Buchhandlung für ausgesuchte Literatur Ulrich Klinger Seit über 20 Jahren Ihre Buchhandlung im Veedel
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Belletristik

„Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, dann gibt es keine Hoffnung für sie.“ Albert Einstein

Romane und AutorInnen, die wir Ihnen ans Herz legen wollen  (In alphabetischer Reihenfolge der AutorInnen)

Rabih Alameddine 

geboren 1959 in Jordanien, ist eine der berühmtesten Stimmen des Nahen Ostens. Er ist der Sohn libanesischer Drusen und wuchs in Kuwait, im Libanon und in England auf. Nach seinem Studium war er zunächst als Ingenieur tätig, bevor er Maler und Schriftsteller wurde. Nach Koolaids. The Art of War (1998), I, the Divine. A Novel in First Chapters (2001) und dem internationalen Bestseller The Hakawati (2008) ist Eine überflüssige Frau sein vierter Roman und der erste, der auf Deutsch erschienen ist.

"Eine überflüssige Frau"

Rabih Alameddine

Louisoder 2016    24,90€

 

 

 

 

Aaliya ist 72 Jahre alt und lebt allein in einer Wohnung in Beirut. Allein, seit sie mit Anfang zwanzig kinderlos von ihrem Mann geschieden wurde. Seitdem umgibt sie sich mit Büchern. Sie arbeitet als Buchhändlerin und übersetzt jedes Jahr eines ihrer Lieblingswerke ins Arabische. Ist eine Übersetzung fertig, verstaut sie den Stapel Papier in einem Karton und stellt diesen zu all den anderen. Noch nie hat jemand etwas davon gelesen. Wieder neigt sich das Jahr dem Ende zu und zum ersten Mal ist Aaliya unsicher, welches Buch sie als nächstes übersetzen soll. Sie beginnt, ihr Alter zu spüren. Erinnerungen durchziehen ihre Gedanken. An ihre Familie. An das Leben in Beirut während des Bürgerkriegs. An Hannah, ihre einzige Freundin. An Literatur, die ihr etwas bedeutet hat. An Musik, an Philosophie. Dann passiert das für Aaliya größtmögliche Unglück. Und bringt die Dinge ins Rollen.

 

Ein witziges, unterhaltendes, packendes, stimmungsvolles und rundum gutes Buch. Eine Frauengeschichte, ein Zeitportrait und ganz viel Liebe zur Literatur.

Und nicht zuletzt eine wunderschön gemachte Ausgabe, kleine und handlich, so richtig zum mitnehmen und überall lesen :-)

"Einfach gehen"

Steven Amsterdam

Unionsverlag 2018    22,-€

 

 

 

 

Evan ist ein netter Kerl, geht seiner Arbeit nach, kümmert sich um seine Mutter, hat eine frische Beziehung- eigentlich alles ganz unkompliziert? Nun ja... zum einen: die frische Beziehung hat Evan mit Lon und Simon, eigentlich nur nebenher (für ihn und seine Bindungsängste), aber die beiden möchten mehr.

Seine Arbeit: Evan ist Krankenpfleger, gerade an einem neuen Projekt beteiligt, in dem unheilbar kranken Menschen die (legale) Möglichkeit zum Suizid gegeben wird.

Und seine Mutter, die ihn jahrelang von einer Stadt, einer WG, einer Schule, zur nächsten geschleift hat, eine streitbare und anstrengende Frau, die jetzt massiv abbaut und schließlich in ein Pflegeheim zieht, in dem es ihr dank eines Eingriffs bald wieder so gut geht, dass sie sich auf eigene Faust auf Reisen begibt, natürlich ohne eine Anschrift zu hinterlassen...

Es ist gewaltig was los bei Evan, der allmählich merkt, dass man gewissen Entscheidungen nicht für immer ausweichen kann- und dass sich lebenslange Überzeugungen im Angesicht des Todes wandeln können!

 

Also, vergessen Sie Ihre etwaige Angst vor der Lektüre mit dem Thema Tod, denn einen so stimmigen, liebenswerten Roman werden Sie so bald nicht wieder geboten bekommen!

Mário de Andrade

1893 in São Paulo geboren und 1945 ebenda gestorben, war ein brasilianischer Schriftsteller und Musikforscher. Als Wunderkind am Klavier nahm er zuerst ein Studium am Musik-Konservatorium in seiner Heimatstadt auf, um später Gesang und Musiktheorie zu studieren. Gleichzeitig beschäftigte er sich intensiv mit Literatur und veröffentlichte1917 seinen ersten Gedichtband.

 

1927 entstand de Andrades erster Roman „Amar, Verbo Intransitivo“, der jetzt auf Deutsch bei Louisoder vorliegt.

"Senhorita Elsa- Die Schule der Liebe"

Mário de Andrade

Louisoder-Verlag 2017   € 22,-

 

 

 

 

Brasilien 1927: Seit fast zwanzig Jahren lebt die aus Hamburg stammende, attraktive Elsa Schumann bereits in São Paulo. Immer noch ledig und kinderlos träumt sie von ihrem ultimativen "Karl" - dem Mann, der ihr Leben zum Guten wendet. Mit inzwischen 35 Jahren tickt Elsas Uhr gleich zweifach: einmal in Bezug auf ihre private Lebensplanung und zweitens wegen ihres delikaten Berufs. Elsa ist nämlich "Lehrerin der Liebe". Ihr Job: die Söhne reicher brasilianischer Clans in die Kunst des Flirtens und der Erotik einzuweisen. So auch Carlos, Sousa Costas Erstgeborenen. Als Sprachlehrerin getarnt, soll sie dafür sorgen, dass sich Carlos in sie verliebt und jenseits der schmuddeligen Puffs die seelischen und körperlichen Höhen und Tiefen der Liebe erfährt. Diese Aufgabe kann Elsa aber nur dann erfüllen, wenn sie selbst innerlich neutral bleibt. Doch dieses Mal ist alles anders und nicht nur Elsas Auftrag gerät in Gefahr ....

 

Und wieder eine Perle aus dem kleinen und feinen Louisoder-Verlag!

Eine nostalgische Geschichte zum geniessen, ein bisschen "gute alte Zeit", als die deutschen Auswanderer noch gemeinsam ihre Kultur und Erinnerungen pflegten und man sich regelmässig zum geselligen Miteinander traf. In dieser Gesellschaft hütet Elsa Schumann ihren Beruf natürlich mit aller Sorgfalt. Zwar ist sie durchaus stolz auf ihre Berufung, ist sich natürlich aber der engen Grenzen der bürgerlichen Wertvorstellungen bewusst. So gilt für sie permanente äusserste Wachsamkeit und eine strenge Selbstkontrolle. Aber ob das auf Dauer gut gehen kann?

Jami Attenberg

geboren 1971 in Illinois, studierte an der Johns Hopkins University in Baltimore und lebt in Brooklyn, New York. Sie hat Erzählungen und Romane veröffentlicht. Für »Die Middlesteins«, ihr viertes Buch, wurde sie vielfach ausgezeichnet.

"Die Middlesteins"

Jamie Attenberg

btb-Verlag 2016    9,99€

 

 

 

 

 

Über dreißig Jahre lang haben Edie und Richard Middlestein ein ganz normales Familienleben in einem Vorort von Chicago geführt. Auf einmal drohen die Dinge auseinanderzubrechen, nicht ganz unschuldig daran ist Edies enormer Umfang. Essen ist für sie eine Sucht - und wenn sich das nicht ändert, hat sie nicht mehr lange zu leben. Als Richard ihren Eigensinn nicht mehr aushält und Edie verlässt, machen ihre Tochter Robin, ihr Sohn Benny und dessen Frau Rachelle es sich zur Aufgabe, Edie zu retten. Doch statt bei dieser heiklen Aufgabe an einem Strang zu ziehen, stehen sich alle gegenseitig im Weg. Und so steuert diese aberwitzige Familiengeschichte unerbittlich auf die spektakuläre Bar-Mizwa-Party der Zwillingsenkel zu, die ein Fiasko zu werden droht.

 

Unterhaltung, Humor, Liebe&Familiensinn und die Überraschungen, die unsere Lieben uns bereiten wenn wir uns mal "so richtig" mit ihnen befassen, jenseits der festgefügten Abläufe, wie sie jede Familie kennt- ein Familienroman im besten Sinne!

Margaret Atwood

geboren 1939, ist unbestritten eine der wichtigsten Autorinnen Nordamerikas. Ihre Werke liegen in über 20 Sprachen übersetzt vor und wurden national wie international vielfach ausgezeichnet. Neben Romanen verfaßt sie auch Essays, Kurzgeschichten und Lyrik. Margaret Atwood lebt in Toronto.

"Hexensaat"

Margaret Atwood

Knaus-Verlag 2017   19,99 €

 

 

 

 

Shakespeares "Der Sturm" reloaded... Felix ist der oberste Chef des Theaterfestivals von Makeshiweg, er ist kreativ, wagemutig, innovativ- und von seinem ersten Assistenten ausgebootet worden! Mittlerweile hat er sich in seinem neuem Dasein arrangiert, er gibt Theaterkurse in einer Justizvollzugsanstalt, flirtet ein bisschen mit der zuständigen Ministerin, lebt in einer winzigen Hütte weitab vom Trubel der Stadt in Gesellschaft seiner im Kindesalter verstorbenen  Tochter Miranda. Und sinnt auf Rache. Als sich zur nächsten Aufführung seiner Truppe von Schwerverbrechern eben jene Politiker anmelden, die ihn aus dem Amt gejagt haben, entwickelt Felix einen doppelbödigen Plan. Shakespeares Sturm wird Werkzeug seiner Rache sein- und seine "Knastis" werden ihm helfen...

 

Nicht nur für Shakespeare-Fans ein Vergnügen, die Mischung aus Rache, Knast-Feeling, Geistergeschichte und Trauerverarbeitung ist einfach gelungen! Kann in einem Zug genossen werden

Antje Babendererde

Antje Babendererde wurde 1963 in Jena geboren, ist drei Jahre später mit ihren Eltern nach Gotha gezogen, wo sie aufwuchs und zur Schule ging. Nach dem Abi hat als Hortnerin in einer kleinen Dorfschule gearbeitet und danach in Saalfeld eine Töpferlehre absolviert. In dem schönen Thüringer Städtchen hat sie auch ihren Mann kennengelernt. 

Ihr Mann und sie wollten gerne auf dem Land leben und haben sich in das Abenteuer gestürzt, ein 86 Jahre altes Fachwerkhaus zu kaufen. 

 

Nach der Wende begann Antje Babendererde Bücher zu schreiben und diese Leidenschaft hat sie nicht mehr losgelassen.

 

Im Jahr 1996 hat sie die Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeitet seither als Schriftstellerin.

 

Seit ihrer ersten Reise ins Indianerland, das war 1994, hat sie Romane über das heutige Leben der amerikanischen Ureinwohner für Erwachsene und für Jugendliche geschrieben.

