnen – koste es, was es wolle.
Als Serena Vitale einen widerspenstigen Zeugen abhören lässt, wird ihr klar, dass das Netz des Verbrechens viel weiter reicht als gedacht – und dass sie selbst in höchster Gefahr ist. Ein deutscher Journalist, der auf der Suche nach einer guten Story nach Palermo geflogen ist, gerät in ein Spiel, dessen Regeln er nicht versteht. Und ein mutiger Polizist, den Serena für ihren Verbündeten hält, wird zur Bedrohung …

Der 2.Fall für Serena Vitale

 

"Die Gesichter der Toten"

Reski, Petra

Verlag: Atlantik Verlag

Kartoniert,320 S., € 10,00

ISBN-13: 978-3-455-65140-9

 

Mafiaboss Alessio Lombardo ist seit Jahrzehnten flüchtig, doch als Serena Vitale mit den Ermittlungen beauftragt wird, kommt Bewegung in den Fall.
Während die Staatsanwältin nach Don Alessio fahndet, wird eine Spur nach Deutschland immer heißer: Sie stößt nicht nur auf Komplizen und eine glamouröse Geliebte des Paten, sondern auch auf die Geschichte ihres eigenen Vaters, der als Gastarbeiter nach Dortmund kam – und von dem sie plötzlich nicht mehr weiß, ob er wirklich auf der richtigen Seite stand.
Lombardo bleibt jedoch verschwunden, und ein inhaftierter Mafioso erhängt sich in seiner Zelle. Als Serena Vitale die Umstände des Selbstmords zu klären versucht, gerät sie selbst in höchste Gefahr …

Der 3. Fall für Serena Vitale

 

"Bei aller Liebe"

Reski, Petra

Verlag: Hoffmann und Campe

Gebunden, 320 S., € 20,00

ISBN-13: 978-3-455-00157-0

 

In Palermo wird ein deutscher Staatsanwalt ermordet aufgefunden – ausgerechnet auf dem Straßenstrich der Transvestiten. Serena Vitale will mit dem Fall nichts zu tun haben, schließlich nehmen afrikanische Schlepperbanden all ihre Zeit in Anspruch, denn am Elend der Flüchtlinge wollen viele verdienen. Doch der Staatsanwalt ermittelte in Deutschland gegen die Mafia, und Serena Vitale ist klar, dass es sich keinesfalls um ein Verbrechen aus Leidenschaft handelt. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich selbst in die Ermittlungen zu stürzen.

"Dr Quetschenbüggel"

Janssen, Eva

Kartoniert, € 6,95

ISBN-13: 978-3-7460-4638-9

 

Der 84jährige Joseph Zehnpfennig steht vor dem letzten entscheidenden Gang in seinem Leben:

Am nächsten Tag soll er in ein Seniorenheim umziehen. Aber noch ist es nicht soweit.

Ausgehend von seinem Abschiedsbesuch im „Café Schlösser“ (heute Café St. Mocca) im „Am Rosengarten 2“, Ecke Sandweg lässt er auf seinem Heimweg in den Akazienweg sein Leben an sich vorüberziehen. An jeder Ecke lauern Erinnerungen. Er – der fast sein ganzes Leben in Bickendorf zugebracht hat – zieht Bilanz, von seiner Kindheit über das sog. Dritte Reich bis zu heute, wo er einfach körperlich nicht mehr so kann, wie er eigentlich will. Uns so entfaltet sich die Lebensgeschichte des alten Mannes und mit ihr ein Stück Kölner Geschichte. Und der Leser / die Leserin wird Teil davon, erfährt neues und altbekanntes.

Joseph Zehnpfennig war kein Held gewesen, nicht besonders frech, nicht besonders brav, nicht besonders mutig, nicht besonders feige. Normal eben.

Auf nur 75 Seiten gelingt es der Autorin, uns zu fesseln und gleichzeitig über die Entwicklung des Kölner Stadtteils Bickendorf zu informieren. Ein kleines Kunstwerk, dafür von hier aus ein recht herzliches „Dankeschön“.

In diesem Büchlein wird immer mal wieder Kölsch gesprochen, aber keine Angst, im Anhang wird alles ins hochdeutsche übersetzt.

Bis auf eines: Lt. Autorin kann man „Quallmänner“ im Garten anbauen. Das ist mir neu.

Ich kann nur „Ädäppele“ (Kartoffeln) anbauen und ernten, in denen ich dann in der Küche „Quallmänner“ (Pellkartoffeln) koche. Da musste ich als bekennender Imi doch grinsen.

Die Autorin:

Eva Janssen wuchs im Kölner Friesenviertel auf, wohnt heute in Köln-Bickendorf. Sie studierte Germanistik und Slawistik in Köln und am Gorki-Institut in Moskau. Heute arbeitet sie als Lehrerin in der Erwachsenenbildung.

"Heimatjahre"

Roman

Huby, Felix

Verlag: FISCHER Taschenbuch

Kartoniert, 480 S., € 10,99

ISBN-13: 978-3-596-29713-9

 

»Heimatjahre«, ein autobiografischer Dorf- und Entwicklungsroman par excellence.

Ein Roman, ganz wie ihn das Leben schreibt: »menschenseelenkundig«.
Und spannend von der ersten bis zur letzten Seite.

Felix Hubys Credo heißt: »Ich schreibe für die Welt, in der ich lebe!« Und entsprechend »lebendig« erzählt er in seinem neuen Roman »Heimatjahre« die Geschichte und die Geschichten des jungen Christian Ebinger, seiner Familie und seiner Nachbarschaft im überschaubaren Kosmos eines schwäbischen Dorfes während der Kriegs- und frühen Nachkriegszeit.

Indem Felix Huby vom Leben Christians und all der Menschen um ihn herum berichtet, erzählt er damit »stellvertretend« drei Jahrzehnte jüngster deutscher Geschichte: wie ein Volk versucht, auf selbst verschuldeten Trümmern ein neues Land aufzubauen. Während sich die Dörfler und ihr Dorf ständig weiter verändern, entwickelt sich auch die Gesellschaft der Bundesrepublik. Immer aber sind wir den Menschen sehr nahe, deren Schicksale sich auf vielfältige Weise miteinander verflechten.

Felix Huby lässt sich beim Erzählen Zeit. Sein Roman strömt dahin wie ein breiter Fluss, bei dem es freilich immer wieder auch überraschende Biegungen und nicht vorherzusehende Stromschnellen gibt – dem man aber folgen will,
bis er mündet.


»Dialoge sind Felix Hubys Stärke. Manchmal genügt ihm ein Satz, um eine Figur zur Person zu machen, und seine Handhabung der Sprache ist dabei unübertroffen.« Die Zeit

Und dieses wunderbare Leseerlebnis geht weiter!

Auch von diesem Buch bin ich restlos begeistert.

Die einzige Frage, die offen bleibt:

Wann folgt der dritte Teil???

Uli Klinger 04.12.2017

 

Der 3. Teil "Spiegeljahre" erschien im November 2018.

S. Besprechung weiter oben.

"Lehrjahre"

Roman

Huby, Felix

Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag

Gebunden, Mit Lesebändchen, 376 S., € 25,00

ISBN-13: 978-3-86351-420-4

 

»Lehrjahre«: ein autobiografischer Zeitungs- und Entwicklungsroman par excellence.

Christian Ebinger, der junge Held der »Heimatjahre«, wird, gerade 21 Jahre alt, »ins kalte Wasser« geworfen: Nach nur einem Jahr Zeitungsvolontariat bietet ihm sein Verleger an, die verwaiste Stelle des Lokalredakteurs in Blaubeuren auf der Schwäbischen Alb zu übernehmen, eine Kleinstadt mit gerade 10.000 Einwohnern.

