Buchhandlung für ausgesuchte Literatur Ulrich Klinger Seit über 20 Jahren Ihre Buchhandlung im Veedel
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"Die Bücherschmuggler von Timbuktu"

Charlie English

Hoffmann & Campe 2018    24,-€

 

 

 

Die sagenumwobene Stadt, die vor einigen Jahren erneute Aufmerksamkeit erfuhr, als ein paar mutige Bibliothekare ihre kostbaren Manuskripte vor den Islamisten in Sicherheit brachten. Davon erzählt Charlie English kenntnisreich und spannend. Dazu wirft er einen ebenso gründlichen Blick zurück in die europäische Geschichte von der Entdeckung Timbuktus. Zahlreiche Versuche, wenig Erfolg und reichlich Rätsel, so viel sei verraten, erwarten den gespannten Leser. Und ein faszinierender Blick auf die tiefe Verbundenheit der Menschen dieser Stadt zu ihrer Geschichte und den damit untrennbar verbundenen Manuskripten.

 

So spannend kann die Wirklichkeit sein- lesen lohnt sich! Und ergänzend dazu sei nochmals auf das großartige Jugendbuch "Blood and Ink" von Stephen Davies hingewiesen, das die Geschichte der Bücherschmuggler mit einer schwierigen ersten Liebe verbindet!

"Häuser aus Sand"

Hala Alyan

DuMont 2018     24,-€

 

 

 

 

 

 

Eine turbulente Familiengeschichte zwischen Flucht und Wurzelsuche

 

Am Anfang des Romans steht der Stammbaum der Familie Yacoub, genauer: der 3 Generationen, die in dieser Geschichte zu Wort kommen.

Und am Anfang steht Salma, Mutter zweier Töchter und eines Sohnes, begabt mit der Fähigkeit, aus dem Kaffeesatz die Zukunft zu deuten. Als sie vor der Hochzeit ihrer Tochter Alia beunruhigende Dinge für diese zu erkennen meint, verschweigt sie ihr manches. Im bald darauf folgenden 6-Tage-Krieg wird ihr Sohn getötet, Alia und ihr Mann flüchten nach Kuwait zu Salmas ältester Tochter und deren Familie.

 

Und so geht das Leben weiter, Kinder werden geboren, neue Kriege brechen aus und die Erzähler der Geschichte wechseln. Was bleibt, ist die Suche nach den Wurzeln, dem Ursprung- je weiter sich die Familie über die verschiedenen Kontinente verstreut, umso größer scheint die Sehnsucht zu werden.

Erst Jahre später macht sich Salmas älteste Urenkelin auf den Weg zurück- aber ist ein verlassenes Haus, ein Stück Landschaft, wirklich die Heimat? Oder ist Heimat nicht eher etwas, das wir stets mit uns tragen?

 

Eine lebendige Geschichte von einer Autorin, die das Thema Flucht und Heimatlosigkeit aus eigenem Erleben kennt:  fröhlich und bunt, an manchen Stellen traurig und nachdenklich, aber niemals pathetisch.

 

Wunderbarer Familienschmöker mit Liebe und Verstand!

"Lied vom Abendrot"

Lewis Grassic Gibbon

Guggolz-Verlag 2018     26,-€

 

 

 

 

Das Lieblingsbuch der Schotten endlich in deutscher Übersetzung, grandios gemeistert von Esther Kinsky!

Chris, älteste Tochter einer schottischen Häuslerfamilie, darf die Schule besuchen bis der Tod ihrer Mutter ihre Rückkehr auf den kleinen Hof der Familie notwendig macht. Sie fügt sich der Pflicht und dem strengen Vater bis sie nach dessen Tod überraschend entscheidet, den Hof weiter zu bewirtschaften. Und den Landarbeiter Ewan zu heiraten. Und noch weitere dem Umfeld suspekte Entscheidungen fällt...

 

Ein tiefer Einblick in das Leben der schottischen Häusler, das mit Beginn des ersten Weltkrieges eine tiefschneidende Wandlung erfuhr, eine wunderbar singende Sprache, die die Lektüre zum puren Genuss macht und eine Heldin, die sich nicht den gesellschaftlichen Erwartungen beugen möchte- braucht es mehr für packende Lesestunden?

Ein absolut wunderbarer Roman, den man sich nicht entgehen lassen sollte!

Nominiert für den LiBeraturpreis 2018

"Lügnerin"

Ayelet Gundar-Goshen

Kein & Aber 201            24,-€

 

 

 

 

Nuphar arbeitet in den Sommerferien vor ihrem letzten Schuljahr in einer Eisdiele, nicht etwa, weil sie das Geld so dringend braucht, sondern in der Hoffnung auf ein bisschen Abwechslung in ihrem eintönigen Leben und eine spannende Geschichte, die sie dann in der Schule erzählen kann um endlich, endlich dazuzugehören.

Was ihr dann allerdings am Ende der Ferien widerfährt, hätte sich das phantasiebegabte Mädchen nicht einfallen lassen: ein ungehaltener Kunde beschimpft sie, Nuphar verliert die Fassung und die rasch herbeigeeilten Helfer gewinnen den Eindruck, dass der Mann (zudem ein im Abstieg begriffener Hitparadenstar!) versucht habe, sich an ihr zu vergehen! Zunächst zu verstört, um dem zu widersprechen, blüht Nuphar im Licht ihrer Lügengeschichte auf...

 

Eine unterhaltsam erzählte Geschichte mit Tiefgang, ein Spiel mit Lüge, Wahrheit, Erwartungen und viel Liebe. Die Sprache lebendig und direkt, wenn es die Situation erfordert zart und behutsam- eine großartige Autorin in Bestform!

 

Kennen Sie Crissa Stone?

 

Wenn nicht, dann empfehle ich Ihnen ganz dringend „Kalter Schuss ins Herz“!

Crissa ist das Bad Girl der Kriminalliteratur. Berufsverbrecherin, 1 kleine Tochter (die nichts von ihr weis) und ihrem Lover, der allerdings z. Zt. unerreichbar für sie im Knast sitzt.

Aus ihrer Sicht ist dieser Krimi geschrieben, schnurstracks geht es in die Handlung, nicht umsonst nennt der Autor Wallace Stroby als Vorbilder: Richard Stark (alias Donald E. Westlake) mit seinem Helden „Parker“ und Garry Disher mit seinem Helden „Wyatt). Es ist also ein Leckerbissen, der Sie hier erwartet. Keine Sonnenuntergänge, keine Rührseligkeiten aber harter Stoff! Nur zu empfehlen.

Doch nun zu der Handlung: Crissa Stone ist jung, attraktiv und ein knallharter Profi. Ihr Geld macht sie mit Raubzügen. Crissa bekommt einen Job angeboten, bei dem sie mit zwei Komplizen eine Pokerrunde überfallen soll. Eine leichte Nummer, wenig Aufwand, sehr viel Geld. Der Auftrag läuft aus dem Ruder: Plötzlich fällt ein Schuss und einer der Pokerspieler wird getötet. Als sich herausstellt, dass der Tote der Schwiegersohn eines Gangsterbosses ist, wird die Lage für Crissa gefährlich. Der Boss engagiert Eddie den Heiligen, einen skrupellosen Verbrecher und eiskalten Killer, um den Ermordeten zu rächen. Crissa taucht unter, aber Eddie hat sie in der Hand. Er weiß, für wen Crissa ihr Leben riskieren würde. Sie weiß, es gibt nur eine Lösung …

»Crissa hat ebenso männliche wie weibliche Leser. Frauen mögen sie, weil sie ein starker Charakter und eben kein Opfer ist. Die männlichen Leser schätzen die Crissa-Romane als gut erzählte, vorwärtstreibende Geschichten.« (Wallace Stroby)

 

Uli Klinger 12.04.2018

Die weiteren in Deutschland lieferbaren Titel um Crissa Stone:

"Geld ist nicht genug"- Bd. 2

"Fast ein guter Plan" - Bd. 3

Der abschließende Band 4, dessen Titel noch nicht feststeht, erscheint demnächst!

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"Der große Plan"

Denglers neunter Fall

Wolfgang Schorlau

Kartoniert, Großformatiges Paperback. Klappenbroschur, 448 S.,€ 14,99

 

Wow, was für ein Krimi!!!

Das schlägt alles, was ich bisher in diesem Jahr gelesen habe.

Die „Griechenlandkrise“ bildet dieses Mal den Hintergrund. Wie immer erbarmungslos gut recherchiert. Schorlau deckt die ganzen Hintergründe auf – und hat gleichzeitig eine Krimihandlung geschrieben, die einem das Buch kaum aus der Hand legen lässt.

Die Spur des großen Geldes - Dengler deckt die Machenschaften der "Euro-Retter" auf.
Georg Dengler droht an seinem bisher größten Fall, dem neunten in Wolfgang Schorlaus Bestseller-Krimiserie, zu scheitern: Wer hat die EU-Beamtin Anna Hartmann entführt? Was hatte sie mit der sogenannten Griechenlandrettung zu tun? Und vor allem: Wo sind die Milliarden europäischer Steuergelder wirklich gelandet?
Endlich, die mageren Jahre sind vorbei! So jedenfalls scheint es dem Stuttgarter Privatermittler Georg Dengler. Zum ersten Mal ergattert er einen wirklich gut bezahlten Auftrag: Das Berliner Auswärtige Amt will, dass er nach der Mitarbeiterin Anna Hartmann sucht. Ein Handyvideo legt nahe, dass sie entführt wurde. Mithilfe seiner technisch versierten Freundin Olga gelingt es Dengler, vier verdächtige Männer zu identifizieren. Bevor er sie befragen kann, werden sie allesamt ermordet. Gibt es einen Verräter im Auswärtigen Amt? Oder gibt Denglers neue Mitarbeiterin Petra Wolff Informationen an die Killer weiter? Denglers Ermittlungen enden in einer Sackgasse.
Die Entführte war als Beamtin an die Troika ausgeliehen worden, die Griechenland die Bedingungen der Eurogruppe diktiert hat. Liegt hier der Schlüssel für den Fall? Dengler nimmt einen neuen Anlauf und stößt auf das größte Geheimnis der sogenannten Griechenlandrettung: Auf welchen Konten sind die vielen Milliarden europäischer Steuergelder letztlich gelandet? Als Dengler die Namen der Personen und Institutionen ermittelt, die diese gewaltigen Summen kassiert haben, gerät er selbst ins Visier…

Soweit zum Inhalt, mehr möchte ich Ihnen nicht verraten.

Ein Krimi, den man/frau gelesen haben muss.

Wie immer liefert der Autor auf seiner Webseite( www.schorlau.com ) die Hintergrundinformationen. Werfen Sie auch hierauf einen Blick, es lohnt sich!!! 

Uli Klinger 28.03.2018              

 

 

"Staatenlos"

Gebunden, 160 S., € 19,90

 

 

 

Shumona Sinha schreibt mit wortgewaltigem Zorn und in starken Bildern von drei Frauen, die sich einer unbarmherzigen männlichen Ordnung gegenübersehen – in Paris wie in Kalkutta.

Die Frauen in Shumona Sinhas neuem Roman sind entwurzelt, heimatlos, nie ganz angekommen in einer Gesellschaft, die unlebbar ist, vor allem für Frauen und Fremde. Voller Wut erzählt Sinha von Rassismus, Sexismus und Unterdrückung in Frankreich wie in Indien:
Esha stammt aus wohlhabendem, gebildetem Milieu in Kalkutta, sie ist aus Liebe zur Sprache nach Paris gekommen, einem romantischen Traum folgend. Doch während sie auf das Ergebnis ihres Einbürgerungsantrags wartet, häufen sich die rassistischen Bemerkungen, die abfälligen Blicke, die Enttäuschungen.

Mina ist Analphabetin und stammt aus einer Bauernfamilie, die seit Generationen Land in Bengalen bewirtschaftet, das ihr nicht gehört. Sie wird in einen Aufstand gegen den Bau einer Autofabrik hineingezogen. Doch sie hat eine viel drängendere Sorge, denn sie ist von ihrem Cousin Sam schwanger, der sie ganz sicher nicht heiraten wird.

Marie schließlich wurde schon als Säugling von liberalen französischen Eltern adoptiert. Sie reist regelmäßig nach Indien, auf unbestimmter Suche nach Exotik und ihrer eigenen unauffindbaren Herkunft.

In einer Gegenwart, die zunehmend von Misstrauen, Angst und sogar Hass dem Anderen gegenüber geprägt ist, ist Staatenlos eine wichtige und einzigartige literarische Stimme, die uns Fragen zur Gewalt, die wir tolerieren, akzeptieren und selbst ausüben, aufzwingt, sei es auch ohne unsere Absicht.

"Roter Herbst in Chortitza"

Tim Tichatzki

Brunnenverlag 2018   22,-€

 

 

 

 

... und der in diesem Fall ganz wichtige Untertitel: "nach einer wahren Geschichte", denn der Kölner Tim Tichatzki erzählt hier die Geschichte seiner Schwiegerfamilie, angefangen bei den Eltern seiner Schwiegermutter, die als streng gläubige Deutsche in einer Gemeinde in der Ukraine angesiedelt sind. Er erzählt vom Leid der Stalinzeit, von Ausbeutung und Hunger und Krieg, von Gewalt und Verschleppung... und dazu von einer Familie, die diese Zeiten gemeinsam übersteht, bis zu den heute lebenden Mitgleidern, die diese Erinnerungen teilen und weiter tragen...