 

Nach 15 Indianerromanen bekam Antje Babendererde große Lust, mit einer Geschichte in ihre Heimat Thüringen zurückzukehren – sozusagen zu ihren Wurzeln. Das machte ihr sehr viel Spaß und mit Sicherheit wird es weitere, in Thüringen angesiedelte Romane geben.

 

Wohin dieser Weg sie führen wird, weiß sie im Augenblick selbst noch nicht. Das ist das große Abenteuer des Schreibens.

"Der Walfänger"
von Antje Babendererde
Kartoniert, Roman. 437 S., € 12,80

 

 

 

 

Nach einem Fangverbot von mehr als achtzig Jahren bekommt das kleine Volk der Makah-Indianer an der Nordwestküste Amerikas die Erlaubnis, wieder Wale auf traditionelle Weise jagen zu dürfen. Auch Micah Mahone bereitet sich auf die Jagd vor, denn er ist auserwählt, einer der Paddler im Walfangkanu zu sein. Doch je tiefer er zum Wesen der alten Traditionen seines Volkes vordringt, um so mehr bedrängen ihn Zweifel, ob alles, was in vergangenen Zeiten einmal richtig gewesen war, auch in der Zukunft noch Gültigkeit haben sollte.

Angefeindet von fanatischen Tierschützern und in Sorge um seinen behinderten Bruder Ryder, der einen geheimnisvollen Walschrein entdeckt hat, versucht Micah seinen Weg zu gehen und dabei das Richtige zu tun.

Hilfe bekommt er dabei von der warmherzigen Museumsdirektorin Sally Kallappa, der die Zukunft ihres Volkes am Herzen liegt. Micah verliebt sich in Sally und begreift irgendwann, dass er sich entscheiden muss …

"Wundes Land"
von Antje Babendererde
Kartoniert, Roman. 320 S., € 9,80

 

 

 

 

Im Auftrag eines Entwicklungshilfeprojektes reist die junge Deutsche Ellen Kirsch nach South Dakota in das Pine Ridge Indianerreservat, der Heimat der Oglala Lakota. Ihr Aufenthalt im Reservat, der mit großen Herausforderungen verbunden ist und in den sie große Hoffnungen setzt, entpuppt sich bald als Alptraum.

Nichts ist so, wie sie es sich vorgestellt hat. Ellen, die nicht nur mit den Unbilden des rauen Landes zu kämpfen hat, sondern auch mit der Ablehnung seiner Bewohner, wird zufällig Zeugin eines Verbrechens und muss erkennen, dass schon ganz harmlose Fragen sie selbst in große Gefahr bringen.

Sie rettet dem Lakota-Indianer Keenan Kills Straight das Leben und riskiert ihr eigenes, um ihn in Sicherheit zu bringen. Immer mehr erkennt Ellen, dass die Dinge hier nicht so sind wie sie scheinen. Aber sie gibt nicht auf und lernt, sich in der fremden Welt zurechtzufinden.

"Dunkel, fast Nacht"
von Joanna Bator
Gebunden, Roman. 511 S., € 24,95

 

 

 

 

Eine Stadt ist in Aufruhr. Drei Kinder sind verschwunden. Die erfolglosen Ermittlungen schüren die Wut der Bürger, befeuern die Gerüchte. Verdächtigungen und Schuld-zuweisungen greifen um sich. Gehetzt wird gegen die "Katzenfresser", die Zigeuner. Im Radio und im Internet lodert die Sprache des Hasses.

Alicja Tabor hat diese Stadt früh verlassen. Nun kehrt sie als Journalistin zurück, um Nachforschungen über die rätselhaften Entführungen anzustellen. Sie quartiert sich im alten Haus ein, das seit dem Tod des Vaters leer steht; die Atmosphäre ist düster, die Stimmung im einst so geliebten Garten unheimlich. Ständig fühlt sie sich beobachtet, um sie herum ereignen sich unerklärliche Dinge.

Schon in "Sandberg" und "Wolkenfern" begegnete uns Joanna Bator als Virtuosin der Verknüpfung, die in den verschwiegenen Familiendramen die Geschichte einer Epoche aufleuchten lässt. Mit der ihr eigenen Subtilität schildert sie, wie Stimmungen kippen können, wie latente Ängste und Traumata sich in jähe Ausbrüche von Wahnsinn verwandeln. Dunkel, fast Nacht ist ein Roman über die Brüchigkeit einer Gesellschaft, die ihre gemeinsame Sprache verloren hat.

Gioconda Belli

Gioconda Belli (* 9. Dezember 1948 in Managua, Nicaragua) ist als nicaraguanische Schriftstellerin und Lyrikerin eine der international bekanntesten lateinamerikanischen Autorinnen.

Sie studierte Kommunikationswissenschaften in Spanien und den USA. 1970 schloss sie sich der FSLN an, der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront gegen die Diktatur der Somoza-Familie. Ihr schriftstellerisches, soziales und politisches Engagement stieß auf harsche Kritik von Seiten des Bürgertums.

Gleichzeitig verursachten Anfang der 70er Jahre ihre ersten veröffentlichten erotischen Gedichte im katholisch-strengen Nicaragua einen Skandal. Belli sah sich jedoch durch die Furore um ihre Person in ihren Anliegen als Autorin zusätzlich bestärkt. 1975 verließ sie Nicaragua und ging zunächst nach Mexiko, später dann nach Costa Rica. Zusammen mit ihren drei Kindern kehrte Gioconda Belli 1978 nach Nicaragua zurück und begann in der politischen Bildung und als Kulturredakteurin zu arbeiten. Inzwischen lebt sie mit ihrer Familie in Los Angeles und Managua.

1978 wurde sie für ihren Lyrikband Línea de Fuego mit dem kubanischen Premio Casa de las Américas ausgezeichnet. In dem Band sind revolutionäre und erotische Gedichte veröffentlicht.[1] 1989 erhielt sie den Preis „Das politische Buch“ der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Mondhitze
von Gioconda Belli (Nicaragua / USA)
Gebunden, Roman. Übersetzung: Kliche, Lutz,
288 Seiten, € 18,00




"Mondhitze", der neue Roman der lateinamerikanischen Kultautorin Gioconda Belli, handelt von den Geheimnissen, Erfahrungen und Abenteuern einer Frau um die Fünfzig. Oder davon, wie der Verlust der physischen Fruchtbarkeit auch der Beginn einer persönlichen Revolution sein kann.

Emma ist eine attraktive Arztgattin aus Nicaragua, und sie hat etwas gegen die unschöne Rolle, die einer reiferen Frau von der Gesellschaft zugedacht wird. Da ihr Körper erste Zeichen des Alterns zu zeigen beginnt, packt sie die Panik. An einem besonders schwarzen Tag voller negativer Gedanken ändert ein zufälliges Ereignis ihre Situation jedoch komplett: Sie begegnet unerwarteter Leidenschaft, wird aus ihrer bequemen Routine gerissen und öffnet sich in dieser nächsten Lebensphase neuen Möglichkeiten der Liebe und weiblicher Macht.

Denn die Schönheit der Frauen mag sich wandeln, aber sie vergeht nicht ...

Alan Bennett

Alan Bennett, 1934 in Leeds geboren, wurde bekannt durch seine TV Comedy-Revue »Beyond the Fringe« sowie durch die 1987 unter dem Titel »Talking Heads« von der BBC gesendeten Monologe. Neben zahlreichen Theaterstücken – unter anderem eine Theaterfassung des englischen Kinderbuchklassikers »Der Wind in den Weiden« – und seinen Arbeiten für Fernsehen und Rundfunk schreibt Bennett seit Mitte der neunziger Jahre auch Prosa.

"Die souveräne Leserin"
Leinen, 120 S., € 14,90

 

 

 

Eine Liebeserklärung an die Queen und an die Literatur; wer hätte gedacht, dass das zusammenpasst?!

Die Hunde sind schuld. Beim Spaziergang mit der Queen rennen sie los, um den allwöchentlich in einem der Palasthöfe parkenden Bücherbus der Bezirksbibliothek anzukläffen. »Ma’am« ist zu gut erzogen, um sich nicht bei dem Bibliothekar zu entschuldigen, leiht sich ebenfalls aus Höflichkeit ein Buch aus – und kommt auf den Geschmack. Von da an deckt sie sich jede Woche mit Lesestoff ein und lernt den Küchengehilfen Norman kennen, mit dem sie sich fortan über ihre Lektüren unterhält.
»Not amused« ist hingegen der Privatsekretär der Queen, Sir Kevin, der nichts unversucht lässt, »Her Majesty« dem schädlichen Einfluss Normans zu entziehen. Denn die Queen beginnt, ihre Pflichten zu vernachlässigen, liest nun lieber in ihrer Kutsche, statt der Menge zuzuwinken.
Ein Bennett »at his best – very British«, wie immer, und von so umwerfender Komik, dass Ihnen der »Bowlerhat« hochgeht!

"Höllenjazz in New Orleans"

Ray Celestine

Piper-Verlag 2018    16,-€

 

 

 

 

New Orleans 1919, ein mysteriöser Killer treibt sich herum, der wahllos tötet, Tarotkarten bei seinen Opfern hinterlässt und anscheinend durch Wände gehen kann: der Axeman! So weit der historisch korrekte Hintergrund.

Auf den Spuren des Mörders sind Detective Michael Talbot, der bereits privat ein heikles Geheimnis hütet, zudem der ehemalige Ermittler Luca D'Andrea, frisch aus dem Gefängnis entlassenes Mitglied der "familia", darüber hinaus ehemaliger Vorgesetzter von Michael Talbot, der mit diesem noch einigen Klärungsbedarf hat.

Ausserdem gibt es da noch die junge Mitarbeiterin der örtlichen Pinkerton-Detektei, Ida, und ihren besten Freund Louis Armstrong, die sich ebenfalls auf die Spur des Killers setzen.

Und als dieser eine höllische Einladung in die Zeitung setzt versinkt New Orleans in einen Taumel aus Jazz und Verbrechen, nachdem nichts mehr so ist wie zuvor.

 

Ein wunderbarer Auftakt einer neuen Reihe (so hoffe ich, zumindest ist der nächste Teil schon in Planung) mit Spannung, ein bisschen Grusel und sehr viel Atmosphäre, nicht nur für Erwachsene!

"The Girls"

Emma Cline

Hanser Verlag    22,-€

 

 

 

 

Kalifornien, 1969. Evie Boyd ist vierzehn und möchte unbedingt gesehen werden - aber weder die frisch geschiedenen Eltern noch ihre einzige Freundin beachten sie. Doch dann, an einem der endlosen Sommertage, begegnet sie ihnen: den "Girls". Das Haar, lang und unfrisiert. Die ausgefransten Kleider. Ihr lautes, freies Lachen. Unter ihnen ist auch die ältere Suzanne, der Evie verfällt. Mit ihnen zieht sie zu Russell, einem Typ wie Charles Manson, dessen Ranch tief in den Hügeln liegt. Gerüchte von Sex, wilden Partys, Einzelne, die plötzlich ausreißen. Evie gibt sich der Vision grenzenloser Liebe hin und merkt nicht, wie der Moment naht, der ihr Leben mit Gewalt für immer zerstören könnte.