 

Seine Aufgaben sind wahrlich vielfältig und umfassen auch Anzeigenannahme, Inkasso – und, ganz wichtig, jeden Morgen um sechs Uhr muss er die neueste Ausgabe der Kreiszeitung ins Schaufenster hängen …

Er trifft auf eine behäbige Stadtgesellschaft, in der Wenige bestimmen, was für die Vielen zu gelten hat, und er begegnet einem Bürgermeister, der seinem Vorgänger in der Redaktion bislang die Artikel in den Block diktierte. Ebinger hat von seinem früheren Chef gelernt, dass ein guter Journalist sich mit keiner Sache gemein macht, auch nicht mit einer guten. So kann er nur anecken. Ebinger macht Fehler. Aber er findet auch Freunde und lernt, seine vielfältigen Aufgaben zu bewältigen. Und er findet Themen, die die Stadt und das Umland aufwühlen.

Felix Hubys »Lehrjahre« erzählen am Beispiel eines durchschnittlichen Gemeinwesens, wie die restaurative Politik der 1960er Jahre eine ganze Gesellschaft lähmte – und wie schwer es in dieser Zeit war, fortschrittliche Gedanken durchzusetzen. Gleichwohl: die Stadt verändert sich – und auch Christian Ebinger wird nach und nach ein anderer. Auch dieses Mal schafft Huby, wie in den »Heimatjahren«, Menschen, denen der Leser ganz nahe kommt.

Das Buch in der Kritik:

»Die ›Lehrjahre‹ sind ein autobiografischer Entwicklungsroman. Und ein Buch über das Zeitungmachen.« Jürgen Kanold, Südwest Presse

»Der Leser erfährt viel über den Schwaben Huby selbst.« Landesschau aktuell

» ›Lehrjahre‹ ist autobiografisch gefärbt, enthält aber auch viel Literarisch-Fiktionales, was den Roman höchst lesenswert macht.« Helmut Pusch, Südwest Presse

»Das lange Warten auf die Fortsetzung hat sich gelohnt - wieder ist Huby ein überzeugender und dabei auch spannender Entwicklungsroman gelungen. Sprachlich herausragend!« Claudia Driesch, ekz Bibliotheksservice

»Felix Huby ist der Geschichtenerzähler par excellence.« SWR Fernsehen

»Seine Literatur spricht in Bildern.« Schwäbisches Tagblatt

»Ein überaus lesenswertes Sittengemälde der Bundesrepublik in den frühen 1960er Jahren.« Badische Neueste Nachrichten

»Felix Huby liefert einen spannenden Rückblick auf die Arbeit in einer Lokalredaktion in den 60er Jahren, als es weder Computer noch Internet gab. (...) Man darf gespannt sein, ob, wann und wie Felix Huby seine Lebensgeschichte weitererzählen wird.« Gaby Weiss, Eßlinger Zeitung

» ›Lehrjahre‹ ist ein ebenso liebenswürdiger wie politischer Entwicklungsroman, stringent und leichtfüßig. (...) Selten hat ein Autor so menschenfreundlich, treffend und höchst spannend über das zweite Drittel des letzten Jahrhunderts geschrieben.« Matthias Kehle, Badisches Tagblatt

»Mit prallen Figuren, launigen Dialogen und munteren Wendungen liefert Huby ein süffiges, sanft parodierendes Portrait eines Provinzkaffs der 1960er.« Armin Knauer, Reutlinger General Anzeiger

»Ein spannender Entwicklungsroman, der Appetit auf mehr macht.« Günther Vasel, Südkurier

"Slumlords"

Carsten Regel + Alexander Broicher

Dittrich-Verlag 2017   18,95€

 

 

 

 

Frankfurt am Main hier und heute: Ronnie hat sein Leben im Griff. Er dealt mit Kokain, ist (zur Tarnung) Mitinhaber einer Cocktailbar, hält sich ansonsten bedeckt und hofft darauf, genug Geld erwirtschaften zu können, um seinen Eltern eine Wohnung ausserhalb des Ghettos finanzieren zu können.

Seine große Chance bietet sich unverhofft als ein alter Freund im Drogenrausch den gewagten Plan ausbrütet, eine Millionärs-Ehefrau zu entführen und sich mit dem Lösegeld aus dem Staub zu machen. Und ab diesem Zeitpunkt geht es drunter und drüber für Ronnie! Nicht nur, dass er unfreiwillig in die Geschichte verwickelt wird, dreht es sich doch bei der Entführten um die Ehefrau eines seiner betuchten Kunden. Darüber hinaus trifft er seine Traumfrau, verfolgt weiterhin beharrlich die "Umsiedlung" seiner Eltern, wird von seinem Kunden als Vermittler für den Entführungsfall engagiert und muss ganz nebenher seinen gewohnten Alltag am Laufen halten, denn die Kundschaft erwartet ihren Dealer stets in Topform.

 

Ein großartiger Krimi, jedes Kapitel eingeleitet durch einen kleinen Einblick ins "big business" der Bankenwelt, eine direkte und packende Sprache... diesem Buch fehlt wirklich nichts, um amüsante Lesestunden zu verbringen! Selten habe ich einen Krimi so genossen wie diesen!

"Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens"

Kriminalroman

Bottini, Oliver

Gebunden, Mit Lesebändchen, 414 S., € 22,00

ISBN-13: 978-3-8321-9776-6

 

Banat/Rumänien 2014: Ioan Cozma hat abgeschlossen mit der Welt. Der Kripo-Kommissar lebt allein, es sind nur noch ein paar Jahre bis zu seiner Pensionierung; wenn er nicht groß auffällt, wird auch niemand in seiner Vergangenheit wühlen. Es ist besser so. Doch die Welt will ihn nicht in Ruhe lassen. Ausgerechnet Cozma wird die Ermittlungsleitung in einem brutalen Mordfall übertragen: Die junge Lisa Marthen, eine Deutsche, wurde erstochen aufgefunden. Ihrem Vater gehört ein landwirtschaftlicher Großbetrieb, und der Verdacht fällt auf einen seiner jungen Feldarbeiter, der in Lisa verliebt war und seit ihrem Tod verschwunden ist. Als eine Spur nach Mecklenburg führt, macht Cozma sich auf den Weg - und muss feststellen, dass er dort nicht der Einzige ist, der für Gerechtigkeit sorgen will ...

Oliver Bottini zeigt, wie sich die radikale Einsamkeit des Menschen durch Gier und Machthunger noch verstärkt. Doch eines bricht sich immer wieder Bahn - der Glaube an etwas Gutes und an Menschlichkeit. Die Spannung zwischen diesen Polen ist es, durch die 'Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens' eine existenzielle Wucht entfaltet.

 

Hintergrund dieser Handlung ist das Landgrabbing, welches gegenwärtig auch in Europa stattfindet.

 

Hintergrundinfos über diese Problematik bietet: http://www.stopp-landgrabbing.de/ , https://bioboden.de/startseite/ ,

https://www.solidarwerkstatt.at/umwelt-energie/landraub-in-osteuropa

Kati Hiekkapelto

"Kolibri"

Thriller

Anna Fekete - Bd.1

Kartoniert, 464 S., € 9,99

ISBN-13: 978-3-453-41912-4

 

Kaum hat Anna Fekete ihre erste Stelle als Kriminalkommissarin angetreten, landet auch schon ein Mordfall auf ihrem Tisch: eine junge Frau, die beim Joggen im Wald auf grauenvolle Weise getötet wurde. Anna nimmt die Ermittlungen auf. Ihr zur Seite gestellt ist Esko Niemi, ein alter Haudegen, der seine junge Kollegin torpediert, wo er kann. Bis ein zweiter Mord geschieht und Esko klar wird, dass sie den Killer nur gemeinsam finden werden. Doch Anna ist bereits auf eigene Faust unterwegs.