 

Ein wirklich lesenswertes Buch, eine im besten Sinne ergreifende Geschichte, die in flüssiger Sprache frei von jedem Pathos erzählt wird, eine wichtige Erinnerung an eine schreckliche Zeit!

Wow, was für eine Schreibe!

Simone Buchholz legt mit „Blaue Nacht“ den 7. Krimi mit ihrer „Heldin“ Chastity Riley vor. Wahrscheinlich der letzte mit dieser Staatsanwältin, die auf St. Pauli wohnt und ausgezeichnete private Kontakte ins Milieu hat, ist ihr Lover doch ein 10 Jahre jüngerer Ex-Knacki.

Doch ich will nicht zu viel verraten, nur so viel: Um mich für eine Serie zu gewinnen, benötigt es – neben der Krimihandlung – ein besonderes Milieu, eine stimmige Hauptperson. Und hier stimmt alles!!! Ich habe alle Bände geradewegs verschlungen, rate allerdings, sie in der Reihenfolge zu lesen. Denn immer wieder wird auf Ereignisse Bezug genommen, die in früheren Bänden angesiedelt sind und jetzt aufgeklärt werden. Freuen Sie sich auf eine rotzfreche Sprache, auf überraschende Wendungen und Personen, die (scheinbar) direkt dem Leben entsprungen sind.

Die Reihenfolge der Chastity-Riley-Serie:

„Revolverherz“ (1)

„Knastpralinen“ (2)

 „Schwedenbitter“ (3)

„Eisnattern“ (4)

„Bullenpeitsche“ (5)

„Beton Rouge“ (6)

„Blaue Nacht“ (7)

"Nicht ein Wort"

Brad Parks

Fischer 2018    14,99€

 

 

 

 

"In unseren Gerichtssäälen sind wir Cäsaren."

Unumstößlich ist dieser Grundsatz für die amerikanischen Bundesrichter, auch für den ehrenwerten Richter Scott Sampson. Ansonsten ist er ein liebender Ehemann und ein aufmerksamer Vater seiner Zwillinge Emma und Sam, der viel Zeit mit den beiden verbringt in der festen Überzeugung, dass es nichts wichtigeres auf der Welt gibt als die Familie. Als ihn eines Tages eine SMS seiner Frau erreicht, dass wegen eines Arzttermins der fixe wöchentliche Schwimmtermin mit den Kindern entfallen muss, ist er dementsprechend enttäuscht- das Entsetzen beginnt, als seine Frau alleine nach Hause kommt und gleich darauf das Telefon klingelt und eine Stimme knapp meldet:"Ihre Kinder sind in unserer Gewalt!"

 

Damit öffnet ein neuer Krimiautor die Pforten zur ganz persönliche Hölle für seine Protagonisten, treibt Scott und seine Frau Alison durch eine rasante, sich immer weiter zuspitzende Geschichte, die keine gewaltigen Effekte, dafür um so mehr psychologische Raffinesse in sich trägt.

Wie weit werden die beiden gehen, um ihre Kinder zu retten?

 

LESEN!

"Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt"

Jesmyn Ward

Verlag Antje Kunstmann 2018   22,-€

 

 

 

 

Atemberaubend!

Jojo und seine kleine Schwester Kayla leben gemeinsam mit ihrer drogensüchtigen Mutter bei den Großeltern, der Vater der beiden sitzt im Gefängnis. Als er entlassen werden soll, macht sich Mutter Leonie mit einer Freundin und ihren Kindern auf den Weg durch das ländliche Mississippi um ihn nach Hause zu holen. Es ist eine schwierige Reise: Leonie ist weder gewillt noch in der Lage, sich um ihre Kinder zu kümmern (zudem verfolgt sie der Geist ihres vor Jahren ermordeten Bruders ), ihre Freundin ist desinteressiert. Als Kayla krank wird, bleibt die Last der Verantworung allein an Jojo hängen. So weit der gegenwärtige Strang der Handlung, der von Jojo uns Leonie abwechselnd erzählt wird.

Darüber  hinaus meldet sich ein Junge namens Richie zu Wort, der Geist eines Jugendlichen, der vor langen Jahren gemeinsam mit Jojos Großvater in ebendiesem Gefängnis inhaftiert war. Teile dieser Geschichte kennt Jojo aus den Erzählungen seines Großvaters- andere werden nach und nach ans Licht gebracht.

 

Wunderbar die Sprache dieser Geschichte, traurig ihr Grundton und dennoch frei von aller Tristesse, das allein ist schon die Lektüre wert! Dazu gelingt es der Autorin, eine zeitlose und teilweise magische Geschichte zu erzählen, in der Geister und Götter ihren selbstverständlichen Platz im Leben der Menschen einnehmen, unabhängig davon, ob diese sie bewusst wahrnehmen wie Jojo und seine todkranke Großmutter oder sie für rauschbedingte Erscheinungen halten wie Leonie. Und nicht zuletzt eine mahnende Erinnerung an all die Grausamkeiten, die den farbigen von den weißen Amerikanern angetan wurden!

"Wie die Sonne in der Nacht"

Antje Babendererde

Arena 2018    18,-€

 

 

 

 

Es ist ein heißer Sommer in New Mexiko: Mara kann den Besuch ihres Freundes aus Deutschland kaum erwarten, der zum Ende ihres Auslandsjahres noch ein bisschen mit ihr herumreisen wird. Als sie erfährt, dass er verletzt im Krankenhaus liegt, ist die Enttäuschung groß- noch größer allerdings die Wut, als ihre beste Freundin sie wissen lässt, dass er sich zudem eine Neue zugelegt hat...  Bevor Mara diesen Schock überwunden hat findet sie am Straßenrand den verletzten Indianerjungen Kayemo. Dieser hat das Gedächtnis verloren und Mara, neugierig auf seine Geschichte, unterstützt ihn bei der Suche nach seiner Familie. Als sich herausstellt, dass Kayemo weitab von aller Zivilisation mit seiner Mutter und seinem Großvater in einer Hütte in den Bergen lebt, begleitet ihn Mara auf seinem Weg zurück. Offen ist immer noch die Frage, wie Kayemo verletzt an den Straßenrand gekommen ist- hat jemand versucht, ihn zu töten? Wer und warum? Und wer ist dieser Junge wirklich, der in der Wildnis von einem Berglöwen begrüßt wird wie ein alter Freund? Nach und nach kehren Kayemos Erinnerungen zurück, und auch die Zuneigung der beiden füreinander wächst...
 
Geheimnisse, Liebe, indianische Kultur und jede Menge Abenteuer- ich weiss nicht, wie die Autorin es immer wieder schafft, neue “typische” jugendliche Figuren zu erschaffen, ohne auf Stereotype zurückzugreifen. Und auch die Gefühle ihrer Helden immer wieder glaubwürdig in den jeweiligen Kontext einzuarbeiten ohne dass es erzwungen wirkt. Und das Wissen über die Indianer, diesmal sind es die Pueblo-Stämme New Mexikos, ist wie immer breit gefächert und spannend dargeboten.
Kurz und gut: wer ein spannendes, romantisches und inhaltlich reiches Buch sucht, ist hier- wie immer- richtig! Antje Babendererde ist in Hochform!

"Nordwasser"

Ian McGuire

mareverlag 2018   22,-€

 

 

 

 

Ein Walfangschiff, das Kurs nimmt auf die eisigen Gewässer der Arktis. Mit an Bord: Henry Drax, ein gewissenloser Harpunierer mit einem düsteren Geheimnis . . .

 

Henry Drax kennt kein Gewissen. Er ist Harpunierer auf der Volunteer, einem Walfangschiff, das von England Kurs auf die arktischen Gewässer der Baffinbucht nimmt. Ebenfalls an Bord ist Patrick Sumner, ein Arzt von zweifelhaftem Ruf, der glaubt, schon alles gesehen zu haben - nicht ahnend, dass seine größte Prüfung noch bevorsteht, nachdem er Drax einer ungeheuerlichen Tat überführt hat. Während sich der Konflikt zwischen den beiden Männern zuspitzt, wird auch der eigentliche Sinn der verhängnisvollen Expedition zunehmend klar . . .

Die erschütternde Schönheit und Einsamkeit des Nordpolarmeers bilden die Kulisse für Ian McGuires dramatischen Roman um Gut und Böse, eine in ihrer philosophischen und psychologischen Dimension zeitlose Geschichte über die tiefsten Abgründe des menschlichen Herzens.
"Wie eine Begegnung zwischen Joseph Conrad und Cormac McCarthy."

The New York Times Book Review

 

Für Liebhaber klassischer Abenteuerromane und Freunde guter Bücher!

 

Literatur über die Mafia

Es ist erstaunlich: In Deutschland ist das Thema "Mafia" öffentlich kaum present. Wenn überhaupt, wird vom "Rückzugsgebiet Deutschland" für diese verbrecherische Organisation gesprochen. Dabei ist die Mafia längst bei uns tief verwurzelt und durchzieht unser wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben, insbesonders in NRW. 

Zum Glück haben wir mit Petra Reski eine deutsche Schriftstellerin, die in Venedig lebt und mit ihren Mitteln den Kampf gegen die Krake Mafia aufgenommen hat. Lesen sie ihre Krimis, die sich eng an die Wahrheit halten. 

Uli Klinger 03.01.2018

Petra Reski wurde im Ruhrgebiet geboren und lebt in Venedig. Seit 1989 schreibt sie über Italien - für Die Zeit, Geo, Merian, Focus und Brigitte - und immer wieder über das Phänomen Mafia. Sie drehte einen Film über Mafiafrauen und wurde für ihre Reportagen und

© Paul Schirnhofer

 

Bücher mehrfach ausgezeichnet. Petra Reski hat mehrere Romane und Sachbücher veröffentlicht.

Weitere Infos: www.petrareski.com 

Der 1. Fall für Serena Vitale

 

"Palermo Connection"

Reski, Petra

Verlag: Atlantik Verlag

Kartoniert, 288 S., € 10,00

ISBN-13: 978-3-455-65011-2

 

Eine widerspenstige Staatsanwältin, die in Palermo gegen die Mafia kämpft: Serena Vitale weiß, dass sie alles riskiert, als sie einen hochrangigen Politiker wegen Verbindung zur Mafia vor Gericht bringt. Und dass sie nur darauf hoffen kann, unterschätzt zu werden. Sie hat erlebt, wie ihr großes Vorbild, ein Anti-Mafia-Richter, ermordet wurde. Sie erinnert sich an ihre Kindheit als Gastarbeiterkind im Ruhrpott, wo ihr Vater sich eine Existenz aufbaute, um dem sizilianischen Filz zu entgehen. Sie ist entschlossen, diesen Kampf zu gewinnen – koste es, was es wolle.
Als Serena Vitale einen widerspenstigen Zeugen abhören lässt, wird ihr klar, dass das Netz des Verbrechens viel weiter reicht als gedacht – und dass sie selbst in höchster Gefahr ist. Ein deutscher Journalist, der auf der Suche nach einer guten Story nach Palermo geflogen ist, gerät in ein Spiel, dessen Regeln er nicht versteht. Und ein mutiger Polizist, den Serena für ihren Verbündeten hält, wird zur Bedrohung …

Der 2.Fall für Serena Vitale

 

"Die Gesichter der Toten"

Reski, Petra

Verlag: Atlantik Verlag

Kartoniert,320 S., € 10,00

ISBN-13: 978-3-455-65140-9

 

Mafiaboss Alessio Lombardo ist seit Jahrzehnten flüchtig, doch als Serena Vitale mit den Ermittlungen beauftragt wird, kommt Bewegung in den Fall.
Während die Staatsanwältin nach Don Alessio fahndet, wird eine Spur nach Deutschland immer heißer: Sie stößt nicht nur auf Komplizen und eine glamouröse Geliebte des Paten, sondern auch auf die Geschichte ihres eigenen Vaters, der als Gastarbeiter nach Dortmund kam – und von dem sie plötzlich nicht mehr weiß, ob er wirklich auf der richtigen Seite stand.
Lombardo bleibt jedoch verschwunden, und ein inhaftierter Mafioso erhängt sich in seiner Zelle. Als Serena Vitale die Umstände des Selbstmords zu klären versucht, gerät sie selbst in höchste Gefahr …

Der 3. Fall für Serena Vitale

 

"Bei aller Liebe"

Reski, Petra

Verlag: Hoffmann und Campe

Gebunden, 320 S., € 20,00

ISBN-13: 978-3-455-00157-0

 

In Palermo wird ein deutscher Staatsanwalt ermordet aufgefunden – ausgerechnet auf dem Straßenstrich der Transvestiten. Serena Vitale will mit dem Fall nichts zu tun haben, schließlich nehmen afrikanische Schlepperbanden all ihre Zeit in Anspruch, denn am Elend der Flüchtlinge wollen viele verdienen. Doch der Staatsanwalt ermittelte in Deutschland gegen die Mafia, und Serena Vitale ist klar, dass es sich keinesfalls um ein Verbrechen aus Leidenschaft handelt. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich selbst in die Ermittlungen zu stürzen.