 

 

Rückblickend erzählt von einer mittlerweile alt gewordene Evie, die sich an verschiedene Episoden erinnert und -unter Andeutung einer Katastrophe, die dem ganzen ein Ende gesetzt hat- die nicht immer schöne Realität einer Hippie-Kommune aufleben lässt. Atmosphärisch packend und in klarer Sprache erzählt.

"Tod in Connecticut"

Wilson Collison

Louisoder 2018    24,-€

 

 

 

 

Und wieder ein wunderschönes Buch eines wunderbaren Verlages! New York in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts: Nolya ist eine wohlhabende und temperamentvolle junge Frau mit einem verheerenden Ruf, denn Recht auf Freiheit und Spaß ist für junge Frauen in dieser Zeit gesellschaftlich nicht erwünscht. Wer sich nicht daran hält, eckt schnell an- so wie Nolya. Dem Vater ihres verheirateten Geliebten, einem berühmten Strafverteidiger,  ist sie aus diesem Grund ein gewaltiger Dorn im Auge- bis auf einer Silvesterparty ein Mord geschieht und er ihre Verteidigung übernehmen muss.  Im Zuge dieses Verbrechens werden erstaunliche Geschichten zu Tage gefördert...

 

Ein wunderbares Büchlein mit sympathischen Figuren und dem Flair der "roaring Twenties", zudem gekrönt von einem Schluß, an dem sich der Leser von Herzen erfreut. Zum schmökern und genießen!!!

"Der Zopf"

Laetitia Colombani

Fischer 2018   20,-€

 

 

 

Drei Frauen, drei Kontinente, drei Schicksale- und ein Zopf!

 

In abwechselnd erzählten Episoden führt die Autorin ihre drei Protagonistinnen durch ihre Geschichten: Smita, die in Indien für sich und ihre Tochter ein besseres Leben erhofft und schliesslich auf einer Pilgerreise ihr Haar opfert.

Giulia, die sich auf Sizilen unvermittelt mit dem Verlust ihres geliebten Vaters und dem drohenden Konkurs der familieneigenen Perückenfabrik konfrontiert sieht.

Und Sarah, alleinerziehende Karrierefrau in Kanada, die nach ihrer Krebsdiagnose ihr Leben neu zusammensetzen muss.

 

Eine bunte und reiche Geschichte, eine Weltreise durch drei Schicksale, so schön und lebendig erzählt dass man wie von selbst mitfiebert und -leidet.

Ein wunderbarer Schmöker für trübe Stunden!

Patrick Deville 

geboren 1957, studierte Vergleichende Literaturwissenschaften und Philosophie in Nantes und arbeitete dort anfänglich als Dozent. Er lebte in den 1980er Jahren im Nahen Osten, in Nigeria und Algerien. In den 1990er Jahren besuchte er Kuba, Uruguay, Mittelamerikanische Staaten und Staaten des ehemaligen Ostblocks. Er gründete und leitet die »Maison des écrivains étrangers et des traducteurs« und deren Zeitschrift Meet.

Seine Werke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem als »bester Roman des Jahres« der Zeitschrift Lire, mit dem Fnac-Preis und dem Prix Fémina.

"Pest & Cholera"

Patrick Deville

Unionsverlag 2017    12,95€

 

 

 

 

Alexandre Yersin, Arzt, Forscher, Seefahrer, Landwirt, Geograf und Mitarbeiter Louis Pasteurs, wird von einer unbändigen Neugier um die Welt getrieben. Als Schiffsarzt befährt er die Meere Asiens und stürzt sich in immer neue wissenschaftliche Abenteuer. In China gelingt ihm unter dramatischen Umständen eine sensationelle Entdeckung: Er identifiziert den Pestbazillus und entwickelt als Erster einen Impfstoff gegen die Geißel der Menschheit.

 

Nicht nur eine historische Persönlichkeit, sondern ein Mensch- das vor allem schafft Deville in diesem Roman scheinbar mühelos zu vermitteln. Und Alexandre Yersin ist keineswegs ein Superstar, sondern ein talentierter und vielseitig interessierter Wissenschaftler, der noch viel mehr geleistet hat als "nur" den Pestbazillus zu identifizieren! Immer wieder stellte er eigene Wünsche und Interessen zurück, um der Verantwortung zu folgen, die er als Mitarbeiter des großen Pasteur zu tragen hat- wie schwer das auch manchmal fallen mag!

"Ein Lied für die Geister"

Louise Erdrich

aufbau 2016    21,95€

 

 

 

Als Landreaux Iron bei einem tragischen Jagdunfall Dusty, den Sohn seiner Nachbarn, tötet, beschließen er und seine Frau, ihren jüngsten Sohn LaRose bei Dustys Familie aufwachsen zu lassen. Ergeben beugt sich LaRose dieser indianischen Tradition, die zu aller Überraschung ungeahnte, tröstliche Dinge bewirkt. Alles könnte sich zum Guten wenden, wäre da nicht einer, der mit Landreaux eine alte Rechnung offen hat und seine große Chance auf Rache wittert.

Dieses Buch hat mich gleich auf der ersten Seite mit der ausgesprochen schönen Sprache und über den Lauf der Geschichte mit seiner Vielschichtigkeit und dem immer wieder aufblitzenden Humor gefesselt. Es hätte gerne noch ein paar (100) Seiten länger sein dürfen :-)

 

"Moonfleet"
von John Meade Falkner
Halbleinen, Roman. 352 S. mit Lesebändchen,
€ 24,00

 

 

 

 

John Meade Falkners Roman »Moonfleet« gehört in der englischsprachigen Welt seit Generationen zu den meistgelesenen Büchern – und doch ist der Autor im deutschen Sprachraum immer noch weitgehend unbekannt. Die Neuübersetzung von Michael Kleeberg gibt nun Gelegenheit, einen der berühmtesten Abenteuerromane der Literaturgeschichte zu entdecken.
 
Der fünfzehnjährige Waisenjunge John Trenchard wächst in einem Schmugglernest namens Moonfleet auf. Die Leute im Dorf erzählen sich, dass der Kirchhof vom Geist des berüchtigten Colonel Mohune heimgesucht wird, der dort vor seinem Tod einen Schatz versteckt hat. Durch einen Zufall entdeckt John Trenchard die Familiengruft der Mohunes, die auch Schmugglern als Versteck dient. Im Sarg des Colonels findet er ein Amulett mit einem rätselhaften Pergament, von dem er sich Aufschluss über den Verbleib des Schatzes erhofft. Zusammen mit Elzevir Block, dem Anführer der Schmugglerbande, macht er sich auf, den Schatz zu heben. Aber ihr tollkühner Plan birgt manche Gefahr, und mehr als einmal setzen die beiden ihr Leben aufs Spiel ...
Ein wahres Leseerlebnis!!!

"Ans Meer"

René Freund

Deuticke im Zsolnay Verlag 2018    16,-€

 

 

 

 

"Wir fahren jetzt ans Meer!"

Das ist eine eher ungewöhnliche Ansage für einen Linienbus, der üblicherweise getreu seine Strecke von Ort zu Ort fährt. Aber heute ist alles etwas anders, und der sympathische Busfahrer Anton lässt sich dazu hinreißen, dem Wunsch seiner schwerkranken Passagierin Carla zu entsprechen die gerne ein letztes Mal den kleinen italienschen Ort besuchen möchte, in dem sie aufgewachsen ist.

Ebenso ungewöhnlich sind die Mitreisenden, unter anderem eine demente ältere Dame und ein besorgter großer Bruder, der seine Schwester nicht allein lassen will, die wiederum auf jeden Fall mit ihrer besten Freundin und deren Mutter ans Meer fahren möchte...

Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ganze Sache schiefzulaufen beginnt und die Polizei eingreift- aber selbst der nicht unrealistische Schluß passt sich in den wohlig-warmen Fluss der Geschichte ein und lässt den Leser mit strahlenden Augen zurück.

"Bittere Bonbons"

Rachel Gratzfeld

Edition Nautilus 2018    22,-€

 

 

 

 

Eine Sammlung junger georgischer Autoren, thematisch geht es um alles und nichts- das Leben eben, in all seiner Farbigkeit, all seinem Geschmack, allen Sinnen, die da so mitspielen- und das ist so bunt wie eine Tüte Bonbons, und bitter mal zwischendrin, weil das Leben eben nicht nur süß ist.

Und der Leser findet sich so manches Mal in einer fremden Welt wieder, in der sich doch vieles so vertraut anfühlt, wie ein Blick in einen Traum.

 

Eine Mischung, die einen völlig vereinnahmt und erstaunt zurücklässt ob des Ideenreichtums, der neuen Perspektiven, der immer anderen aber immer wunderbaren Sprache... nicht nur vom Äusseren her ist dieses Buch ein Schatzkästchen!

"Löwen wecken"
von Ayelet Gundar-Goshen
Kartoniert, Roman. 432 S., € 13,00

 

 

 

 

 

Ein stürmischer Roman, der zeigt, wie zerbrechlich unser geordnetes Leben eigentlich ist

Ein Neurochirurg überfährt einen illegalen Einwanderer. Es gibt keine Zeugen, und der Mann wird ohnehin sterben - warum also die Karriere gefährden und den Unfall melden? Doch tags darauf steht die Frau des Opfers vor der Haustür des Arztes und macht ihm einen Vorschlag, der sein geordnetes Leben komplett aus der Bahn wirft.

Wie hätte man selbst in einer solchen Situation gehandelt? Diese Frage schwebt über dem Roman, der die Grenzen zwischen Liebe und Hass, Schuld und Vergebung und Gut und Böse meisterhaft auslotet.

"Magdalena"
von Maarten ´t Hart
Gebunden. Eine Familiengeschichte. 320 S., € 22,00

 

 

 

 

"Nach meinem Tod", sagte Maarten 't Harts Mutter oft, "kannst du über mich schreiben, was du willst, aber verschone mich, solange ich lebe." Der Sohn, einer der berühmtesten europäischen Romanciers, hat sich daran gehalten. Er hat bislang nicht davon erzählt, wie ausgerechnet ein kaputter Hosenträger die Liebe zwischen seinen Eltern stiftete, hat verschwiegen, dass sein Vater im Grunde der Überzeugung war, man könne ein Pferd mehr lieben als eine Frau. Nun aber, drei Jahre nach dem Tod der Mutter, erscheint "Magdalena": ein Buch über das große Geheimnis, das sich Kindern hinter dem Zusammenhalt der Eltern zu verbergen scheint, ein ungeschminktes Zeugnis dessen, was der begnadete Erzähler 't Hart bislang alles nicht erzählt hat, und ein schmerzvoll schönes Buch über Mutter und Sohn.

Ernest Hemingway

Gesammelte Werke, 10 Bde.

Übersetzung: Horschitz-Horst, Annemarie; Baudisch, Paul; Plessen, Elisabeth; u. a.