 

Endlich wieder ein Krimi, der absolut spitze ist - Unbedingt lesen!!! Uli Klinger 01.11.2017

"Maiglöckchenweiß"

Ein Fall für Milena Lukin, Roman

Schünemann, Christian & Volic, Jelena

Aus der Reihe:  Milena Lukin - Bd.3

Leinen, 352 S., € 22,00

 

 

Ein Mann ist nach Belgrad zurückgekehrt, um sich seiner Vergangenheit zu stellen: Als Sechzehnjähriger hatte Jurij Pichler zusammen mit seinem Freund Luca im Rausch einen kleinen Roma-Jungen zu Tode geprügelt. Während Luca sieben Jahre Haft verbüßte, wurde Jurij von seinen Eltern außer Landes gebracht. Nun ist er zurück und möchte mit seiner Frau ein normales Leben führen. Anwalt Stojković übernimmt den Fall und rechnet mit einer milden Strafe. Kurz darauf wird Jurij tot am Donauufer aufgefunden. Selbstmord, behauptet die Polizei und schließt die Akten. Unmöglich, entgegnet sein Anwalt und beginnt, zusammen mit Milena Lukin zu recherchieren. Wer ist hier Opfer, wer Täter? Eine späte Rache der Roma-Angehörigen? Und warum wollte Jurij seinen alten Kumpan Luca, inzwischen ein erfolgreicher Geschäftsmann, kurz vor seinem Tod wiedersehen? Und da ist noch ein rätselhaftes Indiz. Auch es weist in die Vergangenheit, allerdings in die eines ganzen Landes, das durch einen Mord einen großen Hoffnungsträger verlor.

 

Wieder mal ein Krimi der Spitzenklasse von diesen Autorenduo. Hervorragend!!! Uli Klinger 10.10.2017

 

"Die Fassadendiebe"

John Freeman Gill

Berlin-Verlag 2017   24,-€

 

 

 

 

Auch weil um ihn herum alles zu bröckeln beginnt - seine Familie, genau wie seine Stadt - hilft der dreizehnjährige Griffin seinem Vater bei dessen Mission als "Gebäuderetter". Der schmale, wendige Junge bekommt die Aufgabe, möglichst viele steinerne Art-Deco-Skulpturen und Wasserspeier zu stehlen, ganz gleich ob von der Fassade eines unbekannten Mietshauses oder eines berühmten Wolkenkratzers. Denn - so der Vater - diese Zeugen Manhattans sind in Zeiten der "Sanierung" vom Aussterben bedroht. Auf ihren Touren kann Griffin dem Vater nah sein, und gleichzeitig das dringend benötigte Geld für die Hypothekenraten verdienen, damit er, seine Mutter und seine Schwester nicht aus ihrem Haus geworfen werden. Doch der Spleen seines Vaters wird zur Obsession; Griffins Freundschaften, seine erste Liebe drohen zu zerbrechen. Als er bei einem der nächtlichen Raubzüge in Lebensgefahr gerät, beginnt Griffin zu verstehen, dass man nicht alles im Leben bewahren kann.

 

Und damit ist diese Geschichte noch nicht zu Ende, denn Griffin erzählt erst viele Jahre später von dieser Zeit, in der seine Eltern sich trennten und er beinahe beide verloren hätte... und zieht die Konsequenzen aus dem Erlebten!

In seiner frischen und direkten Art, diesen "Entwicklungsroman" zu erzählen, ist die Lektüre auch durchaus schon für Jugendliche zu empfehlen... es lohnt sich jedenfalls in jedem Alter!

"Frei und gleich geboren"

Jean-Marc Fiess

Fischer Sauerländer 2017    15,-€

 

 

 

 

Täglich werden überall auf der Welt die Menschenrechte verletzt. Noch immer nicht werden die Menschen auf den unterschiedlichsten Kontinenten gleich behandelt, noch immer nicht können sie sich frei bewegen, noch immer sind Menschen auf der Flucht vor Diktaturen und Krieg. Und immer sind wir schnell dabei, die Gültigkeit dieser Rechte aus opportunistischen und egoistischen Gründen infrage zu stellen. Dieses aufwendig gestaltete Pop-up Buch greift in atemberaubenden 3D-Szenen die wichtigsten Artikel der Deklaration der Menschenrechte von 1948 auf und führt dem Betrachter ihre fundamentale Bedeutung für alle Menschen auf der ganzen Welt vor Augen. Sie machen ihnen das Schicksal vieler bedrückend klar. Alle 30 Artikel der Menschenrechtserklärung sind im Wortlaut am Ende des Buches aufgeführt.

 

Dem ist nichts hinzuzufügen- ein Hingucker, ein Denk-mal im Wortsinne, ein must-have, eine stete Erinnerung daran, dass es fest verankerte Rechte gibt, die für jeden gelten sollten- und dass wir alle Teil daran haben, sie einzuhalten!!!

"Outside the lines"

Roman

Patel, Ameera

Gebunden, 264 S., € 24,00

 

Noch immer leben die Josephs im reichen Norden von Johannesburg in ihrem noblen Haus. Doch alle spüren deutlich: die guten Zeiten der Familie sind vorbei. Seit dem Tod von Franks Frau, der Mutter von Cathleen und James, fällt auseinander, was sie zusammengehalten hat.

Daran kann auch Flora nichts ändern die charakterfeste und warmherzige Haushälterin der Josephs. Sie hat versucht, den Verlust aufzufangen, doch Cathleen ist ihrem Einfluss längst entglitten. Das Mädchen treibt durch die Bars der Stadt, immer auf Koks. Ihr Vater ahnt nichts davon, er steckt allzu tief in eigenen Problemen.
Jetzt ist auch Flora in Aufruhr. Sie, Mutter eines fast erwachsenen Sohnes, hat sich verliebt in den stummen Runyararo, einen Simbabwer, der als Handwerker im Haus arbeitet. Doch als Cathleen gekidnappt und das Haus ausgeraubt wird, gerät alles ins Wanken und Flora muss das Leben ihrer eigenen Familie in neue Bahnen lenken.

Ameera Patel erzählt eine Geschichte zwischen Familiendrama und Thriller aus der Perspektive von fünf Personen verschiedener Generationen und sozialer Gruppen. Damit lotet sie ihre Figuren geschickt bis in die Tiefe aus und zeichnet ein vitales Bild der Gesellschaft Südafrikas.

 

Tolle Schreibe, prima Story, LESEN!!! Uli Klinger 24.09.2017

Endlich ist er da. Der 2. Band von Carla Bellings Serie rund um die Reporterin Ira Wittekind!

 

Ein malerischer Sommerabend auf dem Land. Als die Lokalreporterin Ira Wittekind zur brennenden Friedhofskapelle in Rehme gerufen wird, findet sie ein schauriges Szenario vor: In der Ruine steht ein Rollstuhl vor dem Altar, der Mann darin ist tot. Es handelt sich um den angesehenen Apotheker Ludwig Hahnwald, allen bekannt als der schöne Ludwig. Ira Wittekind beginnt zu recherchieren. Dabei stößt sie auf ein dichtes Geflecht aus Lügen, Intrigen und verratener Liebe. Und auf ein grauenhaftes Unrecht, das vor vielen Jahren begangen und nie gerächt wurde.

 

Es lohnt sich! Uli Klinger 24.09.2014

"Die große Rentenlüge"

Warum eine gute und bezahlbare Alterssicherung für alle möglich ist

Balodis, Holger / Hühne, Dagmar

Kartoniert, 208 S., € 18,00

 

Eine gute Rente für alle ist machbar - gerecht und bezahlbar!
Rund die Hälfte der heute Erwerbstätigen ist im Alter akut von Altersarmut bedroht. Das ist die unmittelbare Folge eines politisch gewollten Zerstörungsprozesses, sagen die Bestseller-Autoren Holger Balodis und Dagmar Hühne. In ihrem neuen Buch fordern sie einen radikalen Kurswechsel in der Altersversorgung und deutlich mehr Geld für alle Rentner. Und sie zeigen auch, wie es geht: Weg mit der Riester-Rente und dem Popanz des Drei-Säulen-Modells. Statt die Finanzwirtschaft zu subventionieren, muss sich Altersvorsorge auf den Kern konzentrieren: die gesetzliche Rente. Die ist sicher, krisenfest und preiswert. Und sie kann deutlich höher ausfallen, wenn endlich alle einzahlen - auch Politiker, Beamte und Topmanager.
Eine gute Rente für alle ist machbar - gerecht und bezahlbar!