"Dr Quetschenbüggel"

Janssen, Eva

Kartoniert, € 6,95

ISBN-13: 978-3-7460-4638-9

 

Der 84jährige Joseph Zehnpfennig steht vor dem letzten entscheidenden Gang in seinem Leben:

Am nächsten Tag soll er in ein Seniorenheim umziehen. Aber noch ist es nicht soweit.

Ausgehend von seinem Abschiedsbesuch im „Café Schlösser“ (heute Café St. Mocca) im „Am Rosengarten 2“, Ecke Sandweg lässt er auf seinem Heimweg in den Akazienweg sein Leben an sich vorüberziehen. An jeder Ecke lauern Erinnerungen. Er – der fast sein ganzes Leben in Bickendorf zugebracht hat – zieht Bilanz, von seiner Kindheit über das sog. Dritte Reich bis zu heute, wo er einfach körperlich nicht mehr so kann, wie er eigentlich will. Uns so entfaltet sich die Lebensgeschichte des alten Mannes und mit ihr ein Stück Kölner Geschichte. Und der Leser / die Leserin wird Teil davon, erfährt neues und altbekanntes.

Joseph Zehnpfennig war kein Held gewesen, nicht besonders frech, nicht besonders brav, nicht besonders mutig, nicht besonders feige. Normal eben.

Auf nur 75 Seiten gelingt es der Autorin, uns zu fesseln und gleichzeitig über die Entwicklung des Kölner Stadtteils Bickendorf zu informieren. Ein kleines Kunstwerk, dafür von hier aus ein recht herzliches „Dankeschön“.

In diesem Büchlein wird immer mal wieder Kölsch gesprochen, aber keine Angst, im Anhang wird alles ins hochdeutsche übersetzt.

Bis auf eines: Lt. Autorin kann man „Quallmänner“ im Garten anbauen. Das ist mir neu.

Ich kann nur „Ädäppele“ (Kartoffeln) anbauen und ernten, in denen ich dann in der Küche „Quallmänner“ (Pellkartoffeln) koche. Da musste ich als bekennender Imi doch grinsen.

Die Autorin:

Eva Janssen wuchs im Kölner Friesenviertel auf, wohnt heute in Köln-Bickendorf. Sie studierte Germanistik und Slawistik in Köln und am Gorki-Institut in Moskau. Heute arbeitet sie als Lehrerin in der Erwachsenenbildung.

"Heimatjahre"

Roman

Huby, Felix

Verlag: FISCHER Taschenbuch

Kartoniert, 480 S., € 10,99

ISBN-13: 978-3-596-29713-9

 

»Heimatjahre«, ein autobiografischer Dorf- und Entwicklungsroman par excellence.

Ein Roman, ganz wie ihn das Leben schreibt: »menschenseelenkundig«.
Und spannend von der ersten bis zur letzten Seite.

Felix Hubys Credo heißt: »Ich schreibe für die Welt, in der ich lebe!« Und entsprechend »lebendig« erzählt er in seinem neuen Roman »Heimatjahre« die Geschichte und die Geschichten des jungen Christian Ebinger, seiner Familie und seiner Nachbarschaft im überschaubaren Kosmos eines schwäbischen Dorfes während der Kriegs- und frühen Nachkriegszeit.

Indem Felix Huby vom Leben Christians und all der Menschen um ihn herum berichtet, erzählt er damit »stellvertretend« drei Jahrzehnte jüngster deutscher Geschichte: wie ein Volk versucht, auf selbst verschuldeten Trümmern ein neues Land aufzubauen. Während sich die Dörfler und ihr Dorf ständig weiter verändern, entwickelt sich auch die Gesellschaft der Bundesrepublik. Immer aber sind wir den Menschen sehr nahe, deren Schicksale sich auf vielfältige Weise miteinander verflechten.

Felix Huby lässt sich beim Erzählen Zeit. Sein Roman strömt dahin wie ein breiter Fluss, bei dem es freilich immer wieder auch überraschende Biegungen und nicht vorherzusehende Stromschnellen gibt – dem man aber folgen will,
bis er mündet.


»Dialoge sind Felix Hubys Stärke. Manchmal genügt ihm ein Satz, um eine Figur zur Person zu machen, und seine Handhabung der Sprache ist dabei unübertroffen.« Die Zeit

Und dieses wunderbare Leseerlebnis geht weiter!

Auch von diesem Buch bin ich restlos begeistert.

Die einzige Frage, die offen bleibt:

Wann folgt der dritte Teil???

Uli Klinger 04.12.2017

"Lehrjahre"

Roman

Huby, Felix

Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag

Gebunden, Mit Lesebändchen, 376 S., € 25,00

ISBN-13: 978-3-86351-420-4

 

»Lehrjahre«: ein autobiografischer Zeitungs- und Entwicklungsroman par excellence.

Christian Ebinger, der junge Held der »Heimatjahre«, wird, gerade 21 Jahre alt, »ins kalte Wasser« geworfen: Nach nur einem Jahr Zeitungsvolontariat bietet ihm sein Verleger an, die verwaiste Stelle des Lokalredakteurs in Blaubeuren auf der Schwäbischen Alb zu übernehmen, eine Kleinstadt mit gerade 10.000 Einwohnern.

 

Seine Aufgaben sind wahrlich vielfältig und umfassen auch Anzeigenannahme, Inkasso – und, ganz wichtig, jeden Morgen um sechs Uhr muss er die neueste Ausgabe der Kreiszeitung ins Schaufenster hängen …

Er trifft auf eine behäbige Stadtgesellschaft, in der Wenige bestimmen, was für die Vielen zu gelten hat, und er begegnet einem Bürgermeister, der seinem Vorgänger in der Redaktion bislang die Artikel in den Block diktierte. Ebinger hat von seinem früheren Chef gelernt, dass ein guter Journalist sich mit keiner Sache gemein macht, auch nicht mit einer guten. So kann er nur anecken. Ebinger macht Fehler. Aber er findet auch Freunde und lernt, seine vielfältigen Aufgaben zu bewältigen. Und er findet Themen, die die Stadt und das Umland aufwühlen.

Felix Hubys »Lehrjahre« erzählen am Beispiel eines durchschnittlichen Gemeinwesens, wie die restaurative Politik der 1960er Jahre eine ganze Gesellschaft lähmte – und wie schwer es in dieser Zeit war, fortschrittliche Gedanken durchzusetzen. Gleichwohl: die Stadt verändert sich – und auch Christian Ebinger wird nach und nach ein anderer. Auch dieses Mal schafft Huby, wie in den »Heimatjahren«, Menschen, denen der Leser ganz nahe kommt.

Das Buch in der Kritik:

»Die ›Lehrjahre‹ sind ein autobiografischer Entwicklungsroman. Und ein Buch über das Zeitungmachen.« Jürgen Kanold, Südwest Presse

»Der Leser erfährt viel über den Schwaben Huby selbst.« Landesschau aktuell

» ›Lehrjahre‹ ist autobiografisch gefärbt, enthält aber auch viel Literarisch-Fiktionales, was den Roman höchst lesenswert macht.« Helmut Pusch, Südwest Presse

»Das lange Warten auf die Fortsetzung hat sich gelohnt - wieder ist Huby ein überzeugender und dabei auch spannender Entwicklungsroman gelungen. Sprachlich herausragend!« Claudia Driesch, ekz Bibliotheksservice

»Felix Huby ist der Geschichtenerzähler par excellence.« SWR Fernsehen

»Seine Literatur spricht in Bildern.« Schwäbisches Tagblatt

»Ein überaus lesenswertes Sittengemälde der Bundesrepublik in den frühen 1960er Jahren.« Badische Neueste Nachrichten

»Felix Huby liefert einen spannenden Rückblick auf die Arbeit in einer Lokalredaktion in den 60er Jahren, als es weder Computer noch Internet gab. (...) Man darf gespannt sein, ob, wann und wie Felix Huby seine Lebensgeschichte weitererzählen wird.« Gaby Weiss, Eßlinger Zeitung

» ›Lehrjahre‹ ist ein ebenso liebenswürdiger wie politischer Entwicklungsroman, stringent und leichtfüßig. (...) Selten hat ein Autor so menschenfreundlich, treffend und höchst spannend über das zweite Drittel des letzten Jahrhunderts geschrieben.« Matthias Kehle, Badisches Tagblatt

»Mit prallen Figuren, launigen Dialogen und munteren Wendungen liefert Huby ein süffiges, sanft parodierendes Portrait eines Provinzkaffs der 1960er.« Armin Knauer, Reutlinger General Anzeiger

»Ein spannender Entwicklungsroman, der Appetit auf mehr macht.« Günther Vasel, Südkurier

"Slumlords"

Carsten Regel + Alexander Broicher

Dittrich-Verlag 2017   18,95€

 

 

 

 

Frankfurt am Main hier und heute: Ronnie hat sein Leben im Griff. Er dealt mit Kokain, ist (zur Tarnung) Mitinhaber einer Cocktailbar, hält sich ansonsten bedeckt und hofft darauf, genug Geld erwirtschaften zu können, um seinen Eltern eine Wohnung ausserhalb des Ghettos finanzieren zu können.

Seine große Chance bietet sich unverhofft als ein alter Freund im Drogenrausch den gewagten Plan ausbrütet, eine Millionärs-Ehefrau zu entführen und sich mit dem Lösegeld aus dem Staub zu machen. Und ab diesem Zeitpunkt geht es drunter und drüber für Ronnie! Nicht nur, dass er unfreiwillig in die Geschichte verwickelt wird, dreht es sich doch bei der Entführten um die Ehefrau eines seiner betuchten Kunden. Darüber hinaus trifft er seine Traumfrau, verfolgt weiterhin beharrlich die "Umsiedlung" seiner Eltern, wird von seinem Kunden als Vermittler für den Entführungsfall engagiert und muss ganz nebenher seinen gewohnten Alltag am Laufen halten, denn die Kundschaft erwartet ihren Dealer stets in Topform.

 

Ein großartiger Krimi, jedes Kapitel eingeleitet durch einen kleinen Einblick ins "big business" der Bankenwelt, eine direkte und packende Sprache... diesem Buch fehlt wirklich nichts, um amüsante Lesestunden zu verbringen! Selten habe ich einen Krimi so genossen wie diesen!

"Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens"

Kriminalroman

Bottini, Oliver

Gebunden, Mit Lesebändchen, 414 S., € 22,00

ISBN-13: 978-3-8321-9776-6

 

Banat/Rumänien 2014: Ioan Cozma hat abgeschlossen mit der Welt. Der Kripo-Kommissar lebt allein, es sind nur noch ein paar Jahre bis zu seiner Pensionierung; wenn er nicht groß auffällt, wird auch niemand in seiner Vergangenheit wühlen. Es ist besser so. Doch die Welt will ihn nicht in Ruhe lassen. Ausgerechnet Cozma wird die Ermittlungsleitung in einem brutalen Mordfall übertragen: Die junge Lisa Marthen, eine Deutsche, wurde erstochen aufgefunden. Ihrem Vater gehört ein landwirtschaftlicher Großbetrieb, und der Verdacht fällt auf einen seiner jungen Feldarbeiter, der in Lisa verliebt war und seit ihrem Tod verschwunden ist. Als eine Spur nach Mecklenburg führt, macht Cozma sich auf den Weg - und muss feststellen, dass er dort nicht der Einzige ist, der für Gerechtigkeit sorgen will ...

Oliver Bottini zeigt, wie sich die radikale Einsamkeit des Menschen durch Gier und Machthunger noch verstärkt. Doch eines bricht sich immer wieder Bahn - der Glaube an etwas Gutes und an Menschlichkeit. Die Spannung zwischen diesen Polen ist es, durch die 'Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens' eine existenzielle Wucht entfaltet.

 

Hintergrund dieser Handlung ist das Landgrabbing, welches gegenwärtig auch in Europa stattfindet.

 

Hintergrundinfos über diese Problematik bietet: http://www.stopp-landgrabbing.de/ , https://bioboden.de/startseite/ ,

https://www.solidarwerkstatt.at/umwelt-energie/landraub-in-osteuropa

Kati Hiekkapelto

"Kolibri"

Thriller

Anna Fekete - Bd.1

Kartoniert, 464 S., € 9,99

ISBN-13: 978-3-453-41912-4

 

Kaum hat Anna Fekete ihre erste Stelle als Kriminalkommissarin angetreten, landet auch schon ein Mordfall auf ihrem Tisch: eine junge Frau, die beim Joggen im Wald auf grauenvolle Weise getötet wurde. Anna nimmt die Ermittlungen auf. Ihr zur Seite gestellt ist Esko Niemi, ein alter Haudegen, der seine junge Kollegin torpediert, wo er kann. Bis ein zweiter Mord geschieht und Esko klar wird, dass sie den Killer nur gemeinsam finden werden. Doch Anna ist bereits auf eigene Faust unterwegs.

 

Endlich wieder ein Krimi, der absolut spitze ist - Unbedingt lesen!!! Uli Klinger 01.11.2017

Maja Lunde

"Die Geschichte der Bienen"

Roman

Gebunden, 512 S., € 20,00

ISBN-13: 978-3-442-75684-1

 

England im Jahr 1852: Der Biologe und Samenhändler William kann seit Wochen das Bett nicht verlassen. Als Forscher sieht er sich gescheitert, sein Mentor Rahm hat sich abgewendet, und das Geschäft liegt brach. Doch dann kommt er auf eine Idee, die alles verändern könnte - die Idee für einen völlig neuartigen Bienenstock.