Hemingway, Ernest

Originaltitel: The torrents of spring / The sun also rises / A farewell to arms / To have and have not / For whom the bell tolls / Across thr river and into the trees / The old man and the sea / Island in the stream / and more

Kartoniert, In Kassette, € 68,00

 

Ernest Hemingway

Ernest Hemingway, geboren 1899 in Oak Park, Illinois, gilt als einer der einflussreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. In den zwanziger Jahren lebte er als Reporter in Paris, später in Florida und auf Kuba; er nahm auf Seiten der Republikaner am Spanischen Bürgerkrieg teil, war Kriegsberichterstatter im Zweiten Weltkrieg. 1953 erhielt er den Pulitzer-Preis, 1954 den Nobelpreis für Literatur. Hemingway schied nach schwerer Krankheit 1961 freiwillig aus dem Leben.

"Tentakel"

Rita Indiana

Wagenbach 2018     18,-€

 

 

 

Vielleicht erinnern sich einige wenige noch an eine unserer lange zurückliegenden Empfehlungen, die sich in so gar kein Genre packen lassen wollte: “Aufstieg und Untergang der Insel Delphina” von Gudrun Pausewang.
Und dann und wann kam die Frage, ob es denn nochmal “was in der Art” gäbe...? Jetzt kann ich mit Freude sagen: ja, hab’s gefunden! Es ist natürlich ganz anders, aber irgendwie auch gleich...
 
Zum Inhalt: Die Dominikanische Republik in näherer Zukunft, genau genommen nach einer verhängnisvollen Öko-Katastrophe, die das Meer rund um die Insel in einen giftigen Morast verwandelt hat. Und Acilde, die bei einer Voodoo-Priesterin und enger Vertrauten des Präsidenten  angestellt ist. Acilde hegt zwei große Wünsche, die sich mit Hilfe dieser Stelle erfüllen sollen: sie möchte ein Mann werden und Chef eines edlen italienschen Restaurants- ob sie auf legalem oder nicht ganz so gesetzestreuem Weg ans Ziel ihrer Wünsche kommt, ist ihr im Grunde genommen egal.
Und der andere Teil der Geschichte ist der frustrierte Künstler Argenis, dem ein großartiges Angebot gemacht wird, um finanziell in gesicherte und künstlerisch in weltweit beachtete Bahnen gelenkt zu werden. Doch gleich zu Beginn des Projektes wird er Opfer eines Tauchunfalls in dessen Folge er bewusstseinsverändernde Erfahrungen macht die ihn letztendlich um seinen Platz in der Gruppe bringen.
 
Darüber hinaus gibt es Zeitreisen, religiöse Erfahrungen, schräge Gestalten und eine Seeanemone, der eine Schlüsselrolle in der ganzen Geschichte zukommt. Und, so ganz nebenbei, viel Spaß und Unterhaltung! Ein  Lesevergnügen der besonderen Art, das man sich nicht entgehen lassen sollte!

"Sungs Laden"

Karin Kalisa

Droemer/Knaur-Verlag 2017    9,99€

 

 

 

 

Der Bestseller von Karin Kalisa ist ein Sommer-Roman mit Tiefgang für jede Lebenslage. Mit Wärme, Witz und Lust an kleinen Wundern erzählt Karin Kalisa von traumhaften Verwandlungen im Berlin unserer Tage. Ausgehend vom kleinen vietnamesischen Laden des studierten Archäologen Sung nimmt eine Völkerverständigung der ganz eigenen Art ihren Lauf. Urberliner und Nachkommen der vietnamesischen Vertragsarbeiter verbünden sich in einer spielerischen Alltagsrevolution: Brücken aus Bambus spannen sich zwischen den Häusern, Parkwächter tragen Kegelhüte, auf Brachflächen grünt exotisches Gemüse, und ein Zahnarzt macht Sonntagsdienst für Patienten aus Fernost. Das Unglaubliche geschieht: Gute Laune herrscht in der Metropole! Eine Utopie, natürlich. Aber von unserer Gegenwart gar nicht so weit entfernt.

"So leicht und beschwingt erzählt, so wohltuend warmherzig, dass man sich fragt, warum es eigentlich nicht häufiger solche wunderbaren kleinen Bücher gibt." Jan Ehlert, NRD Kultur

 

 

Was soll ich noch hinzufügen? Mein Liebling NR 1 seit Erscheinen, vielfach verkauft, von allen Käufern gelobt/geliebt! Sollten Sie noch kein Kunde in Sungs Laden sein, ändern Sie das bald! Ihnen entgeht etwas!

"Wie hoch die Wasser steigen"

Anja Kampmann

Hanser 2018   23,-€

 

 

 

 

"Anja Kampmann wagt eine Reise an die Wurzel unserer Gegenwart - atmosphärisch, intensiv, sinnlich."

Lutz Seiler

 

Und das in einer einzigartigen Sprache, die bei der Lektüre immer wieder innehalten lässt, einen Blick zurück fordert.

Und das deckt sich durchaus mit der Geschichte, die erzählt wird: Wasclaw verliert seinen besten Freund, der mit ihm auf einer Bohrinsel gearbeitet hat. Verstört über dessen Tod und den Umgang der Firma mit dieser Tragödie packt Wasclaw die wenigen Besitztümer seines Freundes Matyas und reist zu dessen einziger Schwester um ihr das "Erbe" zu überreichen. Und von dort treibt es ihn weiter, zu einem alten Freund in den Alpen, zurück in die Heimat seiner Kindheit im Ruhrgebiet  und in Gedanken immer wieder bei Milena, deren Liebe er irgendwann zwischen seinen ungezählten Auslandseinsätzen verloren hat. Kann es einen zweiten Anfang für sie beide geben...?

 

Wer sich in einer Geschichte verlieren möchte, die in starken und behutsamen Worten erzählt wird, in der tiefer Kummer und zart-Schöne Momente verbunden sind, der sollte diesen Roman nicht verpassen!

"Euphoria"

Lily King

Beck 2015    19,95€

 

 

 

 

Von realen Ereignissen im Leben der berühmten Ethnologin Margaret Mead inspiriert, erzählt Lily King in diesem grandiosen, spannenden und sinnlichen Roman ebenso anschaulich wie klug von Besitz und Begierde, Entdeckung und Macht, Liebe und Herrschaft.Neuguinea, Anfang der 1930er Jahre. Drei junge Ethnologen - die schon berühmte und faszinierende Amerikanerin Nell Stone, ihr Mann Fen und der Brite Andrew Bankson - stoßen nach Jahren einsamer Feldforschung aufeinander und entwickeln eine leidenschaftliche Dreiecksbeziehung. Erschöpft von den Versuchen, etwas Verwertbares über die Stämme am Sepikfluss herauszufinden, gelangen die drei Forscher zu den Tam, einem weiblich dominierten Stamm mit ungewohnten Ritualen. Während sie immer tiefer in das Leben der Tam eindringen, werden auch ihre unterschiedlichen Wünsche und Interessen immer deutlicher, die erotische Anziehung zwischen Nell Stone und Andrew Bankson immer intensiver. Schließlich schreitet Fen zu einer dramatischen Aktion mit tragischem Ausgang für alle.

 

Spannend, packend, offenes Ende, wie es der reale Rahmen vorgibt- lohnende Lektüre!

"Vater des Regens"

Lily King

Beck 2016    21,95€

 

 

 

 

Lily Kings subtiler und herzzerreißender Roman über die tragisch unverrückbare Liebe einer Tochter zu ihrem manipulativen Vater zeigt, wie unentrinnbar Bindungen in der Familie sind.Daley Amory erlebt als Elfjährige die Trennung ihrer Eltern und wie vor allem der charismatische, aber weltanschaulich in den 50er Jahren stecken gebliebene und selbstzerstörerische Vater seine alte Familie schnell durch eine neue ersetzt. Daley gelingt es, ein eigenes Leben, eine Liebesbeziehung aufzubauen, und bleibt doch auf eine gefährliche Weise auf ihren Vater fixiert, auf die Vorstellung, ihm helfen zu müssen. Mühsam muss sie sich aus dieser Verstrickung befreien.Lily Kings Roman mit seinen faszinierenden und aufwühlenden Charakteren zeigt das ganze psychologische und sprachliche Können der Autorin, die es den Lesern unmöglich macht, sich dem Sog dieser Geschichte zu entziehen.

 

Auch wenn das Thema sperrig klingt, der Roman ist es nicht! Eine Frau, die ihr Leben nochmals überdenken muss und dabei einiges erfährt- eine Familiengeschichte und Unterhaltung auf bestem Niveau!

"Die Gräfin von Cagliostro oder Die Jugend des Arséne Lupin"

Maurice Leblanc

Matthes & Seitz 2007     22,80€

 

 


Arsène Lupin gehört wie Sherlock Holmes, Pater Brown oder Kommissar Maigret zu den legendären und klassischen Gestalten der Weltliteratur. Mit unwiderstehlichem Charme spielt er die Rolle des galanten Gentlemans und gerechten Diebs. "Die Gräfin Cagliostro", mehrfach verfilmt, erzählt die Jugend des Helden, seine erste Liebe, seine ersten Verbrechen. Ein übermütiges und geistreiches Lesevergnügen. Voll jugendlichen Übermuts stürzt sich der junge Arsène Lupin in eine Abenteuer, das er nicht unbeschadet überstehen wird. Denn sein Gegner ist die Tochter des größten Verschwörers und Hochstaplers des 18. Jahrhunderts: die Gräfin Cagliostro, verwickelt in eine politische Affäre um Napoleon und vermeintlich unsterblich. Angezogen von ihrer atemberaubenden Schönheit gerät er in einen Strudel aus Betrug und Verbrechen, aus dem ihm auch seine Kaltblütigkeit nicht helfen wird, denn verliebt verliert selbst Arsène Lupin den Kopf.

 

Aber nur vorübergehend :-) denn er hat viel zu verlieren! Und so wendet sich das Geschick im Lauf der turbulenten Geschichte wieder und wieder... 

"Ein schönes Paar"

Gert Loschütz

Schöffling 2018    22,-€

 

 

 

 

... und ein schönes Buch, möchte ich sagen, dessen Cover mir schon in der Verlagsvorschau gefallen hat!

Philipp Karst, beide Eltern mittlerweile verstorben, findet beim Räumen im Haus seines Vaters eine alte Kamera- und ausgehend von diesem Fund erzählt er in locker arrangierten Rückblicken von der Liebe seiner Eltern, die nach dem Krieg ihren Anfang nahm und mit der heiss ersehnten Flucht nach Westdeutschland unter traurigen Umständen endete. Und er erzählt von seinem eigenen Leben, zwischen den Eltern stehend, voller Fragen, die ihm weder als Kind noch als Erwachsener beantwortet werden. Bis er bei einer Hausbesichtigung auf Spuren stößt, die eine Antwort bieten- und Trost!

 

Der Autor greift hier zurück auf die Geschichte seiner eigenen Eltern, und das tut er behutsam und in ruhigen Worten. Man kann sich dem sanften Fluss der Geschichte bedenkenlos anvertrauen, an ihrem Ende trägt es einen -bereichert- wieder zurück ans Ufer. Wunderschön!