 

Ich habe selten ein so informatives und dabei kurzweiliges Buch über dieses Thema gelesen. Nur zu empfehlen!!! Uli Klinger 13.09.2017

"Die goldene Stadt"

Sabrina Janesch

Rowohlt 2017    22,95€

 

 

 

 

Peru, 1887. Das ganze Land redet nur von einem Mann - und seiner großen Entdeckung: Augusto Berns will die verlorene Stadt der Inka gefunden haben. Das Medienecho reicht von Lima bis London und New York. Doch wer ist der Mann, der vielleicht El Dorado entdeckt hat? Alles beginnt mit einem Jungen, der am Rhein Gold wäscht und sich in erträumten Welten verliert, der später in Berlin den glühend verehrten Alexander von Humboldt befragt, um bald darauf einen Entschluss zu fassen: Er, Berns, will die goldene Stadt finden. Berns wagt die Überfahrt nach Peru, wo er eher zufällig zum Helden im Spanisch-Südamerikanischen Krieg wird, dann als Ingenieur der Eisenbahn Mittel für seine Expedition sammelt. Mit dem Amerikaner Harry Singer besteigt er die Höhen der Anden und schlägt sich durch tiefsten Dschungel - um schließlich an einen Ort zu gelangen, der phantastischer ist als alles, was er sich je vorgestellt hat.

 

Erst seit kurzem weiß man, dass das sagenumwobene Machu Picchu in Peru von einem Deutschen entdeckt wurde. Sabrina Janesch hat sich auf die Spuren des vergessenen Entdeckers begeben und erzählt seine aufregende Geschichte. Ein Roman von großer literarischer Kraft, der uns in eine exotische Welt eintauchen lässt - und zeigt, was es bedeutet, für einen Traum zu leben.

 

Sagenhaft in einem Wort- fesselnde Lektüre zum abtauchen, nicht nur für Südamerika-Fans! Diese wahre Geschichte, angereichert mit den Ideen der Autorin, packt einen und lässt nicht mehr los!

„Das Dorf“

Katrin Seddig

Verlag: Rowohlt, Berlin, Gebunden, 304 S., € 22,95

 

Da ist er wieder: Der typische Seddig-Sound. Den ich so liebe, seitdem ich die ersten Zeilen dieser in Hamburg lebenden Schriftstellerin gelesen habe. Dies begann 2010 mit „Runterkommen“, setzte sich 2012 mit „Eheroman“ fort und endete 2015 vorläufig mit „Eine Nacht und alles“.

Und nun, 2017, „Das Dorf“. In dem alles anders ist. Keine Großstadt, keine Erwachsenenprobleme (zumindest am Anfang), sondern, wie schon der Titel verrät: Dorfleben.

Die Handlung ist recht einfach beschrieben: Die 12jährige Jenny freundet sich mit dem 17jährigen Maik an, der sie anfangs widerstrebend auf seine Ausflüge mit dem Moped mitnimmt. Beide leben auf dem Dorf und sind die einzigen Jugendlichen weit und breit. Nun, also eine typische Liebesgeschichte, könnte man/frau denken. Aber weit gefehlt. Seddig nimmt uns auf eine ganz andere Reise mit. Denn die beiden entdecken die Wahrheit hinter der Wahrheit des anscheinend so geordneten Zusammenlebens in diesem überschaubaren Kosmos. Sie stoßen auf ein Dickicht von Lügen, Sehnsüchten, sexuellen Wünschen und sonstigen Geheimnissen. Und es gibt vorerst für die beiden kein Entkommen aus dieser Welt.

Was Katrin Seddig auszeichnet, ist ihr genauer Blick auf die Personen, die Lebensumstände, die geheimen Wünsche. Sie liebt ihre Figuren, sie respektiert sie – und schildert sie doch so genau, dass es einem manchmal kalt den Rücken runterläuft. Hervorragend, ich kann Ihnen diesen Roman nur ans Herz legen. Für mich schon jetzt eines meiner Lieblingsbücher des Jahren 2017!

Die schönste Stelle im Buch: „Wenn man will, dann ist man schön, denkt Jenny. Aber wenn die Mutter es nun mal nicht will, dann ist es eben so. Man kann nicht viel machen, wenn die Menschen nicht wollen. Sie selbst will. Jenny will schön sein. Sie will tanzen, will sich verlieben, in die großen Städte gehen, in fremde Länder, sie will alles sehen, …“

Uli Klinger 31.08.2017

"Pssst!"

Annette Herzog / Katrine Clante

Peter Hammer Verlag   14,-€

 

 

 

Viola - nicht mehr Kind und doch noch nicht erwachsen - stellt sich all die großen und kleinen Fragen des Lebens. In ihren Gedanken und Gefühlen geht es um Freundschaft und die Angst, ausgeschlossen zu sein. Um den Ärger mit der Familie und die Liebe und den Rückhalt, den sie gibt. Um Jungs, Aussehen und Anerkennung, um Erfolge und Rückschläge. Um das Woher und das Wohin, um Leben und Tod. Und immer wieder um die Frage: Wer bin ich eigentlich? In 12 Episoden und einem einzigartigen Zusammenspiel von Texten und Bildern gelingt es Autorin und Illustratorin, den ganzen Kosmos des jungen Mädchens zu entfalten. Das geschieht mit großer stilistischer und gestalterischer Vielfalt. Seiten wie eine Pinnwand mit alten Fotos und abgeschnittener Haarlocke, mit gekritzelten Notizen und romantischen Glanzbildern machen Violas Mädchenwelt greifbar. Comic-Panels beobachten sie in ihrem Alltag, ein Schulaufsatz und Tagebucheinträge lassen ihre Gedanken lesen. Ob kindlich naiv oder philosophisch klug - Violas Gedanken und Gefühle sind so tief empfunden und aufwühlend wie diese Zeit des Coming-of-Age. Ein beglückendes Buch!
Wer bin ich eigentlich? Ein hinreißend poetisches Tagebuch im Comicstil.

 

 

Und auch dieser großartige Titel aus unserem langjährigen Lieblingsverlag ist nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis. Wohlverdient!

Unwiderstehlich: Die Seiten 24 und 25! Einfach mal reinblättern...

 

 

Hochaktuell - Soeben erschienen!

 

"Schwarzbuch AfD"

 

Wir erklären in unserem "Schwarzbuch AfD" die Geschichte der rechten Populisten, erläutern ihre soziale Basis, zeigen ihre Köpfe, und was sie sagen, klären über die Finanziers der Populisten, ihre völkische Ideologie, ihre Unterstützer und die Medien der Neuen Rechten auf. Als Bonus machen wir einen Faktencheck der Themen der AfD.

 

Wir, das heißt hier "CORRECTIV".

Um Missstände aufzudecken und unsere Demokratie nachhaltig zu schützen, braucht es investigative Journalisten, die gründlich nachhaken, oft jahrelang an einem Thema arbeiten und regelmäßig dazu publizieren. Dazu braucht es aber auch interessierte sowie informierte Bürgerinnen und Bürger, die Aufklärung einfordern.

Das Kapitel 10 - "Faktencheck" - ist eine Koperation von CORRECTIV mit dem Institut für Jounalistik der TU Dortmund.