Ohio, USA im Jahr 2007: Der Imker George arbeitet hart für seinen Traum. Der Hof soll größer werden, sein Sohn Tom eines Tages übernehmen. Tom aber träumt vom Journalismus. Bis eines Tages das Unglaubliche geschieht: Die Bienen verschwinden.

China, im Jahr 2098: Die Arbeiterin Tao bestäubt von Hand Bäume, denn Bienen gibt es längst nicht mehr. Mehr als alles andere wünscht sie sich ein besseres Leben für ihren Sohn Wei-Wen. Als der jedoch einen mysteriösen Unfall hat, steht plötzlich alles auf dem Spiel: das Leben ihres Kindes und die Zukunft der Menschheit.

Wie alles mit allem zusammenhängt: Mitreißend und ergreifend erzählt Maja Lunde von Verlust und Hoffnung, vom Miteinander der Generationen und dem unsichtbaren Band zwischen der Geschichte der Menschen und der Geschichte der Bienen. Sie stellt einige der drängendsten Fragen unserer Zeit: Wie gehen wir um mit der Natur und ihren Geschöpfen? Welche Zukunft hinterlassen wir unseren Kindern? Wofür sind wir bereit zu kämpfen?

"Maiglöckchenweiß"

Ein Fall für Milena Lukin, Roman

Schünemann, Christian & Volic, Jelena

Aus der Reihe:  Milena Lukin - Bd.3

Leinen, 352 S., € 22,00

 

 

Ein Mann ist nach Belgrad zurückgekehrt, um sich seiner Vergangenheit zu stellen: Als Sechzehnjähriger hatte Jurij Pichler zusammen mit seinem Freund Luca im Rausch einen kleinen Roma-Jungen zu Tode geprügelt. Während Luca sieben Jahre Haft verbüßte, wurde Jurij von seinen Eltern außer Landes gebracht. Nun ist er zurück und möchte mit seiner Frau ein normales Leben führen. Anwalt Stojković übernimmt den Fall und rechnet mit einer milden Strafe. Kurz darauf wird Jurij tot am Donauufer aufgefunden. Selbstmord, behauptet die Polizei und schließt die Akten. Unmöglich, entgegnet sein Anwalt und beginnt, zusammen mit Milena Lukin zu recherchieren. Wer ist hier Opfer, wer Täter? Eine späte Rache der Roma-Angehörigen? Und warum wollte Jurij seinen alten Kumpan Luca, inzwischen ein erfolgreicher Geschäftsmann, kurz vor seinem Tod wiedersehen? Und da ist noch ein rätselhaftes Indiz. Auch es weist in die Vergangenheit, allerdings in die eines ganzen Landes, das durch einen Mord einen großen Hoffnungsträger verlor.

 

Wieder mal ein Krimi der Spitzenklasse von diesen Autorenduo. Hervorragend!!! Uli Klinger 10.10.2017

 

"Die Fassadendiebe"

John Freeman Gill

Berlin-Verlag 2017   24,-€

 

 

 

 

Auch weil um ihn herum alles zu bröckeln beginnt - seine Familie, genau wie seine Stadt - hilft der dreizehnjährige Griffin seinem Vater bei dessen Mission als "Gebäuderetter". Der schmale, wendige Junge bekommt die Aufgabe, möglichst viele steinerne Art-Deco-Skulpturen und Wasserspeier zu stehlen, ganz gleich ob von der Fassade eines unbekannten Mietshauses oder eines berühmten Wolkenkratzers. Denn - so der Vater - diese Zeugen Manhattans sind in Zeiten der "Sanierung" vom Aussterben bedroht. Auf ihren Touren kann Griffin dem Vater nah sein, und gleichzeitig das dringend benötigte Geld für die Hypothekenraten verdienen, damit er, seine Mutter und seine Schwester nicht aus ihrem Haus geworfen werden. Doch der Spleen seines Vaters wird zur Obsession; Griffins Freundschaften, seine erste Liebe drohen zu zerbrechen. Als er bei einem der nächtlichen Raubzüge in Lebensgefahr gerät, beginnt Griffin zu verstehen, dass man nicht alles im Leben bewahren kann.

 

Und damit ist diese Geschichte noch nicht zu Ende, denn Griffin erzählt erst viele Jahre später von dieser Zeit, in der seine Eltern sich trennten und er beinahe beide verloren hätte... und zieht die Konsequenzen aus dem Erlebten!

In seiner frischen und direkten Art, diesen "Entwicklungsroman" zu erzählen, ist die Lektüre auch durchaus schon für Jugendliche zu empfehlen... es lohnt sich jedenfalls in jedem Alter!

"Frei und gleich geboren"

Jean-Marc Fiess

Fischer Sauerländer 2017    15,-€

 

 

 

 

Täglich werden überall auf der Welt die Menschenrechte verletzt. Noch immer nicht werden die Menschen auf den unterschiedlichsten Kontinenten gleich behandelt, noch immer nicht können sie sich frei bewegen, noch immer sind Menschen auf der Flucht vor Diktaturen und Krieg. Und immer sind wir schnell dabei, die Gültigkeit dieser Rechte aus opportunistischen und egoistischen Gründen infrage zu stellen. Dieses aufwendig gestaltete Pop-up Buch greift in atemberaubenden 3D-Szenen die wichtigsten Artikel der Deklaration der Menschenrechte von 1948 auf und führt dem Betrachter ihre fundamentale Bedeutung für alle Menschen auf der ganzen Welt vor Augen. Sie machen ihnen das Schicksal vieler bedrückend klar. Alle 30 Artikel der Menschenrechtserklärung sind im Wortlaut am Ende des Buches aufgeführt.

 

Dem ist nichts hinzuzufügen- ein Hingucker, ein Denk-mal im Wortsinne, ein must-have, eine stete Erinnerung daran, dass es fest verankerte Rechte gibt, die für jeden gelten sollten- und dass wir alle Teil daran haben, sie einzuhalten!!!

"Mein Hund ist Rassist"

Audren

Little Tiger 2017    9,90€

 

 

 

 

An einem Sonntag entdeckt der 10-jährige Maël vor der Wohnungstür einen niedlichen, kleinen weißen Hund. Als der Besitzer nach intensiver Suche im ganzen Haus nicht zu ermitteln ist, darf Maël den Hund behalten. Er nennt ihn Miezi.
Doch Miezi zeigt bisweilen ein seltsames Verhalten: In Gegenwart bestimmter Personen knurrt, bellt und beißt er. Für den Nachbarjungen Laurent ist der Fall eindeutig: Mizie ist Rassist! Maël und seine Eltern sind schockiert, dann beschämt und empört. Und Maël stellt sich eine ganze Reihe von Fragen: Darf er seinen Hund noch lieben? Kann man gleichzeitig klug, nett und rassistisch sein? Kann man es sich abgewöhnen, rassistisch zu sein? Und wie kann man seinen Schulkameraden erklären, dass nur der eigene Hund, nicht aber man selbst Rassist ist?
Als Maëls Tante mit ihrer Familie von den Antillen anreist, droht Miezis Verhalten zu einem familiären Eklat zu führen. Glücklicherweise rettet Maëls Freundin Emma die Situation ...

 

Ausgezeichnet mit dem Prix jeunesse des libraires du Québec.

 

Und glücklicherweise ist diese Geschichte- lehrreich und wahrhaftig und voller wichtiger Fragen mit wichtigen und liebevollen Antwortversuchen- ein Kinderbuch. Es gibt also so etwas wie ein Happy End :-) Und das schadet nicht, sondern hilft ganz im Gegenteil: nicht die Hoffnung verlieren! Gerade nach unseren Wahlergebnissen wichtiger denn je!!!

 

"Outside the lines"

Roman

Patel, Ameera

Gebunden, 264 S., € 24,00

 

Noch immer leben die Josephs im reichen Norden von Johannesburg in ihrem noblen Haus. Doch alle spüren deutlich: die guten Zeiten der Familie sind vorbei. Seit dem Tod von Franks Frau, der Mutter von Cathleen und James, fällt auseinander, was sie zusammengehalten hat.

Daran kann auch Flora nichts ändern die charakterfeste und warmherzige Haushälterin der Josephs. Sie hat versucht, den Verlust aufzufangen, doch Cathleen ist ihrem Einfluss längst entglitten. Das Mädchen treibt durch die Bars der Stadt, immer auf Koks. Ihr Vater ahnt nichts davon, er steckt allzu tief in eigenen Problemen.
Jetzt ist auch Flora in Aufruhr. Sie, Mutter eines fast erwachsenen Sohnes, hat sich verliebt in den stummen Runyararo, einen Simbabwer, der als Handwerker im Haus arbeitet. Doch als Cathleen gekidnappt und das Haus ausgeraubt wird, gerät alles ins Wanken und Flora muss das Leben ihrer eigenen Familie in neue Bahnen lenken.

Ameera Patel erzählt eine Geschichte zwischen Familiendrama und Thriller aus der Perspektive von fünf Personen verschiedener Generationen und sozialer Gruppen. Damit lotet sie ihre Figuren geschickt bis in die Tiefe aus und zeichnet ein vitales Bild der Gesellschaft Südafrikas.

 

Tolle Schreibe, prima Story, LESEN!!! Uli Klinger 24.09.2017

Endlich ist er da. Der 2. Band von Carla Bellings Serie rund um die Reporterin Ira Wittekind!

 

Ein malerischer Sommerabend auf dem Land. Als die Lokalreporterin Ira Wittekind zur brennenden Friedhofskapelle in Rehme gerufen wird, findet sie ein schauriges Szenario vor: In der Ruine steht ein Rollstuhl vor dem Altar, der Mann darin ist tot. Es handelt sich um den angesehenen Apotheker Ludwig Hahnwald, allen bekannt als der schöne Ludwig. Ira Wittekind beginnt zu recherchieren. Dabei stößt sie auf ein dichtes Geflecht aus Lügen, Intrigen und verratener Liebe. Und auf ein grauenhaftes Unrecht, das vor vielen Jahren begangen und nie gerächt wurde.

 

Es lohnt sich! Uli Klinger 24.09.2014

"Die große Rentenlüge"

Warum eine gute und bezahlbare Alterssicherung für alle möglich ist

Balodis, Holger / Hühne, Dagmar

Kartoniert, 208 S., € 18,00

 

Eine gute Rente für alle ist machbar - gerecht und bezahlbar!
Rund die Hälfte der heute Erwerbstätigen ist im Alter akut von Altersarmut bedroht. Das ist die unmittelbare Folge eines politisch gewollten Zerstörungsprozesses, sagen die Bestseller-Autoren Holger Balodis und Dagmar Hühne. In ihrem neuen Buch fordern sie einen radikalen Kurswechsel in der Altersversorgung und deutlich mehr Geld für alle Rentner. Und sie zeigen auch, wie es geht: Weg mit der Riester-Rente und dem Popanz des Drei-Säulen-Modells. Statt die Finanzwirtschaft zu subventionieren, muss sich Altersvorsorge auf den Kern konzentrieren: die gesetzliche Rente. Die ist sicher, krisenfest und preiswert. Und sie kann deutlich höher ausfallen, wenn endlich alle einzahlen - auch Politiker, Beamte und Topmanager.
Eine gute Rente für alle ist machbar - gerecht und bezahlbar!

 

Ich habe selten ein so informatives und dabei kurzweiliges Buch über dieses Thema gelesen. Nur zu empfehlen!!! Uli Klinger 13.09.2017

"Die goldene Stadt"

Sabrina Janesch

Rowohlt 2017    22,95€

 

 

 

 

Peru, 1887. Das ganze Land redet nur von einem Mann - und seiner großen Entdeckung: Augusto Berns will die verlorene Stadt der Inka gefunden haben. Das Medienecho reicht von Lima bis London und New York. Doch wer ist der Mann, der vielleicht El Dorado entdeckt hat? Alles beginnt mit einem Jungen, der am Rhein Gold wäscht und sich in erträumten Welten verliert, der später in Berlin den glühend verehrten Alexander von Humboldt befragt, um bald darauf einen Entschluss zu fassen: Er, Berns, will die goldene Stadt finden. Berns wagt die Überfahrt nach Peru, wo er eher zufällig zum Helden im Spanisch-Südamerikanischen Krieg wird, dann als Ingenieur der Eisenbahn Mittel für seine Expedition sammelt. Mit dem Amerikaner Harry Singer besteigt er die Höhen der Anden und schlägt sich durch tiefsten Dschungel - um schließlich an einen Ort zu gelangen, der phantastischer ist als alles, was er sich je vorgestellt hat.

 

Erst seit kurzem weiß man, dass das sagenumwobene Machu Picchu in Peru von einem Deutschen entdeckt wurde. Sabrina Janesch hat sich auf die Spuren des vergessenen Entdeckers begeben und erzählt seine aufregende Geschichte. Ein Roman von großer literarischer Kraft, der uns in eine exotische Welt eintauchen lässt - und zeigt, was es bedeutet, für einen Traum zu leben.