"Das große Spiel"

Céline Minard

Matthes & Seitz Berlin 2018    20,-€

 

 

 

 

Ein kleines Büchlein mit großem Inhalt: eine Frau zieht sich in die Einsamkeit der Berge zurück. Nicht etwa Hals über Kopf aus enttäuschter Liebe und in eine romantische Berghütte, sondern wohlgeplant und voll ausgerüstet in ein eigens zu diesem Zweck gefertigtes "Haus" welches an einer einsamen Bergwand befestigt wird und ihr absolute Abgeschiedenheit garantiert. Die Frau nimmt ihr neues Leben in Angriff, legt einen Garten an, beobachtet die Tierwelt, erforscht die Umgebung- und stößt dabei bald auf Spuren eines anderen Menschen! Wer ist dieser Mensch, was tut er in diesem abgelegenen Gebiet, was bedeutet diese unvermutete Nähe- und können wir jemals alleine existieren, nur auf uns selbst zurückgeworfen sein, oder suchen wir blind die Nähe von anderen- gleich ob Freund oder Feind?

 

Ein philosophischer Text mit vielen Fragen, voller Überraschungen und nicht ohne Witz. Das Lesen dieses Gedankenexperiments macht nachdenklich, die packende Stimmung lässt einen zügig weiterlesen- und das Ende trifft unmittelbar...  

"Diese Fremdheit in mir"
von Orhan Pamuk
Gebunden, Roman. 592 S., € 26,00



Der Nobelpreisträger Orhan Pamuk erzählt in "Diese Fremdheit in mir" vom schillernden Leben eines Straßenverkäufers, als Istanbul sich in eine moderne Metropole verwandelt.


 
Kann man die falsche Frau heiraten und trotzdem die große Liebe finden? Mevlut ist Straßenverkäufer in Istanbul, als er sich Ende der 60er Jahre auf der Hochzeit seines Cousins in die jüngere Schwester der Braut verliebt. Drei Jahre lang schreibt er ihr Liebesbriefe nach Anatolien. Doch dann schickt man ihm die ältere Schwester. Pflichtbewusst heiratet Mevlut Rayiha, und ausgerechnet ein Jugendfreund nimmt seine Angebetete zur Frau. Die beiden Familien leben drei Jahrzehnte in enger Verbundenheit, doch dann nimmt ihr Schicksal eine dramatische Wende. Istanbul aus der Sicht kleiner Leute: Ein großartiger Schelmenroman und ein Familienepos - vor allem aber erzählt der Nobelpreisträger Pamuk eine erstaunliche Liebesgeschichte.

"Fake Metal Jacket"

Sven Recker

Edition Nautilus 2018    18,-€

 

 

 

 

Peter Larsen ist der hoch bejubelte freie Mitarbeiter einer großen Zeitung. Einfühlsam und gnadenlos berichtet er von den Brennpunkten der Welt, trifft seine Leser (und Follower) mitten ins Herz. Nur dass all seine Meldungen komplett gefaked sind! Mit seinem Kumpel Ahmad und einigen anderen Helfern inszeniert er die gerade aktuellen Themen in der sicheren deutschen Heimat- mit gewaltigem Erfolg!

Als jedoch Ahmads Cousine Leila um Hilfe bittet, begibt sich Larsen mitten ins Kriegsgebiet- und läuft in eine sorgfältig vorbereitete Falle!

 

Knappe Sprache, klare Sätze, jede Menge Stoff zum nachdenken- große Klasse! Was bedeutet Wahrheit heutzutage? Wie findet man sie? Und wer entscheidet, was Wahrheit ist? Und: haben wir wirklich ein Recht darauf, alles zu wissen???

"Serverland"

Josefine Rieks

Hanser 2018   18,-€

 

 

 

 

Reiner liebt Computerspiele, vor allem "Command&Conquer" hat es ihm angetan. Nur leider stürzt das Spiel immer wieder ab, immer an der selben Stelle, nichts zu machen- und das ist ein echtes Problem, denn laut eines Jahre zurückliegenden Regierungsbeschlusses sind Computerspiele und auch das Internet abgeschafft, ausgeschaltet, die Hardware nur noch wertloser Müll, zumindest für die meisten Menschen. Dann aber entdeckt Reiner mit Hilfe eines alten Bekannten die stillgelegten Serverhallen- und mit Hilfe einer Autobatterie erweckt er das Internet wieder zum Leben! Die Sache verbreitet sich, immer mehr Neugierige kommt angereist, es herrscht eine vage an Woodstock erinnernde Stimmung. Bis die ersten Meinungsverschiedenheiten aufkommen, erste Enttäuschungen erlebt werden, das erhoffte große Wunder ausbleibt- und Reiner sich selber und seine Handlungsgründe in Frage stellen muss!

 

Ein spannendes Thema, an dem vor allem die fast naive Grundeinstellung der beschriebenen Akteure fasziniert: die Vorstellung nämlich, dass in unserer digitalen Gesellschaft alles geteilt wird, dass wir in einem wahrhaft wunderbaren Zeitalter leben, dass das Internet etwas gutes ist und gutes "produziert". Sehnsucht nach einer Vergangenheit, die in dieser Form nie existiert hat und Fragen aufwirft nach unserer Vergangenheit und deren Bedeutung...

RICHARD RUSSO
geboren 1949 in Johnstown, New York, studierte Philosophie und Creative Writing und lehrte an verschiedenen amerikanischen Universitäten. Für ›Diese gottverdammten Träume‹ (DuMont 2016) erhielt er 2002 den Pulitzer-Preis. Bei DuMont erschien außerdem 2010 der Roman ›Diese alte Sehnsucht‹. In seinem neuen Roman ›Ein Mann der Tat‹, der parallel im Hardcover erscheint, kehrt der Autor zurück in die Stadt und zu den Helden von ›Ein grundzufriedener Mann‹. Russo lebt mit seiner Familie in Boston und an der Küste Maines.

"Diese gottverdammten Träume"

Richard Russo

Dumont-Verlag 2017    16,-€

 

 

 

 

Empire Falls, eine Kleinstadt in Maine: Seit über zwanzig Jahren arbeitet Miles Roby im örtlichen Diner. Hier versammelt sich die ganze Stadt, vom Fitness-Studiobesitzer bis zum Schuldirektor. Miles selbst hat das College abgebrochen, ist geschieden und lebt in einer winzigen Wohnung über dem Restaurant. Und während er sein Bestes gibt, seiner Tochter dabei zu helfen, die Highschool zu überstehen, seinen trinkfreudigen Vater zu bändigen und dem Job im Diner gerecht zu werden, bleibt nicht viel Raum für das, was er sich vom Leben erhofft hat. Seine Verpflichtungen fesseln ihn an die Stadt, und erst als die äußeren Umstände ihn dazu zwingen, gelingt es ihm, Empire Falls zu verlassen. Er flieht mit seiner Tochter an den gemeinsamen Sehnsuchtsort Martha's Vineyard. Seit Jahren spielt er mit dem Gedanken, sich hier niederzulassen. In 'Diese gottverdammten Träume' erzählt Richard Russo mit viel Wärme und Humor die Geschichte eines Mannes, der nicht der geworden ist, der er sein wollte, und zeigt das Leben in der Kleinstadt mit all seinen Absonderlichkeiten: ein Roman mit viel Gefühl für die Tragik, die im Alltäglichen liegt.

 

Und nebenher eine gute Portion Humor und einen Krimi-Strang, alles inklusive. Ein wunderbarer amerikanischer Roman, den man rund ums Jahr genießen kann!

 

"Wovon wir lebten"

Silke Scheuermann

Schöffling  Co.-Verlag 2016   € 24,-

 

 

 

 

Große Erwartungen an das Leben hat Marten nicht. Er stammt aus einem problematischen Elternhaus und wächst in einem Umfeld auf, das von illegalen Geschäften, Schlägereien und Sex beherrscht wird. Beim Drogenentzug trifft er Peter, einen ehemaligen Restaurant- und Clubbesitzer. Peter entdeckt Martens Talent zum Kochen. Als die beiden gemeinsam das Edellokal Happy Rabbit eröffnen, kommt es zu einem Wiedersehen mit Martens Jugendliebe Stella, die ihre Bilder in der Galerie des Restaurants ausstellen soll. Von einer reichen Tante großgezogen, scheint sie ihm unerreichbar. Jetzt aber drehen sich die Vorzeichen um: Während Stella um Anerkennung für ihre Kunst kämpfen muss, avanciert Marten zum angesagten Fernsehkoch - bis das kriminelle Milieu ihn wieder einzuholen droht.Eindringlich und authentisch erzählt Silke Scheuermann von fragilen Lebensträumen.

 

Und das liest sich einfach gut auf den wohlformulierten 536 Seiten. Man begleitet Marten durch Kindheit und Jugend, beobachtet ihn beim straucheln und suchen und freut sich mit ihm über das märchenhafte "happy-ending". Schliesslich darf auch eine realistische Geschichte mal gut ausgehen, oder?

"Kleine Schwester"

Barbara Gowdy

Verlag Antje Kunstmann   22,- €

 

 

 

Sommer 2005 in Toronto. Rose Bowan  führt ein kleines Programmkino, das ihre Eltern mit viel Liebe aufgebaut haben. Ihr Leben ist vollkommen strukturiert, sie kümmert sich um ihre Mutter, die allmählich dement wird, trifft sich mit ihren Freundinnen, hat eine genau reglementierte Beziehung zu einem etwas eigenen Mann und kämpft um den Erhalt des kleinen Familienbetriebs.

In der Vergangenheit, von der auch erzählt wird, gab es einen Vater und eine kleine Schwester, beide leben nicht mehr. Nach und nach erfährt der Leser, wie es zu diesen Verlusten gekommen ist.

Und dann beginnen die Episoden bei Rose: sie verliert das Bewusstsein und erwacht im Körper einer anderen Frau. Sie hat keine Kontrolle, ist lediglich Beobachterin im fremden Bewusstsein, und schwankt zwischen der Angst, den Verstand zu verlieren und Neugierde. Sie beginnt Hinweise zu sammeln auf die Identität der Anderen, nähert sich ihr und versucht eine direkte Begegnung zu erzwingen.

Was wird eine solche Begegnung auslösen? Eine Katastrophe- oder rein gar nichts? Ist das Ganze Wahn oder Realität? Und gibt es einen wie auch immer gearteten Grund für diese Vorfälle? Soll Rose etwas tun oder verhindern? Soll ihr eine Lektion für ihr eigenes Leben gegeben werden? Von wem? Und warum?

 

Das faszinierende an dieser Geschichte ist nicht nur die Atmosphäre, die einen gefangen nimmt- es ist auch die so völlig unspektakuläre und ruhige Art des Erzählens, ein Fluss, in den man sich gerne gleiten lässt. Und die Auflösung, das Ende der Geschichte, das einen irgendwie gelöst und absolut zufriedengestellt zurücklässt.

Ein wunderbares Sommerbuch mit Tiefgang, im besten Sinne weit jenseits aller Ferienlektüre! Lesen lohnt sich!!!