Weitere Infos: www.correctiv.org

"Vor ihren Augen sahen sie Gott"

Zora Neale Hurston

editionfünf   € 19,90

 

 

Ein neu übersetzter Klassiker, den die Autorin in einem siebenwöchigen Schaffensrausch während eines Haiti-Aufenthaltes schrieb...

 

Janie wird von ihrer Großmutter aufgezogen, die sich für ihre Enkelin nichts sehnlicher wünscht als ein komfortables Leben "wie eine Weiße". Verständlich, ist sie selber doch noch in der Sklaverei aufgewachsen und jetzt zu alt, um die Freiheit wirklich auskosten zu können. So wird Janie zügig mit einem älteren Mann verheiratet, läuft diesem mit dem tatendurstigen Joe Starks davon, an dessen Seite sie das kleine Farbigenstädtchen Eatonville auf den Weg zu einer wohlhabenden Gemeinde führt. Nach Starks Tod verliebt sie sich- das erste Mal im Leben- in den 20 Jahre jüngeren Tea Cake, der als Wanderarbeiter und Glücksspieler durchs Land zieht. Mit ihm geht Janie auf Wanderschaft und verlebt glückliche Jahre auf Plantagen in Gesellschaft der Wanderarbeiter und ihrer Familien. Nach einem Hurrikan endet die glückliche Zeit und Janie kehrt zurück nach Eatonville, wo sie ihrer Freundin Pheoby die Geschichte ihres Lebens und ihrer großen Liebe erzählt.

 

Diese Geschichte nimmt einen mit und lässt nicht mehr los, man ist ganz tief drin in dem Leben der Farbigen kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, man hört das Singen, genießt die fabelhafte Übersetzung des Slangs, den sie sprechen, sieht es immer wieder vor sich, dieses harte und schwierige Leben. Zum abtauchen und schwelgen!

 

 

Der Block

Jerome Leroy

Nautilus-Verlag 19,90€

 

 

 "Der Block" beschreibt ein erschreckendes Szenario, das immer wahrscheinlicher wird - und wie es dazu kommen konnte.Blutige Aufstände in den französischen Vorstädten, die Zahl der Toten steigt unaufhörlich. Die Partei der äußersten Rechten - der Patriotische Block - steht kurz vor dem Einzug in die Regierung. In dieser Nacht kann das Schicksal Frankreichs kippen, und sie ist für drei Menschen der Höhepunkt einer 25-jährigen Geschichte aus Gewalt, Geheimnissen und Manipulation.Agnès führt als Parteivorsitzende die Verhandlungen. Ihr Ehemann Antoine wartet in seiner luxuriösen Pariser Wohnung auf das Ergebnis, Stanko, der Chef des paramilitärischen Ordnerdienstes der Partei, versteckt sich in einem schäbigen Hotelzimmer. Antoine ist morgen vielleicht Staatssekretär - Stanko jedenfalls soll morgen tot sein.Ein Vierteljahrhundert lang waren die beiden wie Brüder. Ein Vierteljahrhundert lang waren sie bei allen Aktionen dabei, die den Patriotischen Block an die Macht gebracht haben. Ein Vierteljahrhundert lang sind sie vor nichts zurückgeschreckt. Sie haben dieses Leben geliebt, und sie bereuen nichts.Jérôme Leroy legt mit "Der Block" eine atemberaubende Milieustudie vor; eine Innenansicht der Strömungen, die sich in der extremen Rechten verbünden. Ein hochaktueller und literarischer Thriller aus einem Milieu, das unter Hochdruck steht - nicht nur in Frankreich.

 

 

Ich bin nun wirklich kein politischer Mensch- aber diese Geschichte, in der "einfach" zwei Männer ihr Leben erzählen, abwechselnd, stückchenweise, immer wieder ineinandergreifend, die Politik einfach als begleitender Aspekt dabei- das packt und man liest einfach immer weiter! Bis man merkt, wie dicht diese Erzählungen an unserer Realität sind- und man sich erschreckt...

Ein Roman über die Macht und den Nachhall einer rauschhaften Begegnung.

Ein packender Rundumblick auf die 68er und ihre Kinder – und die Liebenswürdigkeit der Gestrauchelten.

Am Anfang steht der dunkle, ganz rätselhafte Suizid des renommierten Psychiaters Klaus Maiwald. Der Jugendfreund seiner Tochter, András, ein Journalist, spürt den Hintergründen nach und stößt dabei auf eine Reihe enttäuschter Frauen. Insgeheim hofft er endlich auch zu erfahren, weshalb ihn seine Freundin vor sechzehn Jahren verlassen hat. Vor ihrem Verschwinden. Die Recherchen werden zur Reise in die Vergangenheit, bei der urplötzlich auch seine eigene Lebensgeschichte ins Wanken gerät.

»Maiwald« spielt im Medienmilieu nach der Jahrtausendwende, mit Rückblenden in die Protest- und Besetzerjahre der späten Sechziger und Achtziger.

Ein ganz wunderbarer Roman. Manfred Zach (Autor des Politromans "Monrepos oder Die Kälte der Macht) hat recht mit seiner Einschätzung: "Ein Buch, das unter die Haut geht. Spannend wie ein Krimi und messerscharf in der Analyse menschlicher Abgründe."

U.K. 30.03.2017

Sie müsssen den Helden nicht mögen - aber Sie sollten diesen Krimi lesen:

"Mein Name ist Ruben Rubeck. Ich bin siebenundvierzig, sehe aus wie siebenundfünfzig und fühle mich manchmal wie siebenundachtzig. Geschieden, kinderlos und Kriminalkommissar, was in meinem Alter ein lächerlich niedriger Dienstgrad ist, aber das geht mir am Arsch vorbei. Ich komme zurecht. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist mein Revier. Viele denken, ich würde da wohnen, weil es bei mir für mehr nicht reicht, weil ich mich im Dreck wohlfühle und mit meinem Gesicht sowieso nirgends sonst in Frankfurt eine Wohnung bekäme, aber das stimmt nicht. Ich hab's einfach gerne nah zur Arbeit."

 

Gregor Weber legt hier einen Krimi vor, der alles hat, was man erwartet. Spannende Handlung, tolle Charaktäre und einen richtig guten Plot.

U.K.

Der Club

Takis Würger

Kein&Aber-Verlag   22,-€

 

 

 

Hans Stichler stammt aus einfachen Verhältnissen. Als ihm seine einzige Verwandte ein Stipendium für die Universität in Cambridge vermittelt und er als Gegenleistung dort ein Verbrechen aufklären soll, weiß er noch nicht, worauf er sich einlässt. Er schafft es, Mitglied im elitären Pitt Club zu werden, und verliebt sich in Charlotte, die ihn in die Bräuche der Snobs einweiht. Schon bald muss er feststellen: Vor der Kulisse alter Chesterfield-Sessel, kristallener Kronleuchter, Intarsienmöbel und Tiertrophäen ereignen sich Dinge, über die keiner spricht. Und auch Charlotte scheint etwas zu verbergen. Hinter den schweren Türen des legendären Pitt Clubs wird Hans vor die Wahl gestellt, ob er das Falsche tun soll, um das Richtige zu erreichen.Eine raffinierte Kombination aus berührender Liebesgeschichte, Entwicklungsroman und spannungsreicher Ermittlung eines Verbrechens in einem hermetisch geschlossenen Kreis.

 

Grandios und aus verschiedenen Perspektiven erzählt ist dieses kleine Schmuckstück ein Genuss in jeder Hinsicht: handlich, wunderschön gemacht, tolle Geschichte... LOHNT SICH!