 

Sagenhaft in einem Wort- fesselnde Lektüre zum abtauchen, nicht nur für Südamerika-Fans! Diese wahre Geschichte, angereichert mit den Ideen der Autorin, packt einen und lässt nicht mehr los!

"Bella ciao"

Roman

Diether Dehm

Kartoniert, 397 S., € 16,99

 

Dies ist die Geschichte des unbekannten Dichters eines weltbekannten Liedes. Sie handelt von der Freundschaft zweier Jungen, die auseinanderbricht, als beide, von der Suche nach Gerechtigkeit getrieben, entgegengesetzte Wege einschlagen: der eine, Attila, geht zu den Schwarzhemden und lässt sich bedenkenlos auf die faschistischen Ideen ein; der andere, Renzo, schlägt sich auf die Seite der Partisanen im Ossola-Tal, vereint zwar mit ihnen im Kampf gegen die Faschisten, aber misstrauisch beäugt wegen seiner Auffassungen darüber, wie es weitergehen soll in Italien nach dem Sieg. Im tödlichen Kampf treffen Renzo und Attila aufeinander. Italien wird blutig befreit. Von den Opfern, die der Kampf forderte, erzählt auch Renzos Lied „Bella ciao“.

 

Der Autor: Diether Dehm, geboren 1950 in Frankfurt am Main, ist seit 2009 Bundestagsabgeordneter der Partei DIE LINKE und Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Linker UnternehmerInnen.

Dehm verfasst Sachbücher und ist außerdem Liedermacher, Musikproduzent und Autor von Unterhaltungs- und Satire-Sendungen des deutschen Fernsehens.

"Die Kunst, einen Schwarzen zu lieben ohne zu ermüden"

Dany Lafferrière

Roman

140 Seiten, gebunden, € 19,80

 

Es geht um das Begehren zwischen Schwarz und Weiß, auf allen Beziehungsebenen, auf denen Stereotypen zwischen den Rassen wirksam werden.

Anfang der 1980er Jahre in Montreal:

Zwei arbeitslose schwarze Migranten hausen zusammen in einer versifften Einzimmerwohnung in der Rue Saint-Denis, mitten in der Altstadt. Der eine liegt auf der Couch, hört den ganzen Tag Jazz, liest im Koran und zitiert Freud. Der andere schreibt auf dem ihm einzig wichtigen Besitz, seiner Remington 22 – das nächtliche Klappern der Tastatur weckt die Neugier der weißen Studentinnen der angesehenen McGill-Universität. Welcher Entgrenzungswunsch ist es, der aus den bildungshungrigen Bürgertöchtern Dauergäste in der Bude der Habenichtse macht? Für die beiden Freunde ist jede eine »Miz«, Miz Literatur, Miz Snob, Miz Sophisticated Lady, Miz Suizid … und aus dem Versuch, sich einen Reim darauf zu machen – unter Befragung der literarischen Tradition jeglicher Couleur –, wächst der Roman in einer souveränen, gewitzten Sprache, wird aus dem exotischen Lover ein Autor. Sein erster Roman hat Dany Laferrière 1986 mit einem Schlag im gesamten französischsprachigen Raum berühmt gemacht und wurde 1989 verfilmt.

Nichts für prüde Seelen! Für alle anderen: Pflichtlektüre!!!

Uli Klinger 07.09.2017

Dany Laferrière, geboren 1953 in Port-au-Prince, Haiti, arbeitete zunächst als Journalist bis er sich unter dem Druck des politisch repressiven Klimas 1976 gezwungen sah, nach Montréal ins Exil zu gehen. 1985 veröffentlichte er seinen ersten Roman unter dem provokativen Titel Comment faire l‘amour avec un nègre sans se fatiguer, der ihn als Autor unmittelbar bekannt machte. Er wurde mit dem Prix Carbet de la Caraïbe und dem Buchpreis des französischen Auslandsrundfunks ausgezeichnet. Für seinen Roman L’énigme du retour (Das Rätsel der Rückkehr) erhielt er 2009 den prestigeträchtigen Prix Médicis. Das Rätsel der Rückkehr ist seine erste Veröffentlichung im deutschen Sprachraum. Der Autor lebt in Montréal und Miami. Seit 2014 ist er Mitglied der Académie française. 2014 bekam er gemeinsam mit seiner Übersetzerin Beate Thill den renommierten, vom Haus der Kulturen der Welt in Berlin vergebenen, Internationalen Literaturpreis.

„Das Dorf“

Katrin Seddig

Verlag: Rowohlt, Berlin, Gebunden, 304 S., € 22,95

 

Da ist er wieder: Der typische Seddig-Sound. Den ich so liebe, seitdem ich die ersten Zeilen dieser in Hamburg lebenden Schriftstellerin gelesen habe. Dies begann 2010 mit „Runterkommen“, setzte sich 2012 mit „Eheroman“ fort und endete 2015 vorläufig mit „Eine Nacht und alles“.

Und nun, 2017, „Das Dorf“. In dem alles anders ist. Keine Großstadt, keine Erwachsenenprobleme (zumindest am Anfang), sondern, wie schon der Titel verrät: Dorfleben.

Die Handlung ist recht einfach beschrieben: Die 12jährige Jenny freundet sich mit dem 17jährigen Maik an, der sie anfangs widerstrebend auf seine Ausflüge mit dem Moped mitnimmt. Beide leben auf dem Dorf und sind die einzigen Jugendlichen weit und breit. Nun, also eine typische Liebesgeschichte, könnte man/frau denken. Aber weit gefehlt. Seddig nimmt uns auf eine ganz andere Reise mit. Denn die beiden entdecken die Wahrheit hinter der Wahrheit des anscheinend so geordneten Zusammenlebens in diesem überschaubaren Kosmos. Sie stoßen auf ein Dickicht von Lügen, Sehnsüchten, sexuellen Wünschen und sonstigen Geheimnissen. Und es gibt vorerst für die beiden kein Entkommen aus dieser Welt.

Was Katrin Seddig auszeichnet, ist ihr genauer Blick auf die Personen, die Lebensumstände, die geheimen Wünsche. Sie liebt ihre Figuren, sie respektiert sie – und schildert sie doch so genau, dass es einem manchmal kalt den Rücken runterläuft. Hervorragend, ich kann Ihnen diesen Roman nur ans Herz legen. Für mich schon jetzt eines meiner Lieblingsbücher des Jahren 2017!

Die schönste Stelle im Buch: „Wenn man will, dann ist man schön, denkt Jenny. Aber wenn die Mutter es nun mal nicht will, dann ist es eben so. Man kann nicht viel machen, wenn die Menschen nicht wollen. Sie selbst will. Jenny will schön sein. Sie will tanzen, will sich verlieben, in die großen Städte gehen, in fremde Länder, sie will alles sehen, …“

Uli Klinger 31.08.2017

"Aquila"

Ursula Poznanski

Loewe-Verlag 14.8.2017   16,95€

 

 

 

 

 

Ohne Erinnerung an die letzten zwei Tage erwacht Nika in ihrer WG in Siena . Sie vermisst ihr Handy, ihre Schlüssel und ihren Pass. Und ihre Mitbewohnerin Jennifer ist ebenfalls verschwunden. Dafür steckt in Nikas Hosentasche ein Zettel mit mysteriösen Botschaften und Anweisungen.

"Das Blut ist nicht deines.
Du weißt, wo das Wasser am dunkelsten ist.
Halte dich fern von Adler und Einhorn."

Welchen Sinn soll das ergeben? Und was, zum Teufel, ist geschehen zwischen Samstagabend und Dienstagmorgen?

 

Zu meinem großem Entzücken kann ich hier das neueste megaspannende und perfekt strukturierte Werk meiner langjährigen Lieblingsautorin präsentieren, das wir selbstverständlich ab dem 14.8. auch hier in der Buchhandlung haben werden :-)

Alle, die schon Thriller/Krimis von ihr gelesen haben, dürfen sich freuen, es ist wieder mal rundum gelungen- und alle, die das Vergnügen noch nicht hatten, können jetzt die Ferien nutzen und sich ein paar Stunden weglesen in ein Siena voller Geheimnisse und in das Leben einer deutschen Studentin im Auslandssemester, die nicht nur mit einem Blackout von über 2 Tagen konfrontiert ist, sondern auch unter Mordverdacht gerät- und wem kann Nica eigentlich noch trauen? Dem Freund ihrer verschwundenen Mitbewohnerin? Der deutschen Studentin Amelie, die ihr Unterschlupf in ihrer WG anbietet? Oder dem hilfsbereiten Stefano, der ihr nicht nur mit seinen Sprachkenntnissen zur Seite steht?...

 

Ein wunderbares Verwirrspiel mit falschen Fährten und nebulösen Hinweisen in bester Poznanski-Manier! Nicht nur für Jugendliche lesenswert!

 

"White Tears"

Hari Kunzru

Liebeskind-Verlag 2017    22,-€

 

 

 

 

Es ist eine Geistergeschichte, eine Rachegeschichte, ein Labyrinth von Heute und Damals, in dem der Leser sich mit dem Protagonisten Seth verirrt. Es gibt kein Entkommen, kein klares Ziel- bis alles so geschehen ist, wie es sollte…

 

Seth und Carter, zwei junge Musikproduzenten aus New York, stolpern zufällig über einen Bluessong, wie es ihn noch nie gegeben hat. Während Seth sehr bald eine instinktive Abneigung vor diesem Stück entwickelt, ist sein wohlhabender Freund Carter völlig besessen davon. Er stellt es ins Internet, gibt einen erdachten Charlie Shaw von 1928 als Interpreten an- und die Sache explodiert! Sammler bestürmen die beiden nach weiteren Informationen, Kaufangebote für die vermeintliche Platte türmen sich- und ein Schreiber behauptet gar, Charlie Shaw und dieses Lied haben wirklich existiert und er müsse dringend und unbedingt Kontakt mit ihnen aufnehmen!

Als kurz darauf Carter von Unbekannten ins Koma geprügelt wird und Seth immer deutlicher spürt, dass sie mit dieser Geschichte die sprichwörtlichen Tore zur Hölle aufgestoßen haben, macht er sich auf den Weg in den Süden der USA, dort, wo der Blues seine Heimat hat- und wo Charlie Shaw gelebt haben soll.

Aber ist es nicht schon längst zu spät für ihn?

 

Beginnend im Hier und Heute gleitet die extrem dichte Story immer mehr in (alb)traumähnliche  Sequenzen ab, in denen Seth in zunehmender zeitlicher und personeller Verwirrung Charlie Shaw und seinem Blues nachjagt. Wenn der Leser, zeitgleich mit ihm, erkennt wie die ganze Sache enden wird, ist es zu spät. Alles geschieht, wie es soll. Die Hölle bricht los und Charlie Shaw taucht wieder auf- für kurze Zeit…

"Pssst!"

Annette Herzog / Katrine Clante

Peter Hammer Verlag   14,-€

 

 

 

Viola - nicht mehr Kind und doch noch nicht erwachsen - stellt sich all die großen und kleinen Fragen des Lebens. In ihren Gedanken und Gefühlen geht es um Freundschaft und die Angst, ausgeschlossen zu sein. Um den Ärger mit der Familie und die Liebe und den Rückhalt, den sie gibt. Um Jungs, Aussehen und Anerkennung, um Erfolge und Rückschläge. Um das Woher und das Wohin, um Leben und Tod. Und immer wieder um die Frage: Wer bin ich eigentlich? In 12 Episoden und einem einzigartigen Zusammenspiel von Texten und Bildern gelingt es Autorin und Illustratorin, den ganzen Kosmos des jungen Mädchens zu entfalten. Das geschieht mit großer stilistischer und gestalterischer Vielfalt. Seiten wie eine Pinnwand mit alten Fotos und abgeschnittener Haarlocke, mit gekritzelten Notizen und romantischen Glanzbildern machen Violas Mädchenwelt greifbar. Comic-Panels beobachten sie in ihrem Alltag, ein Schulaufsatz und Tagebucheinträge lassen ihre Gedanken lesen. Ob kindlich naiv oder philosophisch klug - Violas Gedanken und Gefühle sind so tief empfunden und aufwühlend wie diese Zeit des Coming-of-Age. Ein beglückendes Buch!
Wer bin ich eigentlich? Ein hinreißend poetisches Tagebuch im Comicstil.

 

 

Und auch dieser großartige Titel aus unserem langjährigen Lieblingsverlag ist nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis. Wohlverdient!

Unwiderstehlich: Die Seiten 24 und 25! Einfach mal reinblättern...

 

 

Hochaktuell - Soeben erschienen!

 

"Schwarzbuch AfD"

 

Wir erklären in unserem "Schwarzbuch AfD" die Geschichte der rechten Populisten, erläutern ihre soziale Basis, zeigen ihre Köpfe, und was sie sagen, klären über die Finanziers der Populisten, ihre völkische Ideologie, ihre Unterstützer und die Medien der Neuen Rechten auf. Als Bonus machen wir einen Faktencheck der Themen der AfD.

 

Wir, das heißt hier "CORRECTIV".

Um Missstände aufzudecken und unsere Demokratie nachhaltig zu schützen, braucht es investigative Journalisten, die gründlich nachhaken, oft jahrelang an einem Thema arbeiten und regelmäßig dazu publizieren. Dazu braucht es aber auch interessierte sowie informierte Bürgerinnen und Bürger, die Aufklärung einfordern.