Dörte Hansen

Dörte Hansen, geboren 1964 in Husum, lernte in der Grundschule, dass es außer Plattdeutsch noch andere Sprachen auf der Welt gibt. Die Begeisterung darüber führte zum Studium etlicher Sprachen wie Gälisch, Finnisch oder Baskisch und hielt noch an bis zur Promotion in Linguistik. Danach wechselte sie zum Journalismus, war einige Jahre Redakteurin beim NDR und arbeitet heute als Autorin für Hörfunk und Print. Sie lebt in der Nähe von Hamburg. „Altes Land“ ist ihr erster Roman.

Zwei Frauen, ein altes Haus und eine Art von Familie

Das "Polackenkind" ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen - und wo Annes Mann eine Andere liebt. Vera und Anne sind einander fremd und haben doch viel mehr gemeinsam, als sie ahnen.

Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.

Lars Vasa Johansson

Lars Vasa Johansson, geboren 1966 in Stockholm, ist Drehbuchautor, Musiker und einer der gefragtesten script doctors in Schweden. Er war an diversen Film- und Fernsehproduktionen beteiligt und arbeitete außerdem als Schlagzeuger und Komponist. "Anton hat kein Glück" ist sein erster Roman.

"Anton hat kein Glück"

Lars Vasa Johansson

19,95€

 

 

 

Ein Anruf seiner Eltern und eine E-Mail vom Elektrodiscounter sind die einzigen Glückwünsche, die Anton zu seinem 45. Geburtstag erhält. Aber der grummelige Berufszauberer mag Menschen sowieso nicht besonders. Seit Jahren tingelt er mäßig erfolgreich mit seinen Auftritten von Altersheim zu Einkaufszentrum. An und für sich würde ihn all das gar nicht stören. Wäre da nicht sein Erzfeind Sebastian, der mit seiner spektakulären Zaubershow in ganz Schweden Erfolge feiert. Ausgerechnet mit Charlotta an seiner Seite, Antons Ex-Freundin.
Früher waren Anton und Sebastian befreundet und haben gemeinsam gezaubert, nun sieht Anton überall die riesigen Plakate, die Sebastians und Charlottas Tournee ankündigen und auf denen groß in silbernen Buchstaben Together in Magic Forever steht. Es liegt auf der Hand: Für Anton läuft es nicht gut. Im Grunde läuft es überhaupt nicht. Aber niemand ist besser darin als er, sich das Leben schönzureden. Bis er sich eines Nachts im Wald verirrt und ein seltsames Mädchen trifft. Danach scheint Anton plötzlich vom Pech verfolgt zu werden. Als ernsthafter Zauberer glaubt Anton natürlich nicht an Magie. Aber langsam dämmert ihm, dass er etwas an seinem Leben ändern muss...

 

 

Sehr unterhaltsam, nicht kitschig, voller schräger Ideen und mit einem harmonischen Ende versehen- Lesevergnügen zu jeder Jahreszeit!

 

"Schönheit ist eine Wunde"

Eka Kurniawan

Unionsverlag 2017    24,-€

 

 

 

 

Einundzwanzig Jahre nach ihrem Tod erhebt sich Dewi Ayu aus ihrem Grab. Die einstmals beliebteste Prostituierte Halimundas findet, es sei an der Zeit, ihre jüngste Tochter kennenzulernen. Wieder in der Welt der Lebenden muss sie feststellen, dass ihre Töchter grausame Schicksale erdulden müssen. Alle, bis auf die jüngste - denn die ist mit unsagbarer Hässlichkeit gesegnet. Dewi Ayu begibt sich auf die Suche nach der Ursache für den Fluch, der auf ihrer Familie lastet. Eine Suche, die im zweiten Weltkrieg beginnt, über einen despotischen Herrscher führt und dem Aufstreben einer jungen Nation beiwohnt. Zwischen fliegenden Frauen, rachsüchtigen Geistern und besessenen Totengräbern spinnt sich ein Netz der Wahrheit, das die Geschichte einer Familie und eines ganzen Landes einfängt.
 

 

Dem ist wenig hinzuzufügen: ein Schmöker, ein Märchen, eine Lektion in Geschichte, ein Genuß nicht nur für Fans von Haruki Murakami oder Mario Vargas Llosa. Lesen, versinken, genießen- eine Geschichte von starken Frauen, die auch Männern gefallen dürfte ;-)

Hanns-Josef Ortheil

Hanns-Josef Ortheil
wurde 1951 in Köln geboren.

Er ist Schriftsteller, Pianist und Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Seit vielen Jahren gehört er zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart. Sein Werk wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Thomas-Mann-Preis, dem Nicolas-Born-Preis, dem Stefan-Andres-Preis und zuletzt dem Hannelore-Greve-Literaturpreis. Seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt.

"Die Erfindung des Lebens"
Kartoniert
Roman. 589 S., € 11,99

 

 

 

 

"Die Erfindung des Lebens" ist die Geschichte eines jungen Mannes von seinen Kinderjahren bis zu seinen ersten Erfolgen als Schriftsteller. Als einziges Kind seiner Eltern, die im Zweiten Weltkrieg und in der Zeit danach vier Söhne verloren haben, wächst er in Köln auf. Die Mutter ist stumm geworden, und auch ihr letzter Sohn lebt stumm an ihrer Seite. Nach Jahren erst kann er sich aus der Umklammerung der Familie lösen, in Rom eine Karriere als Pianist beginnen und nach deren Scheitern versuchen, mit dem Schreiben sein Glück zu machen ...

Es ist die Geschichte seines eigenen Lebens, welche Ortheil uns hier schildert.  Unbedingt lesen! Eine wunderschöne Sprache, ein kleines "Juwel" in der Bücherlandschaft!!!

"Die große Liebe"
von Hanns-Josef Ortheil
Kartoniert, Roman. 318 S, € 9,99

 

 

 

 

Hanns-Josef Ortheil erzählt von der leidenschaftlichen Liebe eines Paares, das sich an der italienischen Adria-Küste kennen lernt.

Er, ein deutscher Fernsehredakteur, recherchiert dort für einen Film über das Meer, sie ist Meeresbiologin und leitet ein Forschungsinstitut. Er hat sich gerade aus einer längeren Beziehung gelöst, sie ist mit einem Institutskollegen verlobt.

Beide sind fasziniert vom Wasser, seinen Farben, Gerüchen, und bereits über ihrer ersten Begegnung liegt eine eigentümliche Magie. Sie erkennen, dass sie füreinander geschaffen sind - eine Erfahrung, die keiner von beiden je vorher gemacht hat. Zuerst langsam, dann mit rapide wachsender Intensität lassen sie sich aufeinander ein und versuchen ihre Liebe gegen alle inneren und äußeren Widerstände zu verteidigen

Ein Roman der ganz großen Gefühle - aber ohne jemals kitschig zu werden!

Markus Orths, 1969 in Viersen geboren, studierte Philosophie, Romanistik und Anglistik. Seit 1999 ist er Mitherausgeber der Literaturzeitschrift "Konzepte". Für seine Erzählungen wurde er mit dem Moerser Literaturpreis, dem "Open mike" der literaturWERKstatt Berlin, dem Marburger Literaturpreis, dem Limburg-Preis, dem Förderpreis NRW und 2009 mit dem Niederrheinischen Literaturpreis ausgezeichnet. Markus Orths lebt in Karlsruhe.

 

"Alpha & Omega"

Markus Orths

11,99 € btb

 

 

 

Auf einmal ist es da: ein Schwarzes Loch in Nevada. Von Physikern erschaffen. Ein Unding, das die Erde Stück für Stück verschlingt. Und jetzt? Vielleicht kann Omega Zacharias helfen. Immerhin ist sie der erste Mensch mit drei Hirndritteln und verfügt über spektakuläre telekinetische Fähigkeiten. Obwohl sie eigentlich lieber über Laufstege schwebt und Tennis spielt, stürzt sie sich in den Kampf. Mit von der Partie sind ihr Bruder Alpha und einige kuriose Helden: der reichste Mann der Welt, ein fliegender Magier, ein schwuler Buddha, ein fußballbegeisterter Müllmann und seine esoterisch bewanderte Frau, eine sexbesessene Teilchenphysikerin und ein mutiger Performancekünstler. Aufgezeichnet wird Omegas Geschichte von Elias Zimmermann, der aus dem Jahr 2525 in unsere Gegenwart reist. Elias begleitet Omega auf ihrem irren Trip und blickt zugleich auf die absurden Auswüchse der heutigen Zeit.

 

 

Klingt nach großem Spaß? ISt es auch!!! Der einzige Science-Fiction-Thriller im Hier und Heute, mit "Deutschland sucht den Superstar", Tennisturnieren in Wimbledon und Fußballfans jedweder Couleur. Noch dazu witzig und flott erzählt. Lohnt sich!!!

 

Orhan Pamuk

"Diese Fremdheit in mir"
von Orhan Pamuk
Gebunden, Roman. 592 S., € 26,00

 

 

 

 

Der Nobelpreisträger Orhan Pamuk erzählt in "Diese Fremdheit in mir" vom schillernden Leben eines Straßenverkäufers, als Istanbul sich in eine moderne Metropole verwandelt.

Kann man die falsche Frau heiraten und trotzdem die große Liebe finden? Mevlut ist Straßenverkäufer in Istanbul, als er sich Ende der 60er Jahre auf der Hochzeit seines Cousins in die jüngere Schwester der Braut verliebt. Drei Jahre lang schreibt er ihr Liebesbriefe nach Anatolien. Doch dann schickt man ihm die ältere Schwester. Pflichtbewusst heiratet Mevlut Rayiha, und ausgerechnet ein Jugendfreund nimmt seine Angebetete zur Frau. Die beiden Familien leben drei Jahrzehnte in enger Verbundenheit, doch dann nimmt ihr Schicksal eine dramatische Wende. Istanbul aus der Sicht kleiner Leute: Ein großartiger Schelmenroman und ein Familienepos - vor allem aber erzählt der Nobelpreisträger Pamuk eine erstaunliche Liebesgeschichte.

Laura Penny

Laurie Penny ist die wichtigste Stimme des jungen Feminismus in Großbritannien und Deutschland. 1986 in London geboren, lebt sie derzeit in England und den USA, nächstes Jahr will sie nach Berlin umsiedeln. Sie hat Englische Literaturwissenschaft in Oxford studiert und schreibt für den New Statesman und für New Inquiry sowie auf Twitter, wo sie inzwischen über 100 000 Follower hat.
Zuletzt erschienen bei Nautilus »Fleischmarkt. Weibliche Körper im Kapitalismus« (2012) und »Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution« (2015).

Short Stories von Laurie Penny!