Alles bleibt in der Familie

Roman  24,-€

Schwartz, Lynne Sharon

 

 

 

Eine Großfamilie in der New Yorker Upper West Side. Roy, ein Psychotherapeut, und seine erste Frau, Bea, eine Gastronomin, leben zusammen mit ihren vier Kindern und deren Partnern und Geliebten, Roys weiteren zwei Ehefrauen, Beas Liebhaber, ihrer lesbischen Künstlerinnenschwester sowie ihrer nervtötenden Mutter in einem einzige Mehrfamilienhaus. Da ist wenig Platz für alle - und doch genug Raum für Missverständnisse, schlechte Gefühle, aber auch unerwartete Freude. Ein scharfsinniges Buch über eine moderne Familie und der lustigste Roman dieser großen Autorin.Ein umwerfender Roman, der aufzeigt, dass Familie ein weitverzweigtes, kunterbuntes Geflecht sein kann. Lynne Sharon Schwartz ist eine Meisterin der genauen Beobachtung mit einem unnachahmlichen Talent für die liebenswerte Figuren

 

Ein Schmöker, eine Familiengeschichte, ein Lebensentwurf- Spass, Charme, schräge Ideen und eine Liebeserklärung an die Offenheit, alles in einem Buch, das für meinen Geschmack auch noch mal weitere 400 Seiten hätte haben dürfen...

"Das Recht des Geldes"

Dahlmann, Olaf R.

Tb., 384 S., € 12,00

 

"Wirtschaftskrimi" - Das klingt auf den ersten Blick nach trockener Lektüre. Wie es anders geht, zeigt uns Olaf R. Dahlmann in seinem ersten Krimi.

 

 

Sie will nur ihren Job machen.
Doch sie soll eine Marionette sein.
Also beginnt sie ihr eigenes Spiel …

 

Ein ermordeter Anwalt in Liechtenstein, verschwundene Steuerdaten und ein handlungsunfähiger Chef: Katharina Tenzer absolviert ihr Referendariat in der angesehenen Hamburger Kanzlei Friedemann Hausner und soll unverhofft die Unternehmerfamilie Koppersberg gegenüber der Steuerfahndung vertreten. Doch Hausner sagt seiner jungen Mitarbeiterin nicht alles.
Als Katharina begreift, worum es wirklich geht, ist es schon zu spät. Längst verfügt sie über Wissen, das sie eigentlich nicht verheimlichen darf. Und das sie zum nächsten Ziel des Mörders macht …

Der Handel mit Steuerdaten, riskante Selbstanzeigen und die Folgen:
hochspannend, topaktuell, von einem Insider geschrieben

Olaf R. Dahlmann

lebt in Großhansdorf, ist seit über fünfundzwanzig Jahren als freiberuflicher Rechtsanwalt tätig und Seniorpartner einer Rechtsanwalts- und Steuerberatungsgesellschaft. Aufgrund seiner frühzeitigen Spezialisierung auf das Steuerstrafrecht ist er mittlerweile einer der erfahrensten Hamburger Anwälte auf diesem Gebiet. In seinen Debütroman "Das Recht des Geldes" sind Geschehnisse aus wahren Fällen eingeflossen.

 

Tolle Nachbarn

Lasserre, Hélène , Bonotaux, Gilles

Originaltitel: Merveilleux Voisins

Verlag: Jacoby & Stuart (2016)

€ 14,95

 

Ein ehrenwertes Haus in einem gepflegten Viertel- alle Nachbarn sind zufrieden. Bis auf einen, den jungen Mann aus der mittleren Etage. Doch zu seinem großen Entzücken verändert sich die Nachbarschaft nach und nach- und ebenso das Haus, der Hof und die Straße- und nach einem Jahr ist (fast) nichts mehr so, wie es einmal war...

Ein Buch für "alle": ein wunderbar humorvolles Wimmelbuch für Kinder mit dem "Spaß-am-Entdecken"-Faktor auf jeder Doppelseite und noch dazu neugierigmachenden Texten, eine Lektion in Offenheit für Jung und Alt, ein Geschenk für die eigenen "tollen Nachbarn"... ein "MUST-HAVE" in jedem Bücherschrank!

 

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"Brandspuren"

Malou Berlin

Taschenbuch, € 14,90

 

Der kleine (aber feine) Berliner Querverlag verschafft uns mal wieder einen besonderen Lesegenuss:

In einer brandenburgischen Kleinstadt wird Mitte der neunziger Jahre ein Brandanschlag auf das Haus einer türkischen Familie verübt, die schwerverletzt überlebt.

Zwanzig Jahre später beginnt der Roman mit der Nachbarin Wilma, 76 Jahre alt, androgyn, kauzig und exzentrisch. Zu ihrer Tochter Petra hat sie keinen Kontakt mehr, dafür ist die Beziehung zu ihrer Enkelin Anna umso liebevoller. Diese lebt mitten in Kreuzberg und will sich mit ihrer deutsch-türkischen Freundin Jale mit einem Modelabel selbstständig machen. Die beiden Frauen überlegen, mit der Schneiderwerkstatt in das Haus der Großmutter zu ziehen. Doch die Ereignisse zwanzig Jahre zuvor holen Wilma und Anna, die damals fünf Jahre alt war, ein. Und nicht zuletzt durch den Zuzug Hunderter geflüchteter Menschen verändert sich die Situation im Ort und zwischen den Frauen.

Eine Geschichte, die aktueller nicht sein könnte und die differenziert und berührend zeigt, dass niemand sich aus der Verantwortung stehlen kann.

Eine gut erzählte Geschichte, man / frau ist sofort drin, überzeugend geschilderte Charaktere. Ich habe dieses Buch in einem Rutsch weggelesen!

Uli Klinger 30.01.2017

Die Autorin:

Malou Berlin veröffentlichte in den neunziger Jahren Erzählungen in Anthologien und Zeitungen. Ihr Roman Zeit bis Mitternacht erschien 2006 beim Querverlag. Von 2006-2009 studierte sie Filmdramaturgie/Drehbuch an der Filmarche Berlin. Ihr Dokumentarfilm Nach dem Brand erhielt mehrere Auszeichnungen, u.a. den Vielfaltspreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern, und Nominierungen für den Grimme-Preis und den Prix Europa. Ihr zweiter Roman Brandspuren erschien 2016, ebenfalls im Querverlag.
Foto: © Kersten Berlin

 

Gebunden, EUR 26,00

Erscheinungsjahr: 2017 - Hanser

4 Frauen, 4 Männer, 2 Jahre in einem riesigen Terrarium. Bestsellerautor T.C. Boyle erzählt vom halsbrecherischen Versuch, eine neue Welt zu erschaffen.

 

 

In seinem neuen Roman geht es um die Frage, wie die Menschheit einer immer weiter gefährdeten Erde ihre Existenz sichern kann.
Die Antwort: eine Welt unter einer schützenden Glaskuppel, mitten in der brennenden Hitze Nevadas, und ein Team von acht Wissenschaftlern, die in dieser schützenden Sphäre zwei Jahre unabhängig von der Aussenwelt überleben soll. Und während sich in der Kuppel die Dinge naturgemäß verkomplizieren (schließlich hat man bei der Vergabe der Plätze mit Bedacht 4 Männer und 4 Frauen gewählt) , bleiben sie auch in der Außenwelt nicht einfach- schliesslich gibt es da auch die erfolglosen Kandidaten, die nur auf einen Fehler der “Insassen” warten,
um selber einen der heiß umkämpften Plätze in diesem Projekt von historischer Bedeutung zu ergattern...
 
Das liest sich spannend, vielschichtig, mit viel menschlicher Nähe, sind doch die Wünsche, Ideen und Wandlungen der Personen, die abwechselnd erzählen,
so zutiefst nachvollziehbar... ich bin begeistert und empfehle jedem mit Spass an Spannung und farbenfroher Erzählung die Lektüre!

 

Wie man im Leben verliert und was man dabei gewinnt

Es war um 1870, als Will Andrews der Aussicht auf eine glänzende Karriere und Harvard den Rücken kehrt. Beflügelt von der Naturauffassung Ralph W. Emersons, sucht er im Westen nach einer »ursprünglichen Beziehung zur Natur«.