Das Kapitel 10 - "Faktencheck" - ist eine Koperation von CORRECTIV mit dem Institut für Jounalistik der TU Dortmund.

Weitere Infos: www.correctiv.org

"Vor ihren Augen sahen sie Gott"

Zora Neale Hurston

editionfünf   € 19,90

 

 

Ein neu übersetzter Klassiker, den die Autorin in einem siebenwöchigen Schaffensrausch während eines Haiti-Aufenthaltes schrieb...

 

Janie wird von ihrer Großmutter aufgezogen, die sich für ihre Enkelin nichts sehnlicher wünscht als ein komfortables Leben "wie eine Weiße". Verständlich, ist sie selber doch noch in der Sklaverei aufgewachsen und jetzt zu alt, um die Freiheit wirklich auskosten zu können. So wird Janie zügig mit einem älteren Mann verheiratet, läuft diesem mit dem tatendurstigen Joe Starks davon, an dessen Seite sie das kleine Farbigenstädtchen Eatonville auf den Weg zu einer wohlhabenden Gemeinde führt. Nach Starks Tod verliebt sie sich- das erste Mal im Leben- in den 20 Jahre jüngeren Tea Cake, der als Wanderarbeiter und Glücksspieler durchs Land zieht. Mit ihm geht Janie auf Wanderschaft und verlebt glückliche Jahre auf Plantagen in Gesellschaft der Wanderarbeiter und ihrer Familien. Nach einem Hurrikan endet die glückliche Zeit und Janie kehrt zurück nach Eatonville, wo sie ihrer Freundin Pheoby die Geschichte ihres Lebens und ihrer großen Liebe erzählt.

 

Diese Geschichte nimmt einen mit und lässt nicht mehr los, man ist ganz tief drin in dem Leben der Farbigen kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, man hört das Singen, genießt die fabelhafte Übersetzung des Slangs, den sie sprechen, sieht es immer wieder vor sich, dieses harte und schwierige Leben. Zum abtauchen und schwelgen!

 

 

Der Block

Jerome Leroy

Nautilus-Verlag 19,90€

 

 

 "Der Block" beschreibt ein erschreckendes Szenario, das immer wahrscheinlicher wird - und wie es dazu kommen konnte.Blutige Aufstände in den französischen Vorstädten, die Zahl der Toten steigt unaufhörlich. Die Partei der äußersten Rechten - der Patriotische Block - steht kurz vor dem Einzug in die Regierung. In dieser Nacht kann das Schicksal Frankreichs kippen, und sie ist für drei Menschen der Höhepunkt einer 25-jährigen Geschichte aus Gewalt, Geheimnissen und Manipulation.Agnès führt als Parteivorsitzende die Verhandlungen. Ihr Ehemann Antoine wartet in seiner luxuriösen Pariser Wohnung auf das Ergebnis, Stanko, der Chef des paramilitärischen Ordnerdienstes der Partei, versteckt sich in einem schäbigen Hotelzimmer. Antoine ist morgen vielleicht Staatssekretär - Stanko jedenfalls soll morgen tot sein.Ein Vierteljahrhundert lang waren die beiden wie Brüder. Ein Vierteljahrhundert lang waren sie bei allen Aktionen dabei, die den Patriotischen Block an die Macht gebracht haben. Ein Vierteljahrhundert lang sind sie vor nichts zurückgeschreckt. Sie haben dieses Leben geliebt, und sie bereuen nichts.Jérôme Leroy legt mit "Der Block" eine atemberaubende Milieustudie vor; eine Innenansicht der Strömungen, die sich in der extremen Rechten verbünden. Ein hochaktueller und literarischer Thriller aus einem Milieu, das unter Hochdruck steht - nicht nur in Frankreich.

 

 

Ich bin nun wirklich kein politischer Mensch- aber diese Geschichte, in der "einfach" zwei Männer ihr Leben erzählen, abwechselnd, stückchenweise, immer wieder ineinandergreifend, die Politik einfach als begleitender Aspekt dabei- das packt und man liest einfach immer weiter! Bis man merkt, wie dicht diese Erzählungen an unserer Realität sind- und man sich erschreckt...

Ein Roman über die Macht und den Nachhall einer rauschhaften Begegnung.

Ein packender Rundumblick auf die 68er und ihre Kinder – und die Liebenswürdigkeit der Gestrauchelten.

Am Anfang steht der dunkle, ganz rätselhafte Suizid des renommierten Psychiaters Klaus Maiwald. Der Jugendfreund seiner Tochter, András, ein Journalist, spürt den Hintergründen nach und stößt dabei auf eine Reihe enttäuschter Frauen. Insgeheim hofft er endlich auch zu erfahren, weshalb ihn seine Freundin vor sechzehn Jahren verlassen hat. Vor ihrem Verschwinden. Die Recherchen werden zur Reise in die Vergangenheit, bei der urplötzlich auch seine eigene Lebensgeschichte ins Wanken gerät.

»Maiwald« spielt im Medienmilieu nach der Jahrtausendwende, mit Rückblenden in die Protest- und Besetzerjahre der späten Sechziger und Achtziger.

Ein ganz wunderbarer Roman. Manfred Zach (Autor des Politromans "Monrepos oder Die Kälte der Macht) hat recht mit seiner Einschätzung: "Ein Buch, das unter die Haut geht. Spannend wie ein Krimi und messerscharf in der Analyse menschlicher Abgründe."

U.K. 30.03.2017

Sie müsssen den Helden nicht mögen - aber Sie sollten diesen Krimi lesen:

"Mein Name ist Ruben Rubeck. Ich bin siebenundvierzig, sehe aus wie siebenundfünfzig und fühle mich manchmal wie siebenundachtzig. Geschieden, kinderlos und Kriminalkommissar, was in meinem Alter ein lächerlich niedriger Dienstgrad ist, aber das geht mir am Arsch vorbei. Ich komme zurecht. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist mein Revier. Viele denken, ich würde da wohnen, weil es bei mir für mehr nicht reicht, weil ich mich im Dreck wohlfühle und mit meinem Gesicht sowieso nirgends sonst in Frankfurt eine Wohnung bekäme, aber das stimmt nicht. Ich hab's einfach gerne nah zur Arbeit."

 

Gregor Weber legt hier einen Krimi vor, der alles hat, was man erwartet. Spannende Handlung, tolle Charaktäre und einen richtig guten Plot.

U.K.

Der Club

Takis Würger

Kein&Aber-Verlag   22,-€

 

 

 

Hans Stichler stammt aus einfachen Verhältnissen. Als ihm seine einzige Verwandte ein Stipendium für die Universität in Cambridge vermittelt und er als Gegenleistung dort ein Verbrechen aufklären soll, weiß er noch nicht, worauf er sich einlässt. Er schafft es, Mitglied im elitären Pitt Club zu werden, und verliebt sich in Charlotte, die ihn in die Bräuche der Snobs einweiht. Schon bald muss er feststellen: Vor der Kulisse alter Chesterfield-Sessel, kristallener Kronleuchter, Intarsienmöbel und Tiertrophäen ereignen sich Dinge, über die keiner spricht. Und auch Charlotte scheint etwas zu verbergen. Hinter den schweren Türen des legendären Pitt Clubs wird Hans vor die Wahl gestellt, ob er das Falsche tun soll, um das Richtige zu erreichen.Eine raffinierte Kombination aus berührender Liebesgeschichte, Entwicklungsroman und spannungsreicher Ermittlung eines Verbrechens in einem hermetisch geschlossenen Kreis.

 

Grandios und aus verschiedenen Perspektiven erzählt ist dieses kleine Schmuckstück ein Genuss in jeder Hinsicht: handlich, wunderschön gemacht, tolle Geschichte... LOHNT SICH!

Alles bleibt in der Familie

Roman  24,-€

Schwartz, Lynne Sharon

 

 

 

Eine Großfamilie in der New Yorker Upper West Side. Roy, ein Psychotherapeut, und seine erste Frau, Bea, eine Gastronomin, leben zusammen mit ihren vier Kindern und deren Partnern und Geliebten, Roys weiteren zwei Ehefrauen, Beas Liebhaber, ihrer lesbischen Künstlerinnenschwester sowie ihrer nervtötenden Mutter in einem einzige Mehrfamilienhaus. Da ist wenig Platz für alle - und doch genug Raum für Missverständnisse, schlechte Gefühle, aber auch unerwartete Freude. Ein scharfsinniges Buch über eine moderne Familie und der lustigste Roman dieser großen Autorin.Ein umwerfender Roman, der aufzeigt, dass Familie ein weitverzweigtes, kunterbuntes Geflecht sein kann. Lynne Sharon Schwartz ist eine Meisterin der genauen Beobachtung mit einem unnachahmlichen Talent für die liebenswerte Figuren

 

Ein Schmöker, eine Familiengeschichte, ein Lebensentwurf- Spass, Charme, schräge Ideen und eine Liebeserklärung an die Offenheit, alles in einem Buch, das für meinen Geschmack auch noch mal weitere 400 Seiten hätte haben dürfen...

Katakomben der Seele

Eine Reportage über Westdeutschlands Vertriebenen- und Flüchtlingsproblem 1950

Erstpublikation aus dem Nachlass
64 Seiten, gebunden
17,80 EUR

 

Ré Soupault verfasste 1950 ihre letzte Fotoreportage - in den 1930er/40er Jahren hatte sie für französische Zeitungen Bildreportagen gemacht - unter dem Titel “Westdeutschlands Vertriebenen- und Flüchtlingsproblem”.

Seit 1928 in Frankreich lebend, war sie 1938 mit ihrem Mann Philippe Soupault nach Tunis gekommen. Von dort konnten beide im November 1942 vor General Rommels Nazitruppen, die schon den Flugplatz von Tunis bombardierten, in letzter Sekunde mit dem letzten Autobus, der Tunis verließ, fliehen. Ré und Philippe erreichten Algerien, von dort gelangten sie später über Marokko in die USA. Nach Kriegsende lebte Ré Soupault in New York und verdiente ihr Leben mit Zeichnungen und Reiseberichten. Nach ihrer Rückkehr aus New York lebte sie ab 1948 in der Schweiz und arbeitete als Übersetzerin und Journalistin. Unter großen Schwierigkeiten erstand sie Ende der 1940er Jahre auf dem Schwarzmarkt in Berlin für 25 Stangen amerikanischer Zigaretten eine Rolleiflex-Kamera 6x6, da sie bei ihrer Flucht aus Tunis ihre gesamte Fotoausrüstung zurücklassen musste. Im September 1950 reiste sie nach Schleswig-Holstein, Niedersachsen und nach Bayern, um sich einen Überblick über die Situation von Flüchtlingen und Vertriebenen zu verschaffen. Sie besuchte u.a. die Flüchtlingslager Friedland, Dachau und Geretsried und führte Gespräche mit den Verantwortlichen der Lager, mit Politikern und mit vielen Flüchtlingen und Vertriebenen. Sie beschreibt die erschütternden Zustände in Massenunterkünften, berichtet über neue Flüchtlingssiedlungen, schreibt über Verlust der Heimat und die Hoffnungen für einen Neuanfang. Berichtet über die am Tag der Heimat 1950 verkündete “Charta der deutschen Heimatvertrieben” und über die Wahlerfolge der Partei BHE (Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten). Wer heute diese Reportage liest, kann dieses Urteil nur teilen. Ré Soupaults Text ist von besonderer Klarheit, an Fakten orientiert und gleichzeitig ein bewegendes Zeit-Zeugnis einer Frau, die 1928 Deutschland verlassen hatte und danach nur noch für kurze Besuche dorthin zurückkehren wird. Ihre Fotografien schließen an ihr großes fotografische Werk aus den 1930/40 Jahren an. Und ihr Text ist erschreckend aktuell im Vergleich zu den heutigen Reportagen über das Schicksal der Flüchtlinge aus Afrika und Syrien.

"Das Recht des Geldes"

Dahlmann, Olaf R.

Tb., 384 S., € 12,00

 

"Wirtschaftskrimi" - Das klingt auf den ersten Blick nach trockener Lektüre. Wie es anders geht, zeigt uns Olaf R. Dahlmann in seinem ersten Krimi.

 

 

Sie will nur ihren Job machen.
Doch sie soll eine Marionette sein.
Also beginnt sie ihr eigenes Spiel …

 

Ein ermordeter Anwalt in Liechtenstein, verschwundene Steuerdaten und ein handlungsunfähiger Chef: Katharina Tenzer absolviert ihr Referendariat in der angesehenen Hamburger Kanzlei Friedemann Hausner und soll unverhofft die Unternehmerfamilie Koppersberg gegenüber der Steuerfahndung vertreten. Doch Hausner sagt seiner jungen Mitarbeiterin nicht alles.
Als Katharina begreift, worum es wirklich geht, ist es schon zu spät. Längst verfügt sie über Wissen, das sie eigentlich nicht verheimlichen darf. Und das sie zum nächsten Ziel des Mörders macht …

Der Handel mit Steuerdaten, riskante Selbstanzeigen und die Folgen:
hochspannend, topaktuell, von einem Insider geschrieben

Olaf R. Dahlmann

lebt in Großhansdorf, ist seit über fünfundzwanzig Jahren als freiberuflicher Rechtsanwalt tätig und Seniorpartner einer Rechtsanwalts- und Steuerberatungsgesellschaft. Aufgrund seiner frühzeitigen Spezialisierung auf das Steuerstrafrecht ist er mittlerweile einer der erfahrensten Hamburger Anwälte auf diesem Gebiet. In seinen Debütroman "Das Recht des Geldes" sind Geschehnisse aus wahren Fällen eingeflossen.