Annie ist sauer auf ihren Mann Simon, weil dem das Baby im Kindersitz vom Autodach gefallen ist. Zum Glück ist Annie Robotikingenieurin und das Baby nur eine Maschine. Simon hat nun mal einfach kein Händchen für komplizierte Technik …

Ein Geschäftsessen im Stripclub, und als Schmuckstück der Firma unter all den mächtigen älteren Frauen: der junge, hübsche Praktikant. Er weiß, dass der Mann von heute alles haben kann, Karriere und Sexappeal! Also lacht er mit – und heult höchstens heimlich auf dem Klo …
Die misanthropische Ms Lehman arbeitet in einer staatlich geförderten Medienagentur, die zur Hebung der Volksmoral Welpenvideos online stellt. Niemand hätte ihr die Tierbefreiungsaktion im Lisbeth-Salander-Style zugetraut, doch auch das Video davon ist ein Hit …

Willkommen im Universum von Laurie Penny! Nach ihren erfolgreichen Sachbüchern »Unsagbare Dinge« und »Fleischmarkt«, mit jeweils über 10 000 verkauften Exemplaren, legt sie hier zum ersten Mal Erzählungen vor, feministische Science Fiction & Fantasy vom Feinsten. Ihr scharfer Blick für unbemerkte Zusammenhänge, ihr beißender Humor und ihr kluges Vergnügen an treffenden Bildern machen die Geschichten zu einer so unterhaltsamen wie provokanten Lektüre.

"Die Sprache der Vögel"

Norbert Scheuer

Fischer-Verlag 2016   9,99€ (TB) 19,95€ (HC bei Beck-Verlag)

 

 

 

 

Paul Arimond kommt 2003 als Sanitäter der Bundeswehr nach Afghanistan, in ein Land, das auch schon sein Vorfahr Ambrosius einst, auf der Suche nach der Universalsprache der Vögel, bereist hatte. Auch Paul, geplagt von Schuldgefühlen nach einem Autounfall, den er mit verursacht hat, liebt es, Vögel zu beobachten und Aufzeichnungen über sie zu machen. Sie scheinen nach einer anderen Ordnung und mit anderen Freiheiten zu leben. Inmitten einer zunehmend gefährlichen Bedrohungslage beginnt Paul immer unberechenbarer und anarchischer zu handeln.

 

 

Eins gleich vorweg: Dies ist keine Kriegsgeschichte, auch wenn sie teilweise in Afghanistan angesiedelt ist!!! Und dieses Buch ist nicht nur als Lesestoff ein Genuß (und auch als Hardcover eine Anschaffung wert!), es ist auch noch mit Vogelzeichnungen versehen, die der afghanischen Tradition entsprechend im Original mit Kaffeesatz gezeichnet wurden- wunderschön! Ein Buch zum eben mal durchlesen- trotz des Tiefgangs- oder auch zum allmählichen genießen. Lassen Sie sich das nicht entgehen!

Katrin Seddig

Katrin Seddig, geboren 1969 in Strausberg, studierte Philosophie in Hamburg, wo sie auch heute mit ihren beiden Kindern lebt. Über ihren Roman «Runterkommen» (2010) schrieb die «taz»: «Ein brillantes Debüt ... Anrührend, witzig und nüchtern.» 2012 erschien «Eheroman», zu dem «Der Tagesspiegel» meinte: «Grandios, wie Katrin Seddig jeder ihrer Figuren einen eigenen Ton verleiht»; 2015 der Roman «Eine Nacht und alles». 2017 "Das Dorf". 

 

Da ist er wieder: Der typische Seddig-Sound. Den ich so liebe, seitdem ich die ersten Zeilen dieser in Hamburg lebenden Schriftstellerin gelesen habe. Dies begann 2010 mit „Runterkommen“, setzte sich 2012 mit „Eheroman“ fort und endete 2015 vorläufig mit „Eine Nacht und alles“.

Und nun, 2017, „Das Dorf“. In dem alles anders ist. Keine Großstadt, keine Erwachsenenprobleme (zumindest am Anfang), sondern, wie schon der Titel verrät: Dorfleben.

Die Handlung ist recht einfach beschrieben: Die 12jährige Jenny freundet sich mit dem 17jährigen Maik an, der sie anfangs widerstrebend auf seine Ausflüge mit dem Moped mitnimmt. Beide leben auf dem Dorf und sind die einzigen Jugendlichen weit und breit. Nun, also eine typische Liebesgeschichte, könnte man/frau denken. Aber weit gefehlt. Seddig nimmt uns auf eine ganz andere Reise mit. Denn die beiden entdecken die Wahrheit hinter der Wahrheit des anscheinend so geordneten Zusammenlebens in diesem überschaubaren Kosmos. Sie stoßen auf ein Dickicht von Lügen, Sehnsüchten, sexuellen Wünschen und sonstigen Geheimnissen. Und es gibt vorerst für die beiden kein Entkommen aus dieser Welt.

Was Katrin Seddig auszeichnet, ist ihr genauer Blick auf die Personen, die Lebensumstände, die geheimen Wünsche. Sie liebt ihre Figuren, sie respektiert sie – und schildert sie doch so genau, dass es einem manchmal kalt den Rücken runterläuft. Hervorragend, ich kann Ihnen diesen Roman nur ans Herz legen. Für mich schon jetzt eines meiner Lieblingsbücher des Jahren 2017!

Die schönste Stelle im Buch: „Wenn man will, dann ist man schön, denkt Jenny. Aber wenn die Mutter es nun mal nicht will, dann ist es eben so. Man kann nicht viel machen, wenn die Menschen nicht wollen. Sie selbst will. Jenny will schön sein. Sie will tanzen, will sich verlieben, in die großen Städte gehen, in fremde Länder, sie will alles sehen, …“

Für ihre Erzählungen erhielt Katrin Seddig 2008 und 2015 den Förderpreis für Literatur der Hansestadt Hamburg.

"Eine Nacht und alles"

Von der Zerbrechlichkeit des Glücks und vom Zauber des Neuen

Gebunden, Roman. 432 S., € 19,95


Eine Nacht mit einem fremden Mann, und plötzlich ist in Irenes Leben nichts mehr am festen Platz. Sie beginnt zu zweifeln – an ihrer eingefahrenen Ehe, an sich als Mutter. Denn für eine junge Anhalterin entwickelt sie stärkere Gefühle als für die eigene Tochter, die in eine Aussteiger-Kommune ziehen will. Irenes hilfloser Versuch, die Dinge wieder zu kitten, machen alles nur schlimmer.
Katrin Seddig erzählt ungemein direkt und doch zärtlich von der Zerbrechlichkeit des Glücks, vom Reiz und der Gefahr des Neuanfangs – und von den Überraschungen, die die Liebe stets bereithält. Ein Roman wie aus dem Leben gegriffen, der unmerklich nahegeht und lange nachwirkt.
«Sie sollte längst zu Hause sein. Früh ist schon zu spät. Sie braucht ein Taxi. Aber sie weiß nicht, wo sie ist. Sie weiß nicht die Straße, sie weiß nicht den Namen unten am Klingelschild, sie weiß nicht einmal den Stadtteil. Aber vor allem muss es schnell gehen, denn es ist schon spät, zu spät, es ist viel zu spät, wie konnte sie nur einschlafen? Sie steigt in ihr zerknittertes Kleid, das vor dem Bett liegt wie eine alte abgestreifte Haut, nach ihrem Parfüm duftend, nach Rauch und nach Küssen.»

Anna Seghers

Netty Reiling wurde 1900 in Mainz geboren. (Den Namen Anna Seghers führte sie als Schriftstellerin ab 1928.) 1920-1924 Studium in Heidelberg und Köln: Kunst- und Kulturgeschichte, Geschichte und Sinologie. Erste Veröffentlichung 1924: „Die Toten auf der Insel Djal“. 1925 Heirat mit dem Ungarn Laszlo Radvanyi. Umzug nach Berlin. Kleist-Preis. Eintritt in die KPD. 1929 Beitritt zum Bund proletarisch- revolutionärer Schriftsteller. 1933 Flucht über die Schweiz nach Paris, 1940 in den unbesetzten Teil Frankreichs. 1941 Flucht der Familie auf einem Dampfer von Marseille nach Mexiko. Dort Präsidentin des Heinrich-Heine-Klubs. Mitarbeit an der Zeitschrift „Freies Deutschland“. 1943 schwerer Verkehrsunfall. 1947 Rückkehr nach Berlin. Georg-Büchner-Preis. 1950 Mitglied des Weltfriedensrates. Von 1952 bis 1978 Vorsitzende des Schriftstellerverbandes der DDR. Ehrenbürgerin von Berlin und Mainz. 1978 Ehrenpräsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR. 1983 in Berlin gestorben. Romane: Die Gefährten (1932); Der Kopflohn (1933); Der Weg durch den Februar (1935); Die Rettung (1937); Das siebte Kreuz (1942); Transit (1944); Die Toten bleiben jung (1949); Die Entscheidung (1959); Das Vertrauen (1968). Zahlreiche Erzählungen und Essayistik.

»Ich habe große Sehnsucht nach einer besonderen Art von Welt, in der man arbeiten und atmen und sich manchmal wie verrückt freuen kann.«

"Das siebte Kreuz"
Ein Roman aus Hitlerdeutschland.
Tb., 416 S., € 9,99

Dieser Roman, der zuerst 1942 in englischer Sprache, kurz darauf im mexikanischen Exilverlag El Libro Libre in deutscher Sprache erschien, machte die Autorin weltberühmt. Er wurde zu einem Bestseller. Der Stoff wurde 1942 in einer Comic-Fassung und in der Verfilmung des österreichischen Emigranten Fred Zinnemann 1944 in den USA populär, noch bevor der Roman seine Leser in Deutschland erreichte. Von allen Werken der Seghers ist er unumstritten das bekannteste.

Sieben Gefangene sind aus dem KZ Westhofen entflohen. Sie haben die längst gegen sie entschiedene Machtfrage neu gestellt. Mit ihrer Flucht unterlaufen sie ihre Ohnmacht und nehmen für ihre Selbstbehauptung äußerste Bewährungsproben auf sich. Aber nur einem von ihnen gelingt die Flucht.

Sie habe mit dieser Fluchtgeschichte, sagte Anna Seghers, die Struktur des ganzen Volkes aufrollen wollen. Aus der Perspektive des sozialen Romans schafft sie die bedeutendste analytische Darstellung der nationalsozialistisch formierten Gesellschaft. Der Roman zerlegt die Motive der funktionierenden Mitmacher, der kalkulierenden Karrieristen, der eingeschüchterten früheren Oppositionellen, der Funktionsträger des Regimes und derjenigen, die dem Flüchtling helfen. Das Nachwort zur Entstehung und zur Rezeption macht deutlich, inwiefern Anna Seghers versuchte, einem Weltzustand, den sie keineswegs beschönigt, so etwas wie eine Hoffnung abzutrotzen, und wie das Gelingen des Romans damit zu tun hat, daß die Suggestion der Hoffnung ständig ihre Widerlegung mit sich führt.