In Butcher's Crossing, einem kleinen Städtchen in Kansas, am Rande von Nirgendwo, wimmelt es von rastlosen Männern, die das Abenteuer suchen und schnell verdientes Geld ebenso schnell wieder vergeuden. Einer von ihnen lockt Andrews mit Geschichten von riesigen Büffelherden, die, versteckt in einem entlegenen Tal tief in den Colorado Rockies, nur eingefangen werden müssten.

Andrews schließt sich einer Expedition an, mit dem Ziel, die Tiere aufzuspüren. Die Reise ist aufreibend und strapaziös, aber am Ende erreichen die Männer einen Ort von paradiesischer Schönheit. Doch statt von Ehrfurcht werden sie von Gier ergriffen - und entfesseln eine Tragödie.

 

"Butcher's Crossing‹ ist ein Roman über einen jungen Mann, der auszieht, um zu sich selbst zu finden, doch es ist auch die Geschichte eines jungen Landes, das gewaltsam auf seiner Existenz besteht und sich nicht um die Folgen schert. Will Andrews, der sich im hohen Gras des Tales übergibt, in dem fast eine gesamte Büffelherde von mehr als fünftausend Tieren abgeschlachtet worden ist, verkörpert ein historisches Amerika. Anfangs ist es jung und dynamisch, und diese neue Bewährungsprobe ist nichts als eine Gelegenheit, um die starken und hart erprobten Seiten des Nationalcharakters zu bestätigen, doch wie beim Büffelschlachten in einem Tal in Colorado, wie in Vietnam und vielleicht im Irak tritt hier auch die widerliche Seite dieses Charakters zutage. Oder vielmehr Charakterlosigkeit. John Williams‘ unbeirrte Schilderung des gefühllosen Wahnsinns im menschlichen Handeln legt nahe, dass die Einheit von Mensch und Natur – der menschlichen Natur – eine schreckenerregende Aussicht darstellt."

Aus dem Vorwort

 

Ein glänzend geschriebener Roman. Unbedingt lesen!!!

U. Klinger 01.02.2017

John Williams

John Williams wurde 1922 in Texas geboren. Trotz seiner Begabung brach er sein Studium ab. Widerstrebend beteiligte er sich an den Kriegsvorbereitungen der Amerikaner und wurde Mitglied des Army Air Corps. Während dieser Zeit entstand die Erstfassung seines ersten Romans, der später von einem kleinen Verlag publiziert wurde. Williams erlangte an der University of Denver seinen Master. 1954 kehrte er als Dozent an diese Universität zurück und lehrte dort bis zu seiner Emeritierung 1985. Er veröffentlichte zwei Gedichtbände und vier Romane, von denen einer mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde.John Williams starb 1994 in Fayetteville, Arkansas.

Martin Calsow

"Quercher und das Seelenrasen"

Tb., 320 S., 12,00 €

 

"Eine Schweineniere im Hundenapf, unerklärliche Asthmaattacken und manipulierte Autobremsen: Die Familie von Max Querchers alter Schulfreundin Nina Poschner, einer reichen Pharmaerbin, wird massiv bedroht.
Nina vermutet einen Schweizer Unternehmer hinter den Vorkommnissen, der unter allen Umständen die Arzneimittelfirma ihres Vaters übernehmen möchte. Quercher und seine Kollegen vom LKA hingegen glauben, dass die Ursache für die Übergriffe in Ninas politischem Engagement liegt: Sie will am See ein Internat für Migranten aufziehen und 'Gottes Warteraum', wie die Gegend von Spöttern bezeichnet wird, mit Flüchtlingen aus aller Welt verjüngen. Das wiederum stößt im konservativen Tegernseer Tal auf wenig Gegenliebe.
Doch als Quercher herausfindet, dass Nina vor Jahren in Afrika dubiose Testreihen für ein Mittel gegen Cholera zu verantworten hatte und dafür den Tod von Menschen billigend in Kauf nahm, beginnt er, an den edlen Motiven seiner Schulfreundin zu zweifeln. Allerdings steht auch seine eigene Glaubwürdigkeit auf dem Prüfstand, da er zunehmend an Wahnvorstellungen und Panikattacken leidet. Das bleibt seiner Umgebung nicht verborgen ..."
Soweit die Inhaltsangabe des Verlages.

Doch was erwartet Sie wirklich: Ein erstklassig geschriebener Krimi, eine spannende Handlung mit überraschenden Wendungen, Seitenhiebe gegen eine verkrustete CSU-Präsenz in der Politik und in den Behörden und vor allem ein Lesevergnügen sondergleichen.
Wer die Krimis um Quercher noch nicht kennt, empfehle ich, sie in der Reihenfolge zu lesen:
Bd. 1 "Quercher und die Thomasnacht"
Bd. 2 "Quercher und der Volkszorn"
Bd. 3 "Quercher und der Totwald"
Bd. 4 "Quercher und das Seelenrasen"

Uwe-Johnson-Preis 2016

Jan Koneffke erhält Uwe-Johnson-Preis 2016

Jan Koneffke erhält den mit 15.000 Euro dotierten Uwe-Johnson-Preis 2016 für seinen Roman "Ein Sonntagskind" (Verlag Galiani Berlin, 2015).

Aus mehr als 60 Texten und Manuskripten wählte die fünfköpfige Jury den diesjährigen Preisträger aus. Die feierliche Preisverleihung an Jan Koneffke findet im Rahmen der Uwe-Johnson-Tage am 23. September 2016 in Neubrandenburg statt.

»Jan Koneffke entwirft in seinem Roman ›Ein Sonntagskind‹ ein deutsches Panorama, das vom Zweiten Weltkrieg über das Jahr 1989 bis in die Gegenwart führt. Wie bei Uwe Johnson wird offenkundig, auf welche Weise der Einzelne im 20. Jahrhundert in die gesellschaftlichen Zeitläufte hineingezogen wurde und es zu Brüchen in der Biographie gekommen ist. Dennoch wird die kathartische Entdeckung von Schuld und Verstrickung nicht zur Projektionsfläche für moralische Aburteilung durch die Nachgeborenen, sondern zum Ausgangspunkt für (selbst)kritische Fragen nach dem Vergangenen, Gegenwärtigen und Zukünftigen«, so die Jurybegründung.

Mitglieder der diesjährigen Jury sind: Sabine Vogel, Literaturredakteurin der Berliner Zeitung, Raimund Fellinger, Cheflektor des Suhrkamp Verlages und des Insel Verlages, Carsten Gansel, Professor für Neuere deutsche Literatur und Literatur- und Mediendidaktik an der Universität Gießen, Michael Hametner, ehemals leitender Literaturredakteur und Moderator bei MDR FIGARO, sowie René Strien, ehemaliger Geschäftsführer des Aufbau Verlages.

Für den Uwe-Johnson-Preis 2016 konnten Autorinnen und Autoren oder deren Verlage bis zum 31. März 2016 unveröffentlichte sowie seit April 2014 veröffentlichte Arbeiten aus den Bereichen Prosa und Essayistik einreichen. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis fördert deutschsprachige Autorinnen und Autoren, in deren Schaffen sich Bezugspunkte zu Johnsons Poetik finden und die heute mit ihren Texten ebenso unbestechlich und jenseits der "einfachen Wahrheiten" deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reflektieren.