 

Die wundersamen Koffer des Monsieur Perle

Fombelle, Timothée de
2017 - Gerstenberg Verlag   € 18,95

 

Erinnert ihr euch noch an unseren Liebling "Tobie Lolness"? Jetzt hat sein Autor eine neue Geschichte ersonnen: ein bisschen Peter Pan, ein bisschen Michael Morpurgo und vielviel Phantasie:

 

Eine Liebe, größer als ein Menschenleben - die Liebe zu einer Fee. Doch Iliân, Prinz in einem der unzähligen Feenreiche, weiß nicht, dass auch sein Bruder unsterblich in Oliâ verliebt ist. Das wird ihm zum Verhängnis: Iliân wird verbannt in eine andere Welt, die unsrige. Oliâ kann ihm nachfolgen, darf sich ihm aber nicht zu erkennen geben. Sonst würden sie für immer voneinander getrennt. Verzweifelt sucht Iliân einen Weg zurück in sein Reich, einen Weg zurück zu Oliâ. Er weiß, er braucht Beweise - für die Existenz seiner Welt, seiner Liebe. Die Suche nach Beweisen führt Iliân vom Paris der späten 30er-Jahre, wo er den Namen Joshua Perle annimmt, bis in unsere Gegenwart. Aber wird die Zeit eines Lebens reichen, um den Weg zurück zu finden? Eine Geschichte über die Macht der Liebe und des Geschichtenerzählens. Ein Meisterwerk des französischen Bestsellerautors: spannend wie ein Krimi, poetisch, ergreifend!

 

Ein völlig aus der Zeit gefallener Text, schlicht, melodisch, mitreißend- wunderschön!

 

Timothée de Fombelle,

geb. 1973, lebt mit seiner Familie in Paris. Seine ersten Schreibversuche machte er schon als Kind. Nach einem Literaturstudium unterrichtete er zunächst als Lehrer in Paris und Hanoi, bevor er begann, für das Theater zu schreiben und zu inszenieren. Sein Erfolgsroman Tobie Lolness wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und in 26 Sprachen übersetzt.

Tolle Nachbarn

Lasserre, Hélène , Bonotaux, Gilles

Originaltitel: Merveilleux Voisins

Verlag: Jacoby & Stuart (2016)

€ 14,95

 

Ein ehrenwertes Haus in einem gepflegten Viertel- alle Nachbarn sind zufrieden. Bis auf einen, den jungen Mann aus der mittleren Etage. Doch zu seinem großen Entzücken verändert sich die Nachbarschaft nach und nach- und ebenso das Haus, der Hof und die Straße- und nach einem Jahr ist (fast) nichts mehr so, wie es einmal war...

Ein Buch für "alle": ein wunderbar humorvolles Wimmelbuch für Kinder mit dem "Spaß-am-Entdecken"-Faktor auf jeder Doppelseite und noch dazu neugierigmachenden Texten, eine Lektion in Offenheit für Jung und Alt, ein Geschenk für die eigenen "tollen Nachbarn"... ein "MUST-HAVE" in jedem Bücherschrank!

 

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"Brandspuren"

Malou Berlin

Taschenbuch, € 14,90

 

Der kleine (aber feine) Berliner Querverlag verschafft uns mal wieder einen besonderen Lesegenuss:

In einer brandenburgischen Kleinstadt wird Mitte der neunziger Jahre ein Brandanschlag auf das Haus einer türkischen Familie verübt, die schwerverletzt überlebt.

Zwanzig Jahre später beginnt der Roman mit der Nachbarin Wilma, 76 Jahre alt, androgyn, kauzig und exzentrisch. Zu ihrer Tochter Petra hat sie keinen Kontakt mehr, dafür ist die Beziehung zu ihrer Enkelin Anna umso liebevoller. Diese lebt mitten in Kreuzberg und will sich mit ihrer deutsch-türkischen Freundin Jale mit einem Modelabel selbstständig machen. Die beiden Frauen überlegen, mit der Schneiderwerkstatt in das Haus der Großmutter zu ziehen. Doch die Ereignisse zwanzig Jahre zuvor holen Wilma und Anna, die damals fünf Jahre alt war, ein. Und nicht zuletzt durch den Zuzug Hunderter geflüchteter Menschen verändert sich die Situation im Ort und zwischen den Frauen.

Eine Geschichte, die aktueller nicht sein könnte und die differenziert und berührend zeigt, dass niemand sich aus der Verantwortung stehlen kann.

Eine gut erzählte Geschichte, man / frau ist sofort drin, überzeugend geschilderte Charaktere. Ich habe dieses Buch in einem Rutsch weggelesen!

Uli Klinger 30.01.2017

Die Autorin:

Malou Berlin veröffentlichte in den neunziger Jahren Erzählungen in Anthologien und Zeitungen. Ihr Roman Zeit bis Mitternacht erschien 2006 beim Querverlag. Von 2006-2009 studierte sie Filmdramaturgie/Drehbuch an der Filmarche Berlin. Ihr Dokumentarfilm Nach dem Brand erhielt mehrere Auszeichnungen, u.a. den Vielfaltspreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern, und Nominierungen für den Grimme-Preis und den Prix Europa. Ihr zweiter Roman Brandspuren erschien 2016, ebenfalls im Querverlag.
Foto: © Kersten Berlin

 

Gebunden, EUR 26,00

Erscheinungsjahr: 2017 - Hanser

4 Frauen, 4 Männer, 2 Jahre in einem riesigen Terrarium. Bestsellerautor T.C. Boyle erzählt vom halsbrecherischen Versuch, eine neue Welt zu erschaffen.

 

 

In seinem neuen Roman geht es um die Frage, wie die Menschheit einer immer weiter gefährdeten Erde ihre Existenz sichern kann.
Die Antwort: eine Welt unter einer schützenden Glaskuppel, mitten in der brennenden Hitze Nevadas, und ein Team von acht Wissenschaftlern, die in dieser schützenden Sphäre zwei Jahre unabhängig von der Aussenwelt überleben soll. Und während sich in der Kuppel die Dinge naturgemäß verkomplizieren (schließlich hat man bei der Vergabe der Plätze mit Bedacht 4 Männer und 4 Frauen gewählt) , bleiben sie auch in der Außenwelt nicht einfach- schliesslich gibt es da auch die erfolglosen Kandidaten, die nur auf einen Fehler der “Insassen” warten,
um selber einen der heiß umkämpften Plätze in diesem Projekt von historischer Bedeutung zu ergattern...
 
Das liest sich spannend, vielschichtig, mit viel menschlicher Nähe, sind doch die Wünsche, Ideen und Wandlungen der Personen, die abwechselnd erzählen,
so zutiefst nachvollziehbar... ich bin begeistert und empfehle jedem mit Spass an Spannung und farbenfroher Erzählung die Lektüre!

 

Wie man im Leben verliert und was man dabei gewinnt

Es war um 1870, als Will Andrews der Aussicht auf eine glänzende Karriere und Harvard den Rücken kehrt. Beflügelt von der Naturauffassung Ralph W. Emersons, sucht er im Westen nach einer »ursprünglichen Beziehung zur Natur«.

In Butcher's Crossing, einem kleinen Städtchen in Kansas, am Rande von Nirgendwo, wimmelt es von rastlosen Männern, die das Abenteuer suchen und schnell verdientes Geld ebenso schnell wieder vergeuden. Einer von ihnen lockt Andrews mit Geschichten von riesigen Büffelherden, die, versteckt in einem entlegenen Tal tief in den Colorado Rockies, nur eingefangen werden müssten.

Andrews schließt sich einer Expedition an, mit dem Ziel, die Tiere aufzuspüren. Die Reise ist aufreibend und strapaziös, aber am Ende erreichen die Männer einen Ort von paradiesischer Schönheit. Doch statt von Ehrfurcht werden sie von Gier ergriffen - und entfesseln eine Tragödie.

 

"Butcher's Crossing‹ ist ein Roman über einen jungen Mann, der auszieht, um zu sich selbst zu finden, doch es ist auch die Geschichte eines jungen Landes, das gewaltsam auf seiner Existenz besteht und sich nicht um die Folgen schert. Will Andrews, der sich im hohen Gras des Tales übergibt, in dem fast eine gesamte Büffelherde von mehr als fünftausend Tieren abgeschlachtet worden ist, verkörpert ein historisches Amerika. Anfangs ist es jung und dynamisch, und diese neue Bewährungsprobe ist nichts als eine Gelegenheit, um die starken und hart erprobten Seiten des Nationalcharakters zu bestätigen, doch wie beim Büffelschlachten in einem Tal in Colorado, wie in Vietnam und vielleicht im Irak tritt hier auch die widerliche Seite dieses Charakters zutage. Oder vielmehr Charakterlosigkeit. John Williams‘ unbeirrte Schilderung des gefühllosen Wahnsinns im menschlichen Handeln legt nahe, dass die Einheit von Mensch und Natur – der menschlichen Natur – eine schreckenerregende Aussicht darstellt."

Aus dem Vorwort

 

Ein glänzend geschriebener Roman. Unbedingt lesen!!!

U. Klinger 01.02.2017

John Williams

John Williams wurde 1922 in Texas geboren. Trotz seiner Begabung brach er sein Studium ab. Widerstrebend beteiligte er sich an den Kriegsvorbereitungen der Amerikaner und wurde Mitglied des Army Air Corps. Während dieser Zeit entstand die Erstfassung seines ersten Romans, der später von einem kleinen Verlag publiziert wurde. Williams erlangte an der University of Denver seinen Master. 1954 kehrte er als Dozent an diese Universität zurück und lehrte dort bis zu seiner Emeritierung 1985. Er veröffentlichte zwei Gedichtbände und vier Romane, von denen einer mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde.John Williams starb 1994 in Fayetteville, Arkansas.

Erik Lorenz

"Die Geschichte des Sitting Bull"

Illustration: Claudia Lieb

Gebunden, 160 S., 63 Farbabb, € 22,90

 

 

 

 

 

Der zehnjährige David vom Stamm der Sicangu Lakota kennt Tatanka Iyotake, besser bekannt als Sitting Bull, nur als eine mythische Gestalt seines Volkes. Als er seinen Großvater besucht, erfährt er von ihm die wahre Geschichte des berühmten Häuptlings und Medizinmanns der Lakota. Am Lagerfeuer des alten Mannes taucht er ein in eine längst vergangene Zeit, in die faszinierende Welt des amerikanischen Westens - die spannende Lebensgeschichte Sitting Bulls.
In dieser großartig illustrierten, auf historischen Tatsachen beruhenden Erzählung für Jung und Alt wird die wechselvolle Geschichte des Jägers, Sonnentänzers, Kriegers, Geheimnismanns, Kriegshäuptlings und Showmanns Sitting Bull zu neuem Leben erweckt.

Martin Calsow

"Quercher und das Seelenrasen"

Tb., 320 S., 12,00 €

 

"Eine Schweineniere im Hundenapf, unerklärliche Asthmaattacken und manipulierte Autobremsen: Die Familie von Max Querchers alter Schulfreundin Nina Poschner, einer reichen Pharmaerbin, wird massiv bedroht.
Nina vermutet einen Schweizer Unternehmer hinter den Vorkommnissen, der unter allen Umständen die Arzneimittelfirma ihres Vaters übernehmen möchte. Quercher und seine Kollegen vom LKA hingegen glauben, dass die Ursache für die Übergriffe in Ninas politischem Engagement liegt: Sie will am See ein Internat für Migranten aufziehen und 'Gottes Warteraum', wie die Gegend von Spöttern bezeichnet wird, mit Flüchtlingen aus aller Welt verjüngen. Das wiederum stößt im konservativen Tegernseer Tal auf wenig Gegenliebe.
Doch als Quercher herausfindet, dass Nina vor Jahren in Afrika dubiose Testreihen für ein Mittel gegen Cholera zu verantworten hatte und dafür den Tod von Menschen billigend in Kauf nahm, beginnt er, an den edlen Motiven seiner Schulfreundin zu zweifeln. Allerdings steht auch seine eigene Glaubwürdigkeit auf dem Prüfstand, da er zunehmend an Wahnvorstellungen und Panikattacken leidet. Das bleibt seiner Umgebung nicht verborgen ..."
Soweit die Inhaltsangabe des Verlages.

Doch was erwartet Sie wirklich: Ein erstklassig geschriebener Krimi, eine spannende Handlung mit überraschenden Wendungen, Seitenhiebe gegen eine verkrustete CSU-Präsenz in der Politik und in den Behörden und vor allem ein Lesevergnügen sondergleichen.
Wer die Krimis um Quercher noch nicht kennt, empfehle ich, sie in der Reihenfolge zu lesen:
Bd. 1 "Quercher und die Thomasnacht"
Bd. 2 "Quercher und der Volkszorn"
Bd. 3 "Quercher und der Totwald"
Bd. 4 "Quercher und das Seelenrasen"

Uwe-Johnson-Preis 2016

Jan Koneffke erhält Uwe-Johnson-Preis 2016

Jan Koneffke erhält den mit 15.000 Euro dotierten Uwe-Johnson-Preis 2016 für seinen Roman "Ein Sonntagskind" (Verlag Galiani Berlin, 2015).