Anna Seghers

"Transit"

Roman. Nachw. v. Sonja Hilzinger

Kartoniert, 290 S., € 10,00

 

Flüchtlinge aus allen Ländern Europas treffen 1940 zu Tausenden in Marseille ein. Sie hetzen nach Visa, Stempeln, Bescheinigungen, ohne die sie den Kontinent nicht verlassen können. Im Chaos der Stadt, in den Cafés, auf der Jagd von Behörde zu Behörde kreuzen sich ihre Wege. Unter ihnen der Ich-Erzähler, der eine schmerzliche Liebe zu der Frau durchlebt, die rastlos ihren Mann sucht, an dessen Tod sie nicht glauben will. Mit falschen Papieren und - durch Zufall - mit der Hinterlassenschaft jenes Toten ausgestattet, erhält er durch glückliche Umstände eine Passage nach Übersee. Doch er gibt sie zurück. Auf ihrer eigenen Odyssee von Marseille nach Mexiko - unmittelbar unter dem Eindruck ihrer persönlichen Erlebnisse - begann Anna Seghers an diesem Roman zu arbeiten. Dennoch spiegelt er die Ereignisse nicht einfach wider, sondern ist ein Werk großer Kunst und Künstlichkeit, voll Ironie, Spiel und scheinbarer Leichtigkeit.
Mit diesem Band liegt die erste authentische Buchausgabe von "Transit" vor. Sie basiert auf der ersten deutschen Veröffentlichung in der "Berliner Zeitung" von August bis November 1947, die erheblich von allen bisherigen Buchpublikationen abweicht und sprachliche wie stilistische Eigenheiten der Autorin erhalten hat. Anmerkungen und Kommentar erläutern die komplizierte Geschichte und die vielschichtige Struktur des Romans, der, so Heinrich Böll, "zum schönsten wurde, den Anna Seghers geschrieben hat".

Aleš Šteger

Aleš Šteger, geboren 1973, ist der bekannteste slowenische Autor seiner Generation. Er studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Germanistik in Ljubljana und veröffentlichte bislang fünf Lyrik- sowie mehrere Prosabände. Für seine Werke erhielt Šteger zahlreiche Auszeichnungen. Außerdem übersetzt er aus dem Deutschen, Englischen und Spanischen, u. a. Werke von Gottfried Benn, Peter Huchel und Ingeborg Bachmann.

www.alessteger.com/

"Archiv der toten Seelen"

Ales Steger

22,95€

 

 

 

Zur Karnevalszeit im Jahr 2012 ist das slowenische Maribor Kulturhauptstadt Europas. Lokalpolitiker und Selbstdarsteller versuchen Profit daraus zu schlagen, jede erdenkliche Kunstform wird vermarktet. In den Medienrummel mischen sich der aus Maribor stammende Dramaturg Adam Bely und die kubanisch-österreichische Journalistin Rosa Portero. Das seltsame Paar verfolgt jedoch eine geheime Mission. Die beiden sind einer bösartigen Verschwörung auf der Spur und wollen deren dreizehn Anhänger entmachten. Dabei begegnen sie einer Vielzahl von Maribors wichtigsten Bürgern, allesamt verstrickt in ein Netz aus Korruption und Lügen. In der Tradition von Bulgakow, Gogol und Kafka lässt Ales Steger die Kräfte des Guten und des Bösen aufeinander prallen, seziert in seinem grandiosen literarischen Thriller die verrottete Gesellschaft des schönen Scheins. Sein Debütroman voller schräger Gestalten - nicht zuletzt ihm selbst- und mit einem sich grotesk steigernden Plot entpuppt sich als Reise in das Herz der Finsternis Europas.

 

Ja, zur Karnevalszeit spielt dieser grandiose Roman- und das ist nicht das einzige verbindende Glied zwischen Köln und Maribor, wie der geneigte Leser merken kann. Für Freunde der Verschwörungstheorie und Liebhaber des Abgründigen!

Anke Stelling

Anke Stelling, geboren 1971 in Ulm, aufgewachsen in Stuttgart und Berlin, studierte in Leipzig und lebt heute mit Mann und drei Kindern in Berlin. Sie arbeitet als Prosa- und Drehbuchautorin.

„Fürsorge „

Anke Stelling

Roman

Gebunden, 171 S., € 19,00

 

Es ist harter Tobak, den uns hier Anke Stelling vorlegt.

Sie beschreibt das Leben der Berufstänzerin Nadja, die nach dem Ende ihrer Bühnenkarriere als Dozentin an einer Ballettschule arbeitet und dort ihre „Schäfchen“ schindet. Nadja weiß nicht recht, wohin mit sich – trotz ihrer Beziehung und den aufwändigen Abendessen, die ihr Partner veranstaltet. Sie beschließt, erstmals nach vielen Jahren ihre Mutter zu besuchen, die sich seit seiner Geburt um Nadjas sechzehnjährigen Sohn Mario kümmert. Dieser definiert sich und kommuniziert wie seine Mutter ausschließlich über seinen Körper.

Zwischen Mutter und Sohn entwickelt sich – zum Entsetzen der beobachtenden, nicht unmittelbar in die Geschichte involvierten Erzählerin – ein heftiges amouröses Verhältnis. Ein Verhältnis, das niemand sonst zur Kenntnis nehmen will.

Mit „Fürsorge“ hat Anke Stelling einen Roman verfasst, der die verstörende Einsamkeit in unserer Gesellschaft thematisiert und insbesondere auf das Verhältnis zwischen Müttern und Kindern eingeht, das uns nur aus Gewohnheit ganz einfach erscheint.

Er ist verstörend, sie nähert sich dem Tabuthema Inzest auf einer unterkühlten Metaebene. Aber es ist ein Buch, welches man/frau nicht mehr aus der Hand legt – wenn man/frau sich erst einmal darauf einläßt. Nur Mut, es lohnt sich.

Uli Klinger 02/2018

Anke Stelling

"Bodentiefe Fenster"

Roman

Kartoniert, 256 S., € 10,00

 

 

Von den 68er-Müttern im Aufbruch hat eine Töchtergeneration den Auftrag erhalten, die Welt zu verbessern – das Waldsterben und die Aufrüstung zu stoppen, ein Zimmer für sich allein zu haben, gemeinsam stark zu sein –, und diesen Auftrag kann Sandra nicht vergessen.

 

Mit vierzig Jahren und als Mutter zweier Kinder ist aus ihr eine Art Kassandra vom Prenzlauer Berg geworden. Sie sieht, dass die Ideale der Elterngeneration im Alltag verloren gehen, auf dem Spielplatz versanden, im Plenum der Hausgemeinschaft ad absurdum geführt werden. Alles auszusprechen, ist offenbar keine Lösung, weggehen kann sie jedoch auch nicht, außerdem genießt sie ihre Privilegien. Sie feiert die Kindergeburtstage wie früher, wie Pippi Langstrumpf, doch der Kern der Utopie ist nicht mehr da. Und die bodentiefen Fenster machen den Alltag allzu durchsichtig.

 

In schöner Sprache und mit viel Ironie erzählt Anke Stelling von den Hoffnungen, Kämpfen und Widersprüchlichkeiten des Mutterdaseins.

 

 

* Anke Stelling wurde mit "Bodentiefe Fenster" für den Deutschen Buchpreis nominiert. Für die Longlist des Deutschen Buchpreises hat die Jury 20 KandidatInnen für den "besten deutschsprachigen Roman des Jahres" 2015 ausgewählt. Zudem steht der Roman auf der Hotlist 2015 und hat den Melusine-Huss-Preis gewonnen. Der Preis wird seit 2011 von Buchhändlerinnen und Buchhändler an einen Verlag auf der Hotlist, der Bestenliste der unabhängigen Verlage, vergeben.

Juan Gabriel Vásquez wurde 1973 in Bogotá geboren und studierte lateinamerikanische Literatur an der Sorbonne. Er hat unter anderem Victor Hugo und E. M. Forster übersetzt sowie zahlreiche preisgekrönte Erzählungen und Essays publiziert. Heute lebt er als Schriftsteller in Barcelona.

"Die Reputation"

Juan Gabriel Vásquez

19,95€

 

 

Javier Mallarino ist eine lebende Legende. Er ist der einflussreichste politische Karikaturist Kolumbiens, ein Mann, der in der Lage ist, ein Gerichtsurteil zu kippen, einen Bürgermeister zu stürzen oder ein Ministerium ins Wanken zu bringen - dazu braucht er nur Papier und Feder. Politiker wie Regierung fürchten seinen gnadenlosen Blick. Mit 65 Jahren, nach vier Jahrzehnten einer glänzenden Karriere, liegt ihm das Land zu Füßen. Doch dann erhält er unerwartet Besuch von einer jungen Frau, die ihn mit einer lange vergangenen Nacht konfrontiert, und zum ersten Mal wird die Verantwortung für seine Zeichnungen zu einer Bürde.
Der große kolumbianische Romancier Juan Gabriel Vásquez erzählt packend von der Last der Vergangenheit und dem Versagen der Erinnerung. In DIE REPUTATION spielt er meisterhaft mit den Grenzen von Öffentlichem und Privatem und lässt den Leser auf beklemmende Weise jegliche Gewissheit verlieren.

 

Wenn Sie beim lesen des Klappentextes die Sorge befallen sollte, dass es sich hier um das abgedroschene Thema "uneheliches Kind" handelt: unnötig! In dieser brillanten Geschichte geht es um Verantwortung in anderer Hinsicht. Schöne Sprache, undramatisch erzählt, Lesegenuss pur

 

"Die Hoffnung"

Mich Vraa

Hoffmann und Campe 2017    22,-€

 

 

 

 

1803 geht die junge Kapitänstochter Maria in Kopenhagen an Bord der Hoffnung, eines ehemaligen Sklavenschiffs. Aus einer kurzen Vergnügungsfahrt wird eine abenteuerliche Reise Richtung Westindien, als Maria entdeckt, dass trotz des Verbots durch den dänischen König der Menschenhandel immer noch floriert und ihr geliebter Vater darin verstrickt ist. Zwanzig Jahre später landet der Humanist Mikkel Eide auf Sankt Thomas, um ein Traktat gegen die Sklaverei zu verfassen. In der dänischen Kolonie werden seine idealistischen Vorstellungen mit der Realität konfrontiert. Warum ist es so schwierig, ein guter Mensch zu bleiben, sich nicht mitschuldig zu machen? Ein ergreifender Roman über Idealisten und Zyniker, eine unmögliche Liebe und die Abgründe der menschlichen Seele.

 

Und ein lesenswerter Historienroman, bevölkert mit sehr unterschiedlichen wie auch abgründigen Figuren, denen man neugierig durch ihre sehr unterschiedlichen LEben folgt!

"Underground Railroad"

Colson Whitehead

Hanser 2017     24,-€

 

 

 

 

Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht - doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit? Colson Whiteheads Roman ist eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, schwarz zu sein in Amerika.
Colson Whiteheads Bestseller über eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte Amerikas - ausgezeichnet mit dem Pulitzer Preis 2017

 

 

Eine faszinierende Lektüre, in der Realität und Erfindung nahtlos ineinander übergehen. Coras langer Weg aus der Sklaverei, die Menschen, denen sie begegnet, das Bangen und Hoffen und die erforderliche Geduld für den immer wieder nächsten winzigen Schritt von einer Abhängigkeit in die nächste- bis endlich die Freiheit erreicht ist...

Juli Zeh

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Studium des Europa- und Völkerrechts, Promotion. Längere Aufenthalte in New York und Krakau. Schon ihr Debütroman „Adler und Engel” (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013) und dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015).

"Unterleuten"
Gebunden, Roman. 640 S., € 24,99

 

 

 

 

Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist ...

Mit "Unterleuten" hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?

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