Der Uwe-Johnson-Preis wurde 1994 erstmals verliehen. Zu den Preisträgern der letzten Jahre zählen u. a. Uwe Tellkamp (2008), Christa Wolf (2010), Christoph Hein (2012) sowie Lutz Seiler (2014). Der Uwe-Johnson-Preis wird von der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft e.V. (Neubrandenburg) gemeinsam mit der Nordkurier Mediengruppe (Neubrandenburg) und der Kanzlei Gentz und Partner (Berlin) im jährlichen Wechsel mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis vergeben. Der mit 3.000 Euro dotierte Uwe-Johnson-Förderpreis würdigt herausragende Debütromane.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.uwe-johnson-preis.de

buchreport.de

 

Jan Koneffke

"Ein Sonntagskind"

Roman, Gebunden, 592 S, € 24,99



Nach dem Tod eines linksliberalen Philosophieprofessors finden sich dessen Landser-Briefe aus der Kriegszeit. Sein Sohn begegnet darin einem Menschen, den er nicht kennt, der Schock ist groß.
Winter 1944/45: Um seinen unreifen Sohn Konrad vor den Werbern der SS zu retten, drängt dessen Nazi-skeptischer Vater ihn, freiwillig Reserveoffizier bei der Wehrmacht zu werden; kurz darauf rät er ihm sogar zur Fahnenflucht - Hitlerjunge Konrad graut es zwar vor Kampfeinsätzen, zugleich ist er aber über den mangelnden Patriotismus des Vaters entsetzt und überlegt ernsthaft, ihn anzuzeigen.
Der Krieg macht durch Zufälle aus dem Feigling einen Helden, er bekommt sogar das Eiserne Kreuz Erster Klasse.
Prahlend berichtet er darüber in Briefen an ferne Kameraden. Nach dem Kriegsende jedoch sieht die Welt anders aus. Der vorher verachtete Vater wird zum Leitstern. Konrad schämt sich zutiefst für seine Kriegstaten und verschweigt sie hartnäckig - erst recht, als er (gefordert von einem ehemaligen Widerständler) Philosophiedozent wird, Schwerpunkt Ethik.
Konrad gerät in Frankfurt, inzwischen Professor, ins linke Milieu - und mitten in die Wirren der Studentenbewegung. Als die Staatssicherheit der DDR über einen ehemaligen Kriegskameraden an kompromittierende Informationen über ihn gelangt, wird es brenzlig, aber es gelingt dem Sonntagskind Konrad, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Kein Wunder, dass er - Jahre später - die Nachricht vom Fall der Mauer nicht nur mit Freude hört. Erst sein Sohn wird die prahlenden Jugendbriefe seines Vaters finden - und darin einen Menschen, den er nicht kennt und dessen wahre Identität er rekonstruieren will.

Lukas Erler

"Auge um Auge"

Kartoniert, 320 S, € 12,99

 

Cool, kantig, eigenwillig - der aufgrund einer Erbkrankheit erblindete Kunsthistoriker Cornelius Teerjong ist ein Mann mit radikalen Ansichten und einem gewissen Hang zum Zynismus.

Auf der "Documenta" in Kassel wird sein Bekannter, der Kameramann Henk de Byl, leblos und auf bizarre Weise verstümmelt inmitten einer Installation im Rahmen der Kunstmesse aufgefunden.

Teerjong ist bestürzt und beginnt gemeinsam mit seiner Freundin, der Journalistin Jenny Urban, auf eigene Faust zu ermitteln. Eine Spur führt die beiden zurück in die Vergangenheit, zu einem unfassbaren Verbrechen, das 17 Jahre zuvor die Welt erschütterte, und Teerjong muss feststellen, dass er seinen Freund nicht annähernd so gut kannte, wie er gedacht hatte.

Schritt für Schritt enthüllt sich Teerjong und Urban das Motiv des Täters, doch je mehr sie erfahren, desto weniger sicher sind sie, dass sie ihn wirklich finden wollen.

 

Was für ein Kriminalroman. Spannende Handlung, ein realer Hintergrund und vor allem psychologisch ausgezeichnete skizzierte Personen. Der Zufall will es, dass in diesem Jahr 2 deutsche Autoren einen blinden HeldIn zur Hauptperson haben. Während Andreas Pflüger seine "Heldin" a la James Bond oder Superman mit Fähigkeiten ausstattet, die einfach reißerisch wirken, zeigt Lukas Erler seinen Helden zwar selbstbewußt, aber auch verletzlich. Hier stimmt die Beschreibung, das mentale Geschehen. Ein Roman der Sonderklasse, unbedingt lesen.

Uli Klinger 16.06.2016

Bernard Cornwell

"Das letzte Königreich"

Kartoniert, 474 S., € 10,99

 

Mit den Drachenbooten kommt der Tod!
Nordengland im Jahre 866: Mit zehn Jahren erlebt der Fürstensohn Uhtred den Einfall der Wikinger. Sein ungestümer Mut in der Schlacht beeindruckt den Anführer der Dänen so sehr, dass er Uhtred verschont und als Ziehkind aufnimmt. Mit den Jahren wird der Junge fast einer von ihnen. Nach Raub- und Eroberungszügen voller Blut und Gewalt droht auch Wessex, das letzte der fünf angelsächsischen Königreiche, an die Eroberer zu fallen. Doch da wechselt Uhtred wieder die Seiten.
Die Uhtred-Romane, Band 1

"Ein beeindruckend gut geschiebener historischer Roman. Ich habe ihn verschlungen!"

Uli Klinger 07/16

"Der Kuss des Raben"
von Antje Babendererde
Gebunden
496 S., von 14 - 99 J., € 17,99

 

 

 

 

Ein Wort vorweg: Ich bin Fan von Antje Babendererde. Vom ersten Buch an.

Aber das hindert mich nicht, ihre Bücher kritisch zu lesen!

 

Nur, was sie mit "Der Kuss des Raben" vorgelegt hat, sprengt alle Grenzen. Auf den ersten Blick angelegt als Liebesgeschichte, enthüllt sich dieses Buch von Kapitel zu Kapitel zu einem der ganz großen Romane, den ich nicht nur Jugendlichen ans Herz lege. Um die Spannung aufrecht zu halten, will ich nicht zu viel verraten. Aber: EIN MUSS FÜR JEDE LESERIN / JEDEN LESER!!!

 

Zum Inhalt: Mila ist schön und anders. Ein außergewöhnliches Mädchen mit einer dunklen Vergangenheit. In Moorstein sucht sie einen Neuanfang - und findet ihre große Liebe: Tristan, eigentlich unerreichbar, erwählt ausgerechnet sie! Mila kann ihr Glück kaum fassen. Doch auch Tristan hat ein Geheimnis. Als im Dorf der Fremde Lucas auftaucht und das Haus der Rabenfrau in Besitz nimmt, erwachen die Schatten der Vergangenheit zum Leben. Lucas und Tristan scheinen sich zu kennen - und zu hassen. Mila gerät zwischen die beiden und findet sich plötzlich selbst vor einem schrecklichen Abgrund wieder ...

"Erschlagt die Armen!"
von Shumona Sinha
Gebunden, Roman. 127 S., € 18,00

 

 

 

 

'Erschlagt die Armen!' ist Titel eines Prosagedichts von Charles Baudelaire, und die Protagonistin dieses Romans scheint ihn wörtlich genommen zu haben: Die junge Frau schlägt einem Migranten in der Metro eine Weinflasche über den Kopf und findet sich in Polizeigewahrsam wieder. Dort soll sie sich erklären:

Was treibt eine dunkelhäutige Frau indischer Abstammung, die in der Asylbehörde als Dolmetscherin zwischen Asylbewerbern und Beamten vermittelt, zu einer solchen Tat? Täglich übersetzt sie das Jammern und die Lügen der Asylbewerber, deren offensichtliches Elend der Behörde nicht reicht - und ist angewidert vom System, deren Teil sie geworden ist. Als Migrantin bleibt sie fremd in den Augen der Beamten, aber auch für ihre ehemaligen Landsleute ist sie fremd - als eine, die es geschafft hat. Schließlich scheint es auch für sie in der menschengemachten Enge der Welt keine andere Begegnung als den Angriff zu geben.

Erschlagt die Armen! ist ein zorniger Roman, der in kraftvoller, bilderreicher Sprache aufrüttelnde Fragen zu Identität und Zusammenleben in einer globalisierten Welt stellt.

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