Aus mehr als 60 Texten und Manuskripten wählte die fünfköpfige Jury den diesjährigen Preisträger aus. Die feierliche Preisverleihung an Jan Koneffke findet im Rahmen der Uwe-Johnson-Tage am 23. September 2016 in Neubrandenburg statt.

»Jan Koneffke entwirft in seinem Roman ›Ein Sonntagskind‹ ein deutsches Panorama, das vom Zweiten Weltkrieg über das Jahr 1989 bis in die Gegenwart führt. Wie bei Uwe Johnson wird offenkundig, auf welche Weise der Einzelne im 20. Jahrhundert in die gesellschaftlichen Zeitläufte hineingezogen wurde und es zu Brüchen in der Biographie gekommen ist. Dennoch wird die kathartische Entdeckung von Schuld und Verstrickung nicht zur Projektionsfläche für moralische Aburteilung durch die Nachgeborenen, sondern zum Ausgangspunkt für (selbst)kritische Fragen nach dem Vergangenen, Gegenwärtigen und Zukünftigen«, so die Jurybegründung.

Mitglieder der diesjährigen Jury sind: Sabine Vogel, Literaturredakteurin der Berliner Zeitung, Raimund Fellinger, Cheflektor des Suhrkamp Verlages und des Insel Verlages, Carsten Gansel, Professor für Neuere deutsche Literatur und Literatur- und Mediendidaktik an der Universität Gießen, Michael Hametner, ehemals leitender Literaturredakteur und Moderator bei MDR FIGARO, sowie René Strien, ehemaliger Geschäftsführer des Aufbau Verlages.

Für den Uwe-Johnson-Preis 2016 konnten Autorinnen und Autoren oder deren Verlage bis zum 31. März 2016 unveröffentlichte sowie seit April 2014 veröffentlichte Arbeiten aus den Bereichen Prosa und Essayistik einreichen. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis fördert deutschsprachige Autorinnen und Autoren, in deren Schaffen sich Bezugspunkte zu Johnsons Poetik finden und die heute mit ihren Texten ebenso unbestechlich und jenseits der "einfachen Wahrheiten" deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reflektieren.

Der Uwe-Johnson-Preis wurde 1994 erstmals verliehen. Zu den Preisträgern der letzten Jahre zählen u. a. Uwe Tellkamp (2008), Christa Wolf (2010), Christoph Hein (2012) sowie Lutz Seiler (2014). Der Uwe-Johnson-Preis wird von der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft e.V. (Neubrandenburg) gemeinsam mit der Nordkurier Mediengruppe (Neubrandenburg) und der Kanzlei Gentz und Partner (Berlin) im jährlichen Wechsel mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis vergeben. Der mit 3.000 Euro dotierte Uwe-Johnson-Förderpreis würdigt herausragende Debütromane.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.uwe-johnson-preis.de

buchreport.de

 

Jan Koneffke

"Ein Sonntagskind"

Roman, Gebunden, 592 S, € 24,99



Nach dem Tod eines linksliberalen Philosophieprofessors finden sich dessen Landser-Briefe aus der Kriegszeit. Sein Sohn begegnet darin einem Menschen, den er nicht kennt, der Schock ist groß.
Winter 1944/45: Um seinen unreifen Sohn Konrad vor den Werbern der SS zu retten, drängt dessen Nazi-skeptischer Vater ihn, freiwillig Reserveoffizier bei der Wehrmacht zu werden; kurz darauf rät er ihm sogar zur Fahnenflucht - Hitlerjunge Konrad graut es zwar vor Kampfeinsätzen, zugleich ist er aber über den mangelnden Patriotismus des Vaters entsetzt und überlegt ernsthaft, ihn anzuzeigen.
Der Krieg macht durch Zufälle aus dem Feigling einen Helden, er bekommt sogar das Eiserne Kreuz Erster Klasse.
Prahlend berichtet er darüber in Briefen an ferne Kameraden. Nach dem Kriegsende jedoch sieht die Welt anders aus. Der vorher verachtete Vater wird zum Leitstern. Konrad schämt sich zutiefst für seine Kriegstaten und verschweigt sie hartnäckig - erst recht, als er (gefordert von einem ehemaligen Widerständler) Philosophiedozent wird, Schwerpunkt Ethik.
Konrad gerät in Frankfurt, inzwischen Professor, ins linke Milieu - und mitten in die Wirren der Studentenbewegung. Als die Staatssicherheit der DDR über einen ehemaligen Kriegskameraden an kompromittierende Informationen über ihn gelangt, wird es brenzlig, aber es gelingt dem Sonntagskind Konrad, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Kein Wunder, dass er - Jahre später - die Nachricht vom Fall der Mauer nicht nur mit Freude hört. Erst sein Sohn wird die prahlenden Jugendbriefe seines Vaters finden - und darin einen Menschen, den er nicht kennt und dessen wahre Identität er rekonstruieren will.

Julian Barnes erhält den Siegfried Lenz Preis 2016

 

Der Schriftsteller Siegfried Lenz hat 2014 eine Stiftung ins Leben gerufen, zu deren vornehmsten Aufgaben es gehört, einen Siegfried Lenz Preis zu vergeben. Der zweite Preisträger ist der englische Erzähler und Essayist Julian Barnes. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen und ist mit 50.000 Euro dotiert. Die feierliche Preisübergabe findet im Hamburger Rathaus am 11. November 2016 statt. Der Preis wird vom Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg und der Siegfried Lenz Stiftung überreicht. Mit dem Siegfried Lenz Preis sollen internationale Schriftstellerinnen und Schriftsteller ausgezeichnet werden, die mit ihrem erzählerischen Werk Anerkennung erlangt haben und deren schöpferisches Wirken dem Geist von Siegfried Lenz nah ist.

Die Jury des Siegfried Lenz Preis ehrt mit Julian Barnes einen der herausragenden europäischen Erzähler und Essayisten. Der 1946 in Leicester geborene Autor versteht es, in seinen Romanen Elemente der Moderne und Postmoderne auf raffinierte Weise miteinander zu verknüpfen. Barnes‘ Werk greift wie in England, England (1998) Diskussionen der Kultur- und Literaturtheorie auf und fragt danach, wie sich Erinnerung für den Einzelnen und für die Gesellschaft konstituiert.

In brillanten Romanen wie Flauberts Papagei (1984) oder Arthur & George (2005) schöpft er aus dem Fundus der europäischen Literatur des 19. Jahrhunderts. So eindrücklich seine Bücher von satirischen und ironischen Tonlagen geprägt sind, so unmittelbar stellt er sich in die Tradition eines Erzählens, das essentielle Lebensfragen der Menschen verhandelt. Beispielhaft gelingt Barnes das in seinem Essay über den Tod Nichts, was man fürchten müsste (2008) und in seinem 2011 mit dem Booker Prize ausgezeichneten Roman Vom Ende einer Geschichte, der am Beispiel seines Protagonisten Tony Webster um Vergessen und Schuld kreist und sich durch eine ergreifende Wahrhaftigkeit auszeichnet. Im Februar 2017 erscheint Barnes’ neuer Roman Der Lärm der Zeit über den Komponisten Dmitri Schostakowitsch.

Wir gratulieren Julian Barnes herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung!

Foto: © Alan Edwards/2images

Lukas Erler

"Auge um Auge"

Kartoniert, 320 S, € 12,99

 

Cool, kantig, eigenwillig - der aufgrund einer Erbkrankheit erblindete Kunsthistoriker Cornelius Teerjong ist ein Mann mit radikalen Ansichten und einem gewissen Hang zum Zynismus.

Auf der "Documenta" in Kassel wird sein Bekannter, der Kameramann Henk de Byl, leblos und auf bizarre Weise verstümmelt inmitten einer Installation im Rahmen der Kunstmesse aufgefunden.

Teerjong ist bestürzt und beginnt gemeinsam mit seiner Freundin, der Journalistin Jenny Urban, auf eigene Faust zu ermitteln. Eine Spur führt die beiden zurück in die Vergangenheit, zu einem unfassbaren Verbrechen, das 17 Jahre zuvor die Welt erschütterte, und Teerjong muss feststellen, dass er seinen Freund nicht annähernd so gut kannte, wie er gedacht hatte.

Schritt für Schritt enthüllt sich Teerjong und Urban das Motiv des Täters, doch je mehr sie erfahren, desto weniger sicher sind sie, dass sie ihn wirklich finden wollen.

 

Was für ein Kriminalroman. Spannende Handlung, ein realer Hintergrund und vor allem psychologisch ausgezeichnete skizzierte Personen. Der Zufall will es, dass in diesem Jahr 2 deutsche Autoren einen blinden HeldIn zur Hauptperson haben. Während Andreas Pflüger seine "Heldin" a la James Bond oder Superman mit Fähigkeiten ausstattet, die einfach reißerisch wirken, zeigt Lukas Erler seinen Helden zwar selbstbewußt, aber auch verletzlich. Hier stimmt die Beschreibung, das mentale Geschehen. Ein Roman der Sonderklasse, unbedingt lesen.

Uli Klinger 16.06.2016

Bernard Cornwell

"Das letzte Königreich"

Kartoniert, 474 S., € 10,99

 

Mit den Drachenbooten kommt der Tod!
Nordengland im Jahre 866: Mit zehn Jahren erlebt der Fürstensohn Uhtred den Einfall der Wikinger. Sein ungestümer Mut in der Schlacht beeindruckt den Anführer der Dänen so sehr, dass er Uhtred verschont und als Ziehkind aufnimmt. Mit den Jahren wird der Junge fast einer von ihnen. Nach Raub- und Eroberungszügen voller Blut und Gewalt droht auch Wessex, das letzte der fünf angelsächsischen Königreiche, an die Eroberer zu fallen. Doch da wechselt Uhtred wieder die Seiten.
Die Uhtred-Romane, Band 1

"Ein beeindruckend gut geschiebener historischer Roman. Ich habe ihn verschlungen!"

Uli Klinger 07/16

"Der Kuss des Raben"
von Antje Babendererde
Gebunden
496 S., von 14 - 99 J., € 17,99

 

 

 

 

Ein Wort vorweg: Ich bin Fan von Antje Babendererde. Vom ersten Buch an.

Aber das hindert mich nicht, ihre Bücher kritisch zu lesen!

 

Nur, was sie mit "Der Kuss des Raben" vorgelegt hat, sprengt alle Grenzen. Auf den ersten Blick angelegt als Liebesgeschichte, enthüllt sich dieses Buch von Kapitel zu Kapitel zu einem der ganz großen Romane, den ich nicht nur Jugendlichen ans Herz lege. Um die Spannung aufrecht zu halten, will ich nicht zu viel verraten. Aber: EIN MUSS FÜR JEDE LESERIN / JEDEN LESER!!!

 

Zum Inhalt: Mila ist schön und anders. Ein außergewöhnliches Mädchen mit einer dunklen Vergangenheit. In Moorstein sucht sie einen Neuanfang - und findet ihre große Liebe: Tristan, eigentlich unerreichbar, erwählt ausgerechnet sie! Mila kann ihr Glück kaum fassen. Doch auch Tristan hat ein Geheimnis. Als im Dorf der Fremde Lucas auftaucht und das Haus der Rabenfrau in Besitz nimmt, erwachen die Schatten der Vergangenheit zum Leben. Lucas und Tristan scheinen sich zu kennen - und zu hassen. Mila gerät zwischen die beiden und findet sich plötzlich selbst vor einem schrecklichen Abgrund wieder ...

"Erschlagt die Armen!"
von Shumona Sinha
Gebunden, Roman. 127 S., € 18,00

 

 

 

 

'Erschlagt die Armen!' ist Titel eines Prosagedichts von Charles Baudelaire, und die Protagonistin dieses Romans scheint ihn wörtlich genommen zu haben: Die junge Frau schlägt einem Migranten in der Metro eine Weinflasche über den Kopf und findet sich in Polizeigewahrsam wieder. Dort soll sie sich erklären:

Was treibt eine dunkelhäutige Frau indischer Abstammung, die in der Asylbehörde als Dolmetscherin zwischen Asylbewerbern und Beamten vermittelt, zu einer solchen Tat? Täglich übersetzt sie das Jammern und die Lügen der Asylbewerber, deren offensichtliches Elend der Behörde nicht reicht - und ist angewidert vom System, deren Teil sie geworden ist. Als Migrantin bleibt sie fremd in den Augen der Beamten, aber auch für ihre ehemaligen Landsleute ist sie fremd - als eine, die es geschafft hat. Schließlich scheint es auch für sie in der menschengemachten Enge der Welt keine andere Begegnung als den Angriff zu geben.

Erschlagt die Armen! ist ein zorniger Roman, der in kraftvoller, bilderreicher Sprache aufrüttelnde Fragen zu Identität und Zusammenleben in einer globalisierten Welt stellt.